.

.

Rezension: Sappho und ihre Insel (insel taschenbuch) (Taschenbuch)

...und ich sehne mich und ich begehre! (Sappho)

Eva Demski erzählt in diesem Büchlein von ihren Eindrücken, die sie auf der Insel Lesbos gewonnen hat.

Dabei steht bei ihren Betrachtungen natürlich die antike Lyrikerin Sappho im Vordergrund , die einst auf dieser Insel geboren wurde und viele Jahre ihres späteren Lebens dort verbrachte.

Gleichwohl kommt Demski immer wieder auf die vielen Olivenhaine aber auch auf die schönen Sandstrände der Insel zu sprechen, auf die Aspekte also, die für den heutigen Besucher von Lesbos , der möglicherweise niemals eine Zeile von Sappho gelesen hat, von Interesse sind.

Die Spurensucherin berichtet von historischen Ereignissen, die sich auf der Insel zugetragen haben. Zur Sprache kommen die vielen Fremden, denen sich die Inselbewohner unterwerfen mussten, wie etwa den Persern, den Spartanern, den Römern, den Türken, aber auch den Nazis, die erst im Herbst 1944 wieder von der Insel verschwanden.

Auf ihren Erkundungsgängen wundert sich Demski keineswegs , dass nicht alle Einheimischen mit dem Namen der Dichterin etwas anfangen können. Spitzzüngig bemerkt die Autorin, dass auch in Bingen nicht jeder die berühmte Äbtissin Hildegard kenne.

In der Stadt Eressos soll Sappho zwischen 618 - 612 vor Chr. geboren sein, verbannt nach Sizilien, heiratet sie dort und wird Mutter einer Tochter. Als Witwe kehrt sie 585 v Chr. auf die Insel Lesbos zurück und gründet eine Schule für Poesie.

Wenn ihre Lieder vorgetragen werden, sind Lyra, Flöten und Schlaginstrumente einfühlsame Begleiter.

Sappho besingt , wie Eva Demski konstatiert, Mond und Sonne, die Göttinnen, immer wieder die Pflanzenwelt der Insel, die Ferne , die Eifersucht und später auch das Alter und den Tod.

Die Autorin bezweifelt, dass Sappho erotischen Seperatismus betrieben hat. Es ging der Dichterin offenbar nicht um das ausschließliche Hinwenden zu Mädchen, sondern es war nur eine Möglichkeit unter anderen.

Wie viele Künstler hoffte auch diese Lyrikerin auf Unsterblichkeit und verdeutlicht das in ihren Versen.

Demski zeigt anhand von Liedsplittern, was Sappho mit ihren Liedern ausdrücken wollte.

Kai potheo kai maomai und ich sehne mich und ich begehre sind ihre zentralen Botschaften.

Dass Lord Byron diese Frau liebte und bewunderte , wird jeder verstehen, der mit Sapphos Versen in Berührung kommt.

Ich aber liebe den Glanz, er gehört zu mir
Leuchtenden Eros, die Sonne, das Schöne-
das hab ich gewählt( Sappho)

Wunderbar!

Sehr empfehlenswert.


Rezension Helga König





Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen