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Rezension: Im Namen des Terrors. Saddams Leibarzt erzählt (Gebundene Ausgabe)

Dieses Buch ist vor allem eine Anklage gegen ein terroristisches Regime, das jegliches Gefühl für das Anständige und Menschliche unterdrückt hat. Der Leibarzt Saddams beschreibt die Liebe zu seiner Heimat und die Absurditäten eines repressiven Systems, er entwickelt die Schrecken des Krieges und des Leids. Alle, die lange vor Saddam das Beste wollten, sind schon längst eingeschüchtert und nur wenige glaubten damals (bis 2003) noch daran. Wenn ich es mit einem europäischen Drama des Schreckens vergleichen würde, dann fällt mir der 30-jährige Krieg ein, der ein ganzes Land verwüstete und für lange Zeit zerstörte.

Alb Bashir schreibt aus nächster Nähe zum Diktator, er flickt ihm die Hände zusammen und sieht zu, wie dieser seinem Schwiegersohn die Hand hält. Ein LKW Fahrer kommt ins Gefängnis, weil er eine Brücke zum Einsturz brachte, die direkt zu einem der Paläste führte. Bomben und Granaten überall, trotzdem muss Hilfe und Verarztung stattfinden. Ein Leben am Rande des Abgrundes, mit verschwenderischem Reichtum, Gier nach Sex, Intrigen und hasserfülltem Racheverhalten. Wir erfahren, dass Fidel Castro Saddam regelmäßig Havanna Cigarren schickte.

Der Tag der Armee am 6.1.2002 war ein einziges Fiasko, jeder konnte sehen, wie Bagdad und die gesamte Maschinerie des Krieges förmlich im Morast stecken blieben. Korruption nie gekannten Ausmaßes (inkl. Titelvergabe an die meist ungebildeten Saddam Anhänger) lähmten den Staat und die Stadt Bagdad. Uday, der egozentrische Sohn des Machthabers, steht wie ein Symbol dafür, wir lernen ihn in seiner speziellen Art besonders kennen und wenig schätzen. Der Irak war 2002 schon zerbrochen und wurde durch eine Oberschicht hemmungslos ausgeplündert. Fatal, dass die meisten wahrscheinlich weiter machen konnten und schwer sich vorzustellen, wie dieses Land wieder aufstehen kann.

Das Buch endet im April 2003 und Al Bashir beschreibt eine für ihn erdrückende Szene im Krankenhaus, in dem er übernachtet und einfach weiterarbeitet: ein Dieb wird eingeliefert, er stirbt, die Eltern kommen, um ihn zu identifizieren, sie entdecken 120 Dollar in der Kleidung des Toten, streiten sich um das Geld bis ein Polizist kommt und die 120 Dollar an beide zu gleichen Teilen gibt. Beide verlassen das Krankenhaus und habe in der Tür ihren Sohn schon vergessen.

Ein beeindruckendes Dokument des Überlebens in einem geplünderten Staat!
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