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Rezension:Der Hass auf den Westen: Wie sich die armen Völker gegen den wirtschaftlichen Weltkrieg wehren

Alle 10 Sekunden stirbt ein Kind unter 10 Jahren an Hunger oder einer Krankheit.
2000 versammelten sich 192 Staaten in New York, um die Milleniumsentwicklungsziele zu definieren. Innerhalb einer Generation sollten Hunger, Unterernährung, Epidemien und extreme Not von 2,2 Milliarden Menschen der vorwiegend südlichen Hemisphäre beseitigt werden. Bis heute gibt es hier nicht den geringsten Fortschritt, stellt Jean Ziegler fest.
Begründet auf kolonialem Hass auf den Westen bzw. die damaligen Greuel an der Bevölkerung und mit dem heutigen kapitalistischen Wirtschaftskrieg hat sich der Hass in den armen Ländern mehr als potentiert. Heute können wir dieses Ausmaß nur ahnen und Ziegler gibt uns eine Vorstellung davon, wie ein Kontinent sich fühlen mag, dessen Einwohner von Sarkozy als allein den Naturgesetzen unterworfen charaktersiert wird, die sich endlich dem Fortschritt öffnen müssen. Gleichzeitig wird die Landwirtschaft des afrikanischen Kontinents mit Dumpingpolitik des Westens systematisch zerstört. Die Reden von Sarkozy an die afrikanische Jugend, in denen er sie u.a. bat, endlich in die Geschichte einzutreten, wurde von Doudou Diène, einem senegalesischen Intellektuellen, so kommentiert: "Den afrikanischen Intellektuellen zu erklären, dass sie nicht in die Geschichte eingetreten seien, knüpft an die rassistischen Schriften des 17.-19. Jh. an."
Der Süden begründet sein Mißtrauen heute mit der gespaltenen Zunge des Westens. Dieser predigt Werte, die er in seiner Praxis des Wirtschaftens nicht hält. In den Augen des Südens ist dies schizophren. Diese Tatsache lähmt heute jeden Fortschritt in den Verhandlungen zwischen Süd und Nord. Im Dritten Teil des Buches analysiert Ziegler die Hintergründe und Beweggründe des Westens für dieses schizophrene Verhalten. Der vierte Teil beschäftigt sich dann mit Nigeria, dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas und achtgrößtem Erdölproduzenten der Welt. Hier darben 70% der Bevölkerung in bitterster Armut, während das Erdöl die Beute großer westliche Erdölkonzerne ist. Teil fünf des Buches beschreibt die Revolution in Bolivien, von der aus ein Bruch mit dem Westen vollzogen wurde und wo ein neues Identitätsbewusstsein erwacht, das auf den gesamen Kontinent ausstrahlt. Dabei spielen genossenschaftliche, kooperative Zusammenschlüsse jenseits von westlicher Konkurrenz und Wettbewerb eine wichtige Rolle.

Das Buch gibt ein beeindruckendes Bild einer aktuell schwebenden, unlösbaren Situation, in der die Vereinten Nationen am Rande des Ruins dahintreiben. Die Genfer Abrüstungskonferenz ist seit 42 Jahren vollkommen lahmgelegt, die Weiterverbreitung von immer mörderischen Kernwafffen schreitet geschäftssteigernd fort.

Jean Ziegler analysiert die Situation glasklar, sein Buch möchte aufrütteln und es ist vor allem ein Appell an die Menschlichkeit aller, endlich die wirklichen Werte gegenseitigen Respektes und Fairness anzunehmen: "Wenn der Westen nicht endlich das Leid der südlichen Völker warhnimmt, nicht hört, wie ihr Zorn wächst, seine Vorgehensweise nicht radikal verändert, die Wünsche und Entschlossenheit der Unterdrückten nicht berücksichtigt, wird der krankhafte Hass die Oberhand gewinnen."

Weil der Westen nicht reagiert, haben sich wie Bolivien zahlreiche Völker des Südens entschlossen, Nationen zu errichten, die fähig sind, mit dem Westen zu brechen. Den Hass verwandeln sie in eine Kraft der Gerechtigkeit, des Fortschritts, des Rechts und der Freiheit, ganz im Sinne der französischen Revolution. Am 25.11.2007 rief Evo Morales in der bolivianischen Hauptstadt: "Schluss mit der Plünderung Boliviens! Schluss mit dem Kolonialstaat!" Der Westen muss seine Position gen Süden schnellstens überdenken, wir alle müssen eingreifen und handeln, menschlich und gerecht. Dazu ruft Jean Ziegler mit diesem Buch auf. Aufrüttelnd!

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