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Rezension: Zorro

Lichtgestalt des Guten!,

Der Kalifornier Diego de la Vega ist der Sohn einer Indianierin und eines spanischen Adeligen. Schon während seiner Kindheit zu Beginn des vorletzten Jahrhunderts ist sein Gerechtigskeitsempfinden sehr stark ausgeprägt. Deshalb lehnt er sich gegen das Unrecht, das man den Ureinwohnern Amerikas antut, vehement auf.

Diego lernt die Sitten und Gebräuche der Indianer kennen und macht sich mit deren Geisteswelt vertraut.

Allende zeigt die brutale Dimension der Kolonalisierung und Missionierung, in der für das Fremde kein Platz zu sein scheint. Mitleidlos verhält man sich gegenüber den Indianern, um sich deren Ressourcen zu bemächtigen.

Diego, der zwar seiner Kindheit, aber nicht den unfairen Eindrücken entwächst, wird von seinem Vater nach Spanien geschickt, damit er eine europäische Ausbildung und Erziehung erhält. Der junge Mann lebt im Hause eines liberal gesinnten Granden, lernt europäisches Gedankengut kennen, lernt aber auch zu fechten und durch eine gute Figur in seinen Gesellschaftkreisen zu glänzen.

In Spanien ist die Zeit der Inquisition noch nicht zu Ende. Er sieht, wie man mit Andersdenkenden umgeht und tritt einem Geheimbund bei, der sich gegen allgemeines Unrecht zur Wehr setzt.

Allende lässt Zigeuner zu Wort kommen. Sie zeigt , wieviel Ungemach diese Menschen erlitten haben, indem man sie stets zu Sündenböcken degradierte. Sie verdeutlicht aber auch, dass trotz aller Demütigungsversuche, diese Zigeuner ihre Selbstachtung niemals verloren haben. Diego wird vertraut gemacht mit den Ritualen und der Esoterik des fahrenden Volkes, mit einer Welt jenseits der Rationalität. Er zollt dieser Welt ebensolche Achtung, wie der Geisteswelt der Indianer.

Nachdem Tomas de Romeu , in dessen Haus Diego lebt, aufgrund seiner liberalen Gesinnung hingerichtet wird, flieht Diego mit Romeus Töchtern durch ganz Spanien, wo er in viele Abenteuer verwickelt wird und sich immer wieder tapfer duelliert .

Der Wallfahrtsort Santiago de Compostella ist eine der letzten Stationen in Spanien.

Auf dem Meer lernt er die Gefahren für Handelsschiffe kennen. Korsaren entern das Schiff. Diego befindet sich in den Fängen der berüchtigten Brüder Lafitte. Diese haben ihren Stützpunkt - ihr Piratennest- in New Orleans.

Die Autorin zeigt nun die Bigotterie der Amerikaner, die zwar während der Erzählzeit die Einfuhr schwarzer Sklaven aus Afrika verboten haben, sie jedoch über Kuba nach wie vor einschleusen und in ihre Dienste zwingen, um auf diese Weise selbst reich und reicher zu werden.

Der junge Mann lernt nun Riten und Esoterik , speziell den Vodoo-Zauber, der Schwarzen kennen. Diego hat kein Problem damit das Anderssein von Randgruppen zu akzeptieren. Er geht sogar noch einen Schritt weiter. Er kämpft für die Menschen, die unterdrückt sind und nicht als gleichberechtigte Mitglieder der Gesellschaft toleriert werden.

Natürlich spielt in Allendes Buch die Liebe und auch die Eifersucht eine Rolle. Doch nachdem sich Diego de la Vega im Laufe des turbulenten Handlungsverlaufs immer mehr in " Zorro" , die Lichtgestalt der Gerechtigkeit verwandelt, kann ein Happy-End im gemeinsamen Ehebett nicht mehr heraufbeschworen werden.

Helden sind bekanntermaßen stets einsam, auch Zorro ist es.

Allende hat einen wunderbaren Mantel-und -Degen-Roman geschrieben, der durchaus viele triviale Facetten aufweist. Damit wird sie gekonnt dem Genre, in dem sie sich hier bewegt, gerecht. Überdies hat die Autorin es geschafft eine Fülle von Problemen kolonialer Fehlentwicklungen aufzuzeigen. So ist ihre Zorro-Gestalt zu einer Plattform für ein anderes Thema geworden, das Isabel Allende virtuos bewältigt hat.

Sehr packend geschrieben! Empfehlenswert!





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