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Rezension: Die Attentäterin

Über die fatalen Folgen von krankhaftem Hass.

Yasmina Khadra befasst sich in diesem in fünfzehn Sprachen übersetzten Roman mit den Hintergründen des dauerhaft mörderischen Konflikts zwischen Palästinensern und Israelis und in diesem Zusammenhang mit den krankhaften Motiven von Selbstmordattentätern, wie auch der fatalen Spirale von Gewalt.

Der in Tel Aviv lebende, sehr angesehene Chirurg Amin Jaafari, ein integrierter Beduine mit israelischem Pass, ist seit 15 Jahren mit Sihem, einer Palästinenserin, verheiratet, von der er annimmt, dass sie seine ehrlich gemeinten Intergrationsbemühungen voll unterstützt. Amin wird allerdings eines Besseren belehrt als er schockiert erkennen muss, dass seine Frau sein Vertrauen missbraucht und hinter seinem Rücken Kontakt mit dem palästinensischen Widerstand aufgebaut hat. Unvermutet sprengt sich die Selbstmordattentäterin in einem gut besuchten Lokal gemeinsam mit den ahnungslosen Gästen, -zumeist Kindern - in die Luft und verrät durch diese Tat die Liebe ihres Gatten und das Vertrauen, das ihr ihre israelischen Freunden entgegengebracht haben.

Gequält von den Eindrücken will Amin wissen, was seine Frau zu dieser grausamen Tat veranlasst hat und setzt sich in der Folge unzähligen Gefahren aus, um die Hintergründe für ihr Verhalten zu ermitteln. Der Arzt reist nach Bethlehem und Dschenin, wo er nach den ideologischen Drahtziehern dieser Verblendung sucht. Er will den Hass begreifen, den seine Frau umgetrieben hat und muss schließlich erkennen, dass es eine enge Verbindung zwischen abgründigem Hass und dem Gefühl der Ohnmacht gibt.

Amin, für den die oberste Maxime des Lebens das Retten von Menschenleben ist, wird durch die Geisteshaltung der mit allem Irdischen abgeschlossen habenden, potentiellen Selbstmordattentäter mit dem Gegenteil dessen, wovon er überzeugt ist, konfrontiert.

Und so bleibt festzuhalten, dass überall dort, wo vermeintliche Märtyrer ihre Tat vollbringen, ideologische Machenschaften über die Mitmenschlichkeit gesiegt haben und Versöhnungsversuche bewußt untergraben werden.

Empfehlenswert.

Rezension Helga König






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