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Rezension:Pest, Not und schwere Plagen. Seuchen und Epidemien vom Mittelalter bis heute von Manfred Vasold

Der Sommer 1349 in Europa war kein Zuckerschlecken.,


Der Sozialhistoriker Manfred Vasold befasst sich in diesem Buch mit Seuchen und Epedemien in Deutschland und Mitteleuropa und verschafft dem Leser einen Überblick über all jene mörderischen Krankheiten, die zu wirtschaftlichem Verfall, Verwüstung von Ländern und Entvölkerung ganzer Städte führten.

"Der Schwarze Tod", sprich die Pest, nimmt einen breiten Rahmen im Buch ein. "Die Pest des Galen" wird u.a. genannt, die allerdings von Medizinhistorikern heute als Fleckfieber gedeutet wird. Galen, ein bedeutender Arzt der Antike schreibt von Fieber und von schwarzen trockenen Pusteln, die auf dem ganzen Körper auftraten.

Mit den Kreuzzügen nahm die Interaktion mit dem Orient und zugleich mit Italien zu. Etwa 200 Jahre hindurch, vom ausgehenden 11. bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts, breiteten sich Seuchen im Zusammenhang mit den Kreuzzugsunternehmen aus. Von 1316 an wurden weite Teile Europas von Hungersnöten heimgesucht und ab 1340 trat eine Seuche auf, die allein in Florenz 15 000 Menschen sterben ließ. Der Nahrungsmangel im Frühjahr 1347 soll in Florenz allein 4000 Menschen das Leben gekostet haben. Die Pest, die im gleichen Jahr in Italien zu wüten begann, traf eine von Hunger geschwächte Bevölkerung, doch die hohe Sterblichkeit, welche die Pest verursachte, war nur zum geringen Teil die unmittelbare Folge. Die Pest war eine Infektionskrankheit, die ihre Opfer unabhängig vom Ernähungszustand traf.


Der Autor berichtet von der Pest der Jahre 1348-50 und wie man dagegen medizinisch versuchte vorzugehen. Die Seuche erreichte Deutschland 1348. Die Geißler oder Flaggelanten waren eines der Massenphänomene, die zur Zeit der Pest in Deutschland auftraten. Durch ihre Geißelung wollten sie die Pest abwenden und den Zorn Gottes besänftigen. Möglicherweise haben die umherziehenden Geißler aber zur Ausbreitung der Pest beigetragen. Verschiedene Städte Norddeutschlands wurde erst im Jahre 1350 von der Pest erfasst. Interessanterweise blieben einige Städte ausgespart, wie z.B. Göttingen. Man nimmt an, dass in den Jahren 1348-50 etwa ein Drittel bis die Hälfte der Bevölkerung in europäischen Ländern bei dieser ersten Pestwelle dahingerafft wurde.


Pestwellen kamen allerdings im Abstand von 12 Jahren immer wieder und zwar bis in den Beginn des 18. Jahrhunderts hinein. Vassold lotet die wirtschaftlichen und sozialen Folgen des Massensterbens nachhaltig aus, erklärt in einem Exkurs zur Pest, was man darunter faktisch zu verstehen hat, zeigt auch den Weg der Übertragung auf und erklärt, weshalb die Pest im Laufe des 18. Jahrhunderts zurückgedrängt werden konnte.
Des Weiteren thematisiert er die Seuchen, die im Dreißigjährigen Krieg auftraten, nicht zuletzt das Fleckfieber, zeigt welcher Segen der Durchbruch der Medikalisierung darstellte und wie man seitder erfolgreich Epedemien und Seuchen bekämpft.

Ein hochinteressantes Buch, das verdeutlicht, mit welchen Sorgen und Problemen unsere Vorfahren zu kämpfen hatten.


Rezension: Helga König








 

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