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Rezension:Der kleine Taschenphilosoph: Ein Lesebuch für Nachdenkliche (Taschenbuch)

Das vorliege Buch beinhaltet Auszüge aus philosophischen Texten von der Antike bis ins Jetzt. Es geht um Fragen des Denkens, der Erkenntnis , des Glaubens, der Liebe , des Glücks, des Leids, der Sinnsuche, der Freiheit, der Gesellschaft, des Staates, der Natur, des Kosmos, wie Rüdiger Safranski die Textinhalte auf den Punkt zu bringen sucht.

Gleich zu Beginn stößt man auf einen Text von Aristoteles " Denken und Vernunft" , den zu lesen großes Vergnügen bereitet, nicht zuletzt weil das Denken vieler nachgeborener Philosophen sich durch diesen Text einfacher erschließen lässt.

Hochinteressant sind die Gedanken der Physikerin Brigitte Röthlein, die der Frage nachgeht, was Denken ist und in der Folge aufzeigt, wie das Gehirn arbeitet und wie Vielfalt im Gehirn entsteht.

Auch liest man einen Text von Gautama Buddha, der mit den wunderbaren Worten beginnt:" Bedenkst du Anfang und Ende der Dinge, so erlangst du Glück, weil Du die grenzenlose Freude von Welten jenseits der Welten siehst.".. und an anderer Stelle:" Wenn du nichts mehr an Name und Form haftest , bist du wirklich ein Wahrheitssucher geworden." Über diese Sätze kann man viele Abende nachdenken.

Voltaire fragt was Tugend ist? " Sollen nur jene Tugenden zählen, welche dem Nächsten nützlich sind? "

Besonders fasziniert haben mich die Gedanken über die Liebe von Karl Jaspers, von dem ich bislang noch nichts gelesen habe. Ich erlaube mir ein wenig zu zitieren, um Sie liebe Leser Anteil nehmen zu lassen an dessen wundervollen Worten und Sie dadurch auf das Buch besonders neugierig zu machen:

" Liebe ist die unbegreiflichste, weil grundloseste und selbstverständlichste Wirklichkeit des absoluten Bewusstseins. Hier ist der Ursprung für allen Gehalt, hier allein die Erfüllung allen Suchens.(...)"..." Die Liebe ist unendlich, sie weiß nicht gegenständlich, was und warum sie liebt, noch kann sie in sich selbst auf einen Grund stoßen. Aus ihr begründet sich, was wesentlich ist; sie begründet sich selbst nicht mehr."

Jaspers macht deutlich wieso die Liebe hellsichtig ist, Aufschwung und gegenwärtige Befriedigung darstellt, warum sie absolutes Vertrauen und Einmaligkeit verkörpert und wieso sie Wiederholung als Treue ist.

Er sagt auch diese im Hinblick auf die Liebe großartigen Worte: " Liebe ist Selbstwerden und Selbsthingabe. Wo ich mich wahrhaft ganz und ohne Rückhalt gebe, finde ich mich selbst. Wo ich mich auf mich selber wende und Reserven festhalte, werde ich lieblos und verliere mich."

Liebe, so weiß Jaspers, ist absolutes Vertrauen und Einmaligkeit.

Ich erlaube mir noch zwei Sätze für Sie zitieren: " Überall kann sie gegenwärtig sein und ohne sie versinkt alles in Nichtigkeit. Sie ist von hinreißender Macht und kann noch wahr sein, wo sie verdünnt in die Menschenfreundlichkeit und in die Naturliebe , auf deren Grund ihre Flamme sich neu entzünden wird."

Dem Autoren- und Quellenverzeichnis ist zu entnehmen, dass Karl Jaspers von 1883-1969 lebte und nicht nur Philosoph , sondern auch Psychologe war.

Ein wunderbares Buch , das man vor dem Zubettgehen immer wieder in die Hand nehmen kann , nicht zuletzt um mit guten Gedanken einzuschlafen!
Ich habe ganz bewusst zu Beginn der Rezension Kant zitiert und zwar den Anfang seines Textes " Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?" Dieser Text sollte zur Pflichlektüre jedes gebildeten Menschen zählen. Es ist sinnvoll den Inhalt des Textes mit Freunden zu diskutieren , um sich seiner wahren Tiefe bewusst zu werden. Philosophische Dialoge führen nicht selten dazu seinen eigenen Verstand zu benutzen, ganz so wie der alte Ostpreuße es empfiehlt .

Ein lesenswertes Buch!




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