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Rezension: Der neue Mann von Welt: Geist schlägt Geld (Gebundene Ausgabe)

Männer wollen in dieser Welt offenbar alles sein: in erster Linie perfekte Verführer, das verdeutlichen die Verkaufszahlen von Oliver Kuhns gleichnamigem Buch, zudem natürlich Macher, Geldschneider, Mächtige, Welteroberer, wie die täglichen Nachrichten unmissverständlich klarmachen. Eine kleine Minderheit, das sind die mit dem größten Anspruch an sich selbst, möchten Gentlemen werden. Martin Scherer hat sich vor einigen Jahren zu dieser Spezies sehr gut in einem Buch geäußert. Dieser vor langer Zeit ausgestorbenen Art ähnelt " der neue Mann von Welt " kurz neuer MVW genannt, den Helmut A. Gansterer in seinem Buch näher definiert.

Gleich vorab: geldgierige Banker und ungebildete Ignoranten haben keine Chance neue MVW zu werden, es sei den sie arbeiten massiv an sich und verändern ihr gesamtes Weltbild und Verhalten. Das setzt voraus, dass sie erkennen, dass es wirklich erstrebenswert ist dem neuen Männerideal zu entsprechen und es ihnen schließlich einen Vorteil verschafft, nämlich den sich einfach wohler in der eigenen Haut zu fühlen. Kein einfaches Unterfangen. Erkenntnissprozesse sind leider zumeist langwierig....

Der Autor hebt hervor, dass unter allen Fähigkeiten, die man dem neuen MVW grausam abverlangt, die Bildung am meisten hervorsticht. In der Prioritätsliste liegt sie gleichauf mit der Herzensbildung und ist weitaus wichtiger noch als Eleganz, Geschmack und gutes Benehmen, die aber zur Abrundung des Idealbildes nicht ohne Bedeutung sind. Der neue MVW in der Wirtschaft besitzt natürliche Autorität, ist fachlich unangreifbar, ein neugieriger, wagemutiger Wegweiser, psychologisch selbstkritisch und selbstbewusst, respektvoll gegenüber allen Mitarbeitern, Geschäftpartnern und der Umwelt. Er bewahrt dank seiner Innovations-Ideen die Arbeitsplätze, die normalerweise durch Kostendruck und Produktivitätsfortschritt verloren gehen und setzt sich stets als Langfrist-Stratege gegen die Kurzfrist-Gier der Aktionäre durch.

Der neue MVW kennt keinen Geiz. Er ist großzügig. Ihm sind die Zusammenhänge von gesunder Volkswirtschaft und Betriebswirtschaft klar. Er überdenkt Statussymbole und bleibt sein Leben lang neugierig, wissend das das Neue notwendig ist, wenn die Menschheit weiterleben will. Der Autor erwähnt Sir Peter Ustinov, der dem Ideal nah und doch kein Schnittmuster ist.

Selbstironisch, frei von jeder Koketterie und charismatisch sollte der neue MVW sein und er sollte wissen , dass Reisen das Entdecken ist, dass alle Unrecht haben, mit dem was sie über andere Länder denken und dass das Reisen zu uns selbst zurückführt. Stubenhocker werden niemals neue MVW werden. Ohne Frage.

Ein MVW ist kein Label-Model, er kleidet sich dezent und trägt immer nur das Beste, weil er weiß, dass das Beste am langlebigsten ist. Ein solcher Mann achtet immer auf gute Schuhe und Socken und gibt sich niemals als Ulknudel. Er spendet großzügig für gute Zwecke, befasst sich mit Kunst und würdigt elegante Weine als unverzichtbaren Teil der Hochkultur. Er ist freundlich, gelassen und kann zuhören, mit einem Wort er ist ganz wunderbar.

Noch gibt es den neuen MVW nur als Ideal, doch wenn erst einmal Gansterers Buch ( gottlob wurde es von keiner Frau verfasst) von einem Großteil der Männer verschlungen worden ist, werden wir besseren Zeiten, nein paradiesischen Zuständen entgegengehen. Wissen wir doch wie ehrgeizig der alte Adam ist und ahnen, dass er alles daran setzen wird auch dieses Mal göttergleich zu werden. Man hat den Jungs im Laufe der Jahrtausende immer wieder neue Götter vorgesetzt und stets aufs Neue begannen sie danach zu streben dem präsentierten Männerbild gerecht zu werden, natürlich weit entfernt sich wie die Maus im Rad zu verhalten.
Huldigen wir also dem neuen Ideal, es ist nicht das schlechteste.


Empfehlenswert.






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