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Rezension:Die Leiden des jungen Werthers (DVD)

"Wer für sein Lieb` nicht sterben kann, ist keines Kusses wert." ( Th. Körner),

Vorbemerkung: Der vorliegende verfilmte Briefroman " Die Leiden des jungen Werther" wurde von Goethes eigenen Erlebnissen gespeist. Der Dichter lernte in Wetzlar während seiner Referendarzeit die sechzehnjährige, sehr hübsche Charlotte Buff kennen. Ihre Mitgift war ihre Liebe für Ordnung und Sparsamkeit. Ihr Ehrgeiz bestand darin den Haushalt ihres zukünftigen Ehemannes so zu führen, wie den des Vaters, der das Haus der Ritter in Wetzlar leitete. Sie war ohne besondere Bildung, hatte jedoch einen gesunden Menschenverstand. Sie war nicht geistreich, jedoch heiter, liebenswert und offenbar von einer Scheu, die sie bei der geringsten, nur ein wenig gewagten Äußerung erröten und schweigen ließ. Charlotte Buff hatte nichts von einer Romanheldin.

Als Goethe in ihre Welt einbrach, stiftete er Unruhe. Charlotte war zu diesem Zeitpunkt schon zwei Jahre mit einem gewissen Kestner verlobt, was das Mädchen noch interessanter für ihn zu machen schien.
Unter der Aufsicht ihrer zahlreichen Geschwister, für die sie sorgte, gab es geflüsterte Geständnisse, leise Liebeswort und flüchtige Küsse, mehr allerdings nicht. Goethe verließ schließlich den Ort, der ihm die ersehnte Erfüllung nicht bringen konnte und schrieb den Briefroman, der Weltruhm erlangte.

Der Film zeigt das Schicksal eines jungen, von krankhaft gesteigerter Empfindsamkeit erfassten Menschen, das sich mehr zufällig in einer unglücklichen Liebe erfüllt. Man lernt Werther( Hans-Jürgen Wolf) als eine Person kennen, die ein negatives Verhältnis zur bürgerlichen Gesellschaft hat. Der Umgang mit Menschen, ausgenommen mit einfachen und Kindern, stimmt ihn verdrießlich. Im Umfeld von Lotte (Katharina Thalbach) und ihren Geschwistern fühlt er sich wohl. Werther liebt die Natur, schwärmt von der freudigen Zeit des Frühlings und Sommers im Zeichen Homers, die düstere Folgezeit in dem Ossians. Er verliebt sich unsterblich in Lotte, tanzt mit ihr, hält sie in den Armen aber er weiß, dass Albert ältere Rechte hat und ahnt, dass Lotte ihrem Verlobten nicht den Laufpass geben wird. Werther glüht vor Eifersucht, träumt von Alberts Ableben und möchte schließlich in dieser Welt, die ihm ohnehin fremd ist, nicht mehr leben...

Natürlich trägt Werther im Film gelbe Hosen und einen taubenblauen Frack, die Kleidung also, die nach dem Erscheinen des Romans eine ganze Generation junger Männer trug. Die zarte Charlotte ist in ein Kleid aus gleicher Farbe gehüllt, während Albert in dröger, brauner Kleidung - vom gesamten Habitus spießig erscheinend - neben den beiden steht. Thalbach sah 1976 übrigens aus wie eine Elfe. Ihre Kurzhaarfrisur unterstreicht ihre Zartheit. Sie wirkt fast ein wenig unwirklich, wie aus einer Traumwelt. In meinen Augen hat der Regisseur mit ihr eine gute Wahl getroffen, weil ihr Liebreiz nicht nur vordergründig ist. Bis zum Ende des Films erscheint Albert als Störfaktor. Sein altväterliches Aussehen und seine mittelmäßige Intelligenz, die er in den Dialogen zu erkennen gibt, outen ihn als Langweiler. Man leidet mit Werther, dem schönen, empfindsamen, intelligenten Jüngling, der so viel mehr anzubieten hat.

Dem Regisseur ist es gelungen das Leben des Bürgertums aber auch des Landadels im späten Rokoko zu visualisieren und Goethes wundervollern Briefroman hervorragend filmisch umzusetzen. Dass er sich hierbei einige Freiheiten lässt sehe ich eher positiv.

Die Bild - und Tonqualität sind bestens. Raffiniert finde ich den Wechsel von Schwarz - Weiß - und Farb-Szenen.

Empfehlenswert.





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