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Rezension: Yves Saint Laurent & Pierre Bergé - Die Sammlung von Robert Murphy

" Wer in den schönen Dingen einen schönen Sinn sieht, hat Kultur , aus ihm kann noch etwas werden."( Oscar Wilde)

Der französische Modeschöpfer Yves Saint Laurent ( 1936-2008) stellte als künstlerischer Leiter des Hauses Dior (1957-60) sehr moderne, weil taillenlose Trapezkleider und den " Beatlook " mit schwarzen Lederblousons vor. 1962 eröffnete er ein eigenes Modehaus mit seinem Partner Pierre Bergé. Mit Op-Art-Kleidern à la P. Mondrian, Pop-Art-Kleidern und afrikanischen Kleidern aus Holzperlen und Bast machte Saint Laurent Furore, ebenso wie 1976 mit seiner russisch inspirierten " Edel-Bäuerinnen-Kollektion ". In den 1980er -Jahren kehrte er zu einer ruhigen, femininen Eleganz zurück, berühmt für ungewöhnliche Farbkombinationen wie Rosa, Orange und Rot; auch Herrenkollektion, Accessoires und Parfüm.
Der Journalist Robert Murphy hat gemeinsam mit dem renommierten Fotografen Ivan Terestchenko und dem Grafikdesigner Peter Saville ( er ist der Art Director dieses Buches) diesen Prachtband über die Kunstsammlung Yves Saint Laurents und seines Partners Pierre Bergé kreiert.

Bergé entschloss sich nach dem Ableben des Modeschöpfers dazu die Kunstsammlung im Februar 2009 zu versteigern. Im Vorfeld haben die Macher des vorliegenden Buches erstmals Zugang zu den Wohnungen erhalten, wo sie die gesamte Kollektion in Augenschein nehmen und ablichten durften.

Gezeigt werden Yves Laurents Wohnung in Paris, Rue de Babylone, sein Atelier in Paris, Avenue de Breteuil, die Wohnung Pierre Bergés in Paris, Rue Bonaparte, Das Büro von den beiden in Paris, Avenue Marceau, ferner ihr Besitz Chateau Gabriel in Deauville, Villa Mabrouka in Tanger und Villa Oasis in Marrakesch.

Den vielen beeindruckenden Fotografien ist der äußerst erhellende Aufsatz Murphys mit dem Titel " Ein Stück Kunstgeschichte- Yves Saint Laurent und Pierre Bergé " vorangestellt.

Hier erfährt man von den Anfängen ihres Sammelns und der Tatsache, dass Couturiers in Frankreich generell leidenschaftliche Kunstsammler sind. Unter dem Aspekt von Qualität, Exklusivität und Design bilden Geschmack und Couture per se eine Einheit.

Im Laufe der Jahre haben sich die verschiedenen Obsessionen der beiden Herren gebildet, die sich in ihrem Geschmack spiegelten und ihre Sammlung selbst zu einem Kunstwerk werden ließ.

Yves Saint Laurent hatte lange Zeit ein Faible für Art déco und die Freude an einfacher und ordentlicher Architektur, am Exotischen und an Visconti.

Der Geschmack der beiden Männer lässt sich definieren durch ein einzigartiges Gleichgewicht zwischen Dekadenz, Tradition und Sinnlichkeit ihrer eigenen bewegten Zeit. Es stoßen Stil- Perioden und Objekte in ungewöhnlichen Arrangements aufeinander, allerdings waren die Herren auch gegen Zeitgeist nicht immun.

Die Wohnräume wurden zu einem Zufluchtsort eines immer scheuer werdenden Ästheten, der immer seltener Gäste empfing.

Saint Laurent und Bergé haben jeder für sich und selten gemeinsam gesammelt. Obschon sie nicht gemeinsam einkauften, hatten sie die gleiche Richtung.

Bergé war beim Sammeln über den Markt informiert und kannte kunsthistorische Bezüge. Seine Methodik soll sich mit dem Ästhetizismus Saint Laurents ergänzt haben.

Nicht unerwähnt möchte ich lassen, dass die beiden Herren sich der Kunst auf literarischem Weg näherten und Bücher in ihren Häusern den zentralen Platz einnahmen.

Murphy hält fest, dass Geschmack durch Einflüsse entsteht, kultiviert wird durch Wünsche und aufrechterhalten wird durch Wissen.

Die beiden Partner griffen Elemente aus unterschiedlichen Geschmacksrichtungen auf und machten sie sich zu Eigen.

Es folgt eine Fülle von Bildern, die an dieser Stelle unmöglich alle thematisiert werden können.

In Saint Laurents Wohnung in Paris, Rue de Babylon hängen in einem Raum drei Bilder von Léger, die Möbel und das Interieur sind auf die Bilder abgestimmt, der Couchtisch ist bedeckt mit Schätzen aus Cinnabarit und Elfenbein sowie einer Bronzefigur des 18. Jahrhunderts; alles ist in leichten Brauntönen gehalten. Sehr schön, in einem anderen Raum ist ein Drachensessel von Eileen Grays, an den Wänden findet sich erneut ein Gemälde Legers und weitere von Chirico und Vuillard.

Im Verhältnis schlicht eingerichtet ist das private Arbeitszimmer Saint Laurents. An der Wand hängen Kunstwerke von Christian Bérard.

Sein Schlafzimmer zeichnet sich durch eine Fülle von Büchern aus. Über dem Bett hängt ein Kruzifix, auf seinem Nachtisch steht eine Ikone. Ein offenbar tief gläubiger Mensch.

Ein Traum ist seine Bibliothek, von welcher aus man einen Blick ins Kuriositätenkabinett werfen kann. Dort sieht man einen Buddha aus der Mingh - Dynastie, die Paravents an der Tür sind von Frank, die Bronzelampe von Giacometti.

Auf weiteren Fotos stößt man immer wieder auf Gemälde bedeutender Künstler und auf unermesslich viele Skulpturen und auf eine endlose von Büchern . Jean-Paul Sartre hatte übrigens intellektuell großen Einfluss auf ihn.

Eine Tapisserie von Burne-Jones zeigt die " Anbetung der Heiligen Drei Könige " davor steht ein männlicher Marmortorso aus der römischen Antike.

Es folgen Fotos von Laurents Atelier. Grange hat es eingerichtet, ganz schlicht. Der Raum ist Licht durchflutet.

Die Wohnung Bergés enthält mehr Farbnuancen als jene von Saint Laurent. Im Speisezimmer sieht man eine türkisfarbene Chinoiserie-Tapete des 18. Jahrhunderts, an der Wand hängt eine Collage von Picasso. Ein edles russisches Teeservice ist auf dem Tisch platziert.

Über einem venezianischen Sofa im Salon kann man ein Gemälde von James Ensors bestaunen. An einer anderen Stelle des Raums hängen Zeichnungen von Picasso und Braque.

Unmöglich auf all die Kostbarkeiten in den Räumen einzugehen. Kunstobjekte in einer solchen Fülle habe ich noch nie gesehen. Bergés Bibliothek erscheint etwas kleiner. Der Intellektuelle von beiden war eindeutig Saint Laurent.

Beinahe ein Idyll ist das Arbeitszimmer Bergés . Es befindet sich in einem schlichten Glaspavillon mit Blick auf den Garten.Dort befindet sich eine antike Skulptur, die direkt ins Esszimmer schaut.

Interessant auch ist das Büro in der Avenue Marceau. Im Konferenzraum hängen Bilder von Andy Warhol. Der Couture-Salon wurde von Grange eingerichtet.

Chateau Gabriel ist umgeben von einer grünen Oase. Die Wände des Salons sind mit einem Tromp-l`oeil Gemälde geziert. Der Wintergarten ist so geschmackvoll dekoriert, das man sich wünscht dort in einen hundertjährigen Schlaf mit offenen Augen zu fallen. Auch in diesem Haus findet man Kunstgegenstände im Überfluss. Alles passt zueinander, obschon es so verschieden voneinander ist.

Dann die Villa in Tanger: Ein einfacheres Haus mit sparsamer Ausstattung und wenigen Kunstgegenständen, sehr stilvoll eingerichtet und dem Licht des Südens angepasst.

Schließlich die Villa Oasis in Marrakesch. Sie ist der Inbegriff marokkanischer Fantasie, Orientalische Gemälde hängen im Salon, im Eingang sieht man einen kleinen Brunnen. Man fühlt sich in eine orientalische Märchenwelt versetzt. Das hellste Zimmer im Haus ist der blaue Salon. Über dem Kamin hängt ein Gemälde von Boutet de Monvel. Bill Willis hat den mit Mosaiken eingefassten Kamin entworfen.
Dieses Buch birgt eine Fülle von kostbaren Schätzen und verdeutlicht die tiefere Wahrheit eines Satzes von Oscar Wilde, der irgendwann sagte, dass in uns ein Sinn für Schönheit lebt, von anderen Sinnen getrennt und über anderen schwebend, getrennt von der Vernunft und edler als sie, getrennt von der Seele und an Wert ihr gleich.










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