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Rezension: Die 100 besten Weinberge Deutschlands (Gebundene Ausgabe)

Kennen Sie die Traiser Bastei?

Frank Kämmer befasst sich in diesem kleinen , bibliophilen Buch, das - möglicherweise dem " Roten Hang" zu Ehren - in roter Farbe geschrieben worden ist, mit den 100 besten Weinbergen Deutschlands.

Der kundige Autor informiert den Leser jeweils über die Bodenbeschaffenheit der einzelen feinen Lagen, über die Hangneigung, die Ausrichtung, die Rebsorten, wie auch die empfehlenswerten Winzer und er berichtet, welche historischen Hintergründe für die jeweilige Namensgebung eine Rolle gespielt haben.

Gleich zu Beginn des Buches konstatiert der Weinfachmann allerdings, dass neben der Bodenbeschaffenheit und dem Klima natürlich auch stets der Einfluss des Kellermeisters bei der Veredlung eines guten Rebensaftes nicht hinweggedacht werden darf.

Das Weingesetz von 1930 billigte die Nutzung von rund 30 000 Einzellagen zu. Seit dem neuen Weingesetz von 1971 haben 2658 Einzellagen das Recht auf Etiketten genannt zu werden.

Pioniere der Qualitätsverbesserung des deutschen Weines in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts trieben im Verband der Prädikatsweingüter( VDP) nicht nur die Qualitätsverbesserung der Weine voran, sondern auch die allgemeine Sensibilisierung für die Wertschätzung eines vortrefflichen Terroirs.

Nicht alle Rebsorten gedeihen auf einem bestimmten Boden gleich gut.

In diesem Buch wird verdeutlicht, wo welcher Wein die optimalsten Bedingungen vorfindet.

Schon Goethe trank Weine aus der Lage " Würzburger Stein" . Diese zeichnet sich durch einen kargen, skelettreichen Muschelkalkboden aus, der Rieslinge und Silvaner prächtig gedeihen lässt. Die Erzeuger " Bürgerspital" aber auch " Juliusspital" stehen für gute " Stein-Weine".

Ein superber Grauburgunder wächst auf dem Lösslehm-Boden des " Heppenheimer Centgerichtes", dessen Name übrigens auf eine uralte Gerichtsstätte zurückgeht.

Empfehlenswert sind auch die Weine der nach Süden ausgerichteten Lage "Traiser Bastei" ( Hangneigung bis zu 60%) an der Nahe, so etwa vom Spitzenhersteller Dr. Crusius, dessen Weißweine ich sehr zu schätzen weiß.

Das dortige mediterrane Mikroklima in Verbindung mit dem Porphyrboden bringen ungemein saftige, körperreiche Weine hervor. ( Sehr lecker!)

Dönnhoffs " Niederhäuser Hermannshöhle" ( Nahe) konnte bislang von keinem anderen Riesling-Erzeuger dieser Lage auch nur annähernd qualitativ erreicht werden, obgleich alle Traubenstöcke - süd-südwestausgerichtet- auf Grauschieferverwitterung mit Konglomeraten von Sandstein, Porphyr und Lehm gedeihen.

Selten habe ich einen solch guten Riesling getrunken, wie von der Lage " Forster Pechstein" ( Pfalz) . Durch den Basaltboden und die Basaltadern erhält der " Pechstein" eine höchst spezifisch mineralische Note.

Kämmer nennt hier sehr gute Erzeuger des "Forster Pechstein", bei denen man auch gleich ein paar Flaschen " Forster Ungeheuer" ordern kann.

Ich selbst mag den " Pechstein" von Reichsrat von Buhl am liebsten.

Fünf Spitzlagen nennt Kämmer in Nierstein( Rheinhessen). Schade, dass der " Niersteiner Orbel" - auch eine Grand Cru- Lage, sogar eine vortreffliche! - nicht genannt worden ist. Interessant auch die Information , dass auf dem " Niersteiner Ölberg" die letzten Orleanstöcke standen, einer heute ausgestorbenen Rebsorte, die früher am Rhein eine weite Verbreitung gehabt haben soll.

Die echten Liebfrauenmilchweine kommen von einer relativ kleinen Parzelle (15,38 Hektar ), der Lage " Wormser Liebfrauenstift Kirchenstück". Mit dem Wein von dieser Parzelle lässt sich freilich nicht ganz England versorgen, aber die meisten Engländer trinken Liebfrauenmilch.( Weinkenner natürlich ausgenommen!) Offensichtlich haben die schlauen Wormser das Geheimnis der wundersamen Weinvermehrung heimlich gelüftet.

Von den guten badischen Lagen möchte ich bei Kämmer den " Durbacher Schlossberg" hervorheben. Hier sorgt Granitverwitterung für mineralische Noten. Bedauerlich, dass Laible dort keine Reben besitzt! Seine Weine von der Grand Cru - Lage " Plauelrain" stehen den Schloßbergweinen gleichwertig gegenüber.

Die Lage " Ihringer Winkelberg"( Baden) ist nach Süd und nach Südwest ausgerichtet, der Boden eine Vulkanverwitterung. Rieslinge, Grau- und Weißburgunder von dieser Lage sind besonders delikat.

Sachsens bekannteste Lage ist "Schloss Proschwitz". Das Mikroklima des Elbtals sorgt hier für gute Ergebnisse durch Lösslehm auf Granit.

Besprochen werden von Kämmer auch die besten Lagen des Herzogs von Württemberg, die sich wohl durch mineralische Noten auszeichnen, die von der Gipskeuper-Beschaffenheit des Bodens herrüht.

Ahr- und Mosellagen, wie etwa " Bernauer Pfarrwingert" und " Wehlener Sonnenuhr" werden im vorliegenden Buch nicht ausgespart auch der "Bacharacher Hahn" von Toni Jost/ Mittelrhein ,eine steinige Devonschifferverwitterung, wird zum Thema gemacht.

Übrigens haben die armen Erntehelfer am " Bremmer Calmot"/ Mosel mit einer Hangneigung von 214% fertig zu werden. Dieser Extremhang gilt als der steilste Weinberg Europas!

Den Spitzenlagen des Rheingaus wird ebenfalls gehuldigt. Unter den Rauenthaler Lagen ist der " Baiken" eine der besten. Steinig-grusiger Phyllit sorgt hier für würzig- fruchtige Noten.

Auf dem " Assmannhäuser Höllenberg" wird seit 1470 Spätburgunder angebaut, den Goethe bereits sehr liebte. Kesslers Höllenberg ist besonders lobenswert.

Erwähnen möchte ich die Rheingauer Lage " Schloss Vollrads ". Auf Kies, Löss, Lösslehm ,im Untergrund Taunusquarzitschiefer wächst hier ein sehr guter Riesling, der seitens des Grafen Matuschka von Greiffenclau qualitativ zum Höhepunkt gebracht wurde.

Der leider zu früh verstorbene Graf hat sich um die Rheingauer Weine sehr verdient gemacht und vielen Studenten an der Uni Mainz im Rahmen seines Wein-Seminars gelehrt, wie man einen guten Tropfen nicht nur auf der Zunge, sondern auch intellektuell erschließt.

Empfehlenswert!

Helga König





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