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Rezension:Trotzki, Goethe und das Glück: Gesammelte Gedichte und Songtexte (Broschiert)

"...bleibt dir immer noch an den Kuppen seiner Träume das Gedicht." (Fauser)


Der Lyriker und Schriftsteller Jörg Fauser verunglückte am 17. Juli 1987. Er urde nur 43 Jahre alt. Das vorliegenden Taschenbuch beinhaltet Gedichte und Songtexte, die sich als großartige, lyrische Dokumentation dieses hochbegabten Dichters erweisen, der in der Lage war Verse voller feinsinniger Poesie und Tiefgang zu schreiben. Nicht grundlos ist seinen Arbeiten ein kleiner Text von Charles Bukowski vorangestellt, denn an ihn erinnern seine Themen, ohne dabei Bukowski in irgendeiner Form textlich nachzuahmen. Fausers Gedichte sind einzigartig.

Was man hier liest ist Großstadtlyrik der 70er Jahre:

"Berlin, Paris, New York,/eine Straßenecke in Schöneberg erregt mich tiefer/als der Schnee/auf dem Mont Blanc/ich habe die Schönheit gesehen/von großen Städten,den Glanz/ihrer Avenuen,das Elend/der Massen und die Vernichtung von einzelnen,/ich habe die großen Städte geliebt/und ich liebe sie auch/in ihrem Verfall,/es sind nicht die großen Städte, die die Menschen zerstören,/sondern die Gesetze,/ die das Menschliche nicht formen/sondern ersticken,/....."

und an anderer Stelle...

"Du hast nichts weiter vor, du sitzt/in einem alten Café in Paris/ es ist halb elf und ein Clochard/rollt sich zwischen die Mülleimer/neben Finkelsteins koscherer Metzgerei/bettet seinen Kopf auf ein Bündel/feuchte Zeitungen und schläft./ Die Kellnerin mit dem traurigen/Lächeln stellt die Stühle zusammen/auch sie will sich betten, zu wem?/Sie ist keine Heilige und heißt/auch nicht Arletty, du bist nicht/im Paradies oder im Kino, du könntest/sie fragen ob du unter ihren/Regenschirm darfst./..."

Der Realismus Fausers beeindruckt mich. Es gelingt ihm, dem vordergründig Jämmerlichen Schönheit abzugewinnen und diese in Poesie zu verwandeln. Das können nur wenige. Fauser konnte es.
Freilich war er ein Pascha, wie so viele 68er-Jungs...:-))

"Einmal hatte ich fünf Freundinnen/zu gleichen Zeit, ich schlief/jede Nacht mit einer anderen,/fünf Frauen füllte ich ab mit Samen,/mit Geschwätz, mit Gelächter und Traurigkeit,/aber das hielt natürlich nur ein paar Wochen/und dann war es mit allen fünf Frauen/zur gleichen Zeit aus./

Fauser verfügt über Selbst-Ironie und tröstet sich mit folgenden Worten über diesen unsäglichen Verlust:"...sei zufrieden, Mann/,auch ohne fünf Frauen/hast du allen Grund,/zufrieden zu sein, jetzt/ wenn Du einschläfst, keiner/hinter Dir her, du/ hinter niemand her,/ allein."

Seine Verse wirken wie ein endloser Blues.






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