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Rezension: Brevier des Trostes. Zuspruch, Rat und Ermutigung aus dem reichen Erfahrungsschatz berühmter Dichter und Denker (Gebundene Ausgabe)


In zehn Kapiteln auf unterschiedlichste Themen gerichtet (Liebe, Ehe, Weltgeist, Menschenart, Reichtum, Religion, Vergänglichkeit, Tod), enthält dieses Buch einen reichen Erfahrungsschatz (als Sentenzen, Kurzprosa, Gedichte) von berühmten Dichtern und Denkern.

Zu Beginn des locker gegliederten, mit Illustrationen versehenen Werkes steht diese Aussage von Schiller: "Das schwere Herz wird nicht durch Worte leicht. Doch können Worte uns zu Taten führen."
Grillparzer reflektiert unser ewiges Nachdenken um den Urgrund unseres Hierseins:

"Geläng es mir, des Weltalls Grund,
Somit auch meinen auszusagen,
So könnt ich auch zur selben Stund
Mich selbst auf meinen Armen tragen."

Leider wird diese Sammlung dem Titel nicht immer gerecht, wir finden hier eher Tatsachen, Analysen oder Einstellungen zu bestimmen Zuständen als wirklich echten, aufbauenden Trost oder Handlungsanleitungen. Aber dies tut dem Lesen und Nachdenken keinen Abbruch - z.B. wenn Jean Paul zurecht? sagt: "Das Alter ist nicht trübe, weil darin nicht unsere Freuden, sondern weil unsere Hoffnungen aufhören." Weiser scheint mir diese Erkenntnis von Goethe: "Man darf nur alt werden, um milde zu sein; ich sehe keinen Fehler begehen, die ich nicht auch begangen hätte."

Dieses Worte von Goethe kann allerdings Trost spenden im Rahmen einer beispielsweise eher unglücklichen Beziehung zum Chef oder Konkurrenten: "Wer fertig ist, dem ist nichts recht zu machen; ein Werdender wird immer dankbar sein." Und niemals sollte man die Hoffnung aufgeben, egal wie einsam man ist: "Durch ein paar Züge aus dem Becher der Liebe hält die Natur für ein Leben voll Mühe schadlos."

Busch trommelt auf den selbigen, den erfolgreichen Schleimern die Spur wischend:

"...nicht leicht befördert wird der Stänker,
Mit Demut salbe deinen Rücken,
Voll Ehrfurcht hast Du dich zu bücken,
Musst heucheln, schmeicheln, muss dich fügen,
Denn selbstverständlich nur durch Lügen
Kommst du vom Fleck.
Oh, tu's mit Eifer, tu's geduldig.
Bedenk, was du dir selber schuldig!
Das Gönnerherz wird sich erweichen,
Und wohl verdient wirst Du erreichen
Den guten Zweck."

Unvergleichlich einprägsam die Illustration zu diesem Gedicht: ein hoch erhobener Hintern, untertänigst an einem langen Tisch voller diesen anblickenden Gesichtern stehend, den Vorsitzenden vom Stuhl von unten durch die Tischbeine sehend.

Und immer wieder Goethe: "Was macht Gewinnen? Nicht lange besinnen! Was bringt zu Ehren? Sich wehren!"




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