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Rezension: Bordeaux: Ein Roman in vier Jahrgängen von Paul Torday

" Aus Mäßigkeit entspringt reines Glück." (Goethe),

Der britische Schriftsteller Paul Torday erzählt die Geschichte des Softwarespezialisten und Weinliebhabers Wilberforce in Form einer Ich-Erzählung.

Der Protagonist war, wie man seinen retrospektiven Betrachtungen entnehmen kann, schon in der Schule ein Ass in Mathematik und erhielt an der Durham University ein Stipendium für Informatik. Sein Studium schloss er aber nicht ab. Stattdessen baute er eine Softwarefirma auf, in der er alsbald fünfzig Leute beschäftigten konnte. Zehn Jahre lang arbeitete er täglich vierzehn Stunden und länger.

Der Workoholic ernährte sich damals primär von Fast- Food, hatte keine Freunde und lebte als Single. Sein gesamtes Engagement galt dem Aufbau seiner Firma. Er arbeitete gerne, auch wenn sein bester Mitarbeiter Andy zu jenen Zeiten sein Tun als zwanghaft bezeichnete.

Andy bewegt ihn immer wieder unter Leute zu gehen und sein Leben bunter zu gestalten.

Das tut er schließlich als er durch Zufall den wesentlich älteren Francis kennen lernt, dem der stattliche Besitz New Castle -Caerylon Hall gehört. Francis wird für Wilberforce zur Vaterfigur, zu der er alsbald starkes Vertrauen hat.

Bei ihm lernt der Softwarespezialist eine Reihe junger Leute aus der Upperclass kennen, mit denen er zukünftig zur Moorhuhnjagd und zu Dinnerpartys geht, doch auf dieses Leben ist er nicht vorbereitet.

Seine Arbeit in seiner Firma delegiert er immer stärker an Andy.

Er verliebt sich in Catherine, die Verlobte eines neuen Freundes. Nach anfänglichen Bedenken, spannt er dem Freund das Mädchen schließlich aus.

Seine Firma veräußert er, um das Anwesen von Francis inklusive 100 000 Flaschen feinsten Bordeaux vor dem Zugriff der Bank zu retten.

Francis liegt im Sterben und wünscht sich einen " Erben ", der seine Verbindlichkeiten begleicht. Der alte Lebemann ist hoch verschuldet.

Wilberforce akzeptiert den Deal und erbt Castle -Caerylon- Hall.

Er heiratet jetzt Catherine und lebt fortan mit seiner jungen Frau das Leben eines Frühpensionärs. Im Gegensatz zu seinen Upperclass-Freunden ist er dieses Leben nicht gewöhnt, verliert innerhalb von drei Jahren aufgrund unmäßigen Weingenusses - 5 Flaschen Bordeaux täglich - seine Frau , seine Gesundheit und seines Vermögen.....

Bis zum Schluss meint Wilberforce Wein als Alkohol zu bezeichnen sei unsensibel und grob.

Der Genuss der feinen Grand Crus, ganz zu Schweigen der kostbaren Flaschen Petrus ( er bevorzugt auch in Restaurants stets nur die besten Jahrgänge) ist für ihn eine Art Hochamt, das er fortan ständig feiert.

Wilberforce kann mit den edlen Tropfen nicht umgehen. Sein Habitus ist der eines Neureichen, der nicht genug bekommen kann.

Das gesamte Verhalten dieses Mannes ist ziemlich selbstbezogen. Seine Frau beginnt er erst wirklich zu lieben als sie für nicht mehr erreichbar ist.

Ein fast tragische Gestalt, die den schnellen materiellen Aufstieg ganz offensichtlich nicht verkraftet hat und dessen inneres Wachstum immer noch auf dem Stand eines Pubertierenden ist.

Ein wirklich flüssig geschriebener, nachdenklicher und dabei spannender Text.

Empfehlenswert.


















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