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Rezensionen:Eine kulinarische Entdeckungsreise durch Wien und Umgebung (Gebundene Ausgabe)

" Nach einer guten Mahlzeit kann man allen verzeihen, selbst seinen eigenen Verwandten." ( Oscar Wilde),
Die Wiener Autorin Martine Maurer und der Fotograf Josef Bollwein nehmen den Leser mit auf eine kulinarische Entdeckungsreise durch Wien und seine Umgebung.
Man erhält Informationen über historische und moderne Sehenswürdigkeiten, herrliche Naturlandschaften, über gastronomische Betriebe, Ausflugsmöglichkeiten und Orte, wo man sich mit lukullischen Köstlichkeiten eindecken kann.
Der Schwerpunkt des Buches liegt auf der Kulinarik der fokussierten Region. Deshalb auch enthält das Buch viele delikate Rezepte, die Aufschluss über regionale Spezialitäten geben.
Zu Beginn des Buches wird man zunächst über die Wiener Küche im Allgemeinen aufgeklärt. Den Römern ist der Weinbau zu verdanken. Durch die Kreuzzüge während des 11. und 12. Jahrhunderts fanden viele bis dahin nicht bekannte Speisen, Gewürze und Zubereitungsarten Eingang in die Küche Wiens. Im Jahr 1282 begann die nahezu sieben Jahrhunderte andauernde Regentschaft der Habsburger, die auch die Österreichische Küche prägte. Üblich war bis zum Ende des 18. Jahrhunderts der Begriff " Österreichische Küche ". Die Doppelmonarchie Österreich- Ungarn begründete um 1867 die Nennung der " Wiener Küche " , die unter starkem Einfluss der neuen Kronländer wie Ungarn, Böhmen, Mähren und dem Balkan stand. Deshalb auch speist man noch heute viele Rindfleischgerichte, wie Tafelspitz, eine Ochsenschleppsuppe, das ungarische Gulasch, einen alten Wiener Girondistenbraten, das legendäre Wiener Schnitzel, aber auch die warmen Mehlspeisen aus Böhmen , wie Powideltatschkerl und Germknödel.
Man wird über die Wiener Geschichte kurz informiert, liest von den einstigen Handelsbeziehungen nach Venedig, den Angriffen der Osmanen, aber auch von der zweimaligen Eroberung der Stadt durch Napoleon und der Einführung des Polizeistaates durch Metternich.
Eine Vielzahl sehr schöner Fotos begleiten die Texte. Die Karlskirche, Schloss Belvedere, verschiedene Museen und anderes mehr sollte man besichtigen und sich mit der Kunst der Wiener Jugendstilmaler Klimt und Schiele vertraut machen.
Die Autorin beschreibt viele Restaurants in Wien. Man lernt das jeweilige Interieur auch visuell kennen und die Art wie in den einzelnen Küchen gekocht wird. Nicht selten hat man Gelegenheit ein Rezept der vorgestellten Lokale kennenzulernen, so u.a. " Székelgulasch ", " Wildhasen-Pfeffersteak auf Schlehenkraut ", " Fiakergulyás ", " Wiener Tafelspitz ", aber auch " Böhmischer Lendenbraten ". Die Rezepte sind gut erklärt und mühelos nachkochbar.
Sehr reizvoll fand ich die Beschreibung des " Restaurants zum Wambacher ". Dort hat übrigens Kaiser Ferdinand bereits gespeist. Die Einrichtung der beiden Gaststuben ist sehr einfach und freundlich. Der Küchenchef Adolf Achatz kreiert heimische Küche mit internationalem Touch. Unmöglich auf die vielen guten Adressen an dieser Stelle näher einzugehen. Erwähnen möchte ich allerdings die gelungene Beschreibung der " Staudt`s GmbH " in Wien. Es handelt sich um eine kleine, sehr feine Feinkostfabrik, deren Produkte unwiderstehlich gut schmecken. Der Firmeninhaber Hans Staud wurde 2004 zum " Österreicher des Jahres " im Bereich Wirtschaft gewählt. Seine Geschäftphilosophie lautet: " Wir setzen ganz einfach auf den typisch Wiener Geschmack und auf höchste Qualität, die schon bei der Auswahl der Früchte beginnt und bis zur Veredelung reicht. " Zu den beliebtesten süßen Gaumenkitzlern von Staud`s zählen klassische Konfitüren, wie Marille, Himbeere, Erdbeere, Kompotte, Weingelees , die übrigens ausschließlich aus Weinen des international renommierten Weinguts Kracher in Illmitz( Burgenland) produziert werden. Über vier Millionen der berühmten achteckigen Gläser verlassen pro Jahr die Wiener Feinkostfabrik.
Das " Weingut Wien Cobenzl " wird beleuchtet, aber auch die " Konditorei Bimashofer Betriebs GmbH" , die ein Paradies für Naschkatzen sein soll.
Die Autorin beschreibt in der Folge sehr schön den " Wienerwald " , die Hausberge der Wiener, nämlich deren Kahlen-, Leopolds- und Bisamberg aber auch den Lainzer Tiergarten. Dieser wurde bereits von Kaiser Franz Josef dem II. für seine zahlreichen Jagdgesellschaften genutzt.
Nette Restaurants und gemütliche Gasthäuser bieten echte Wiener Schmankerln in diesem wunderbaren Naherholungsgebiet.
Gefallen hat mir die Beschreibung des " Fontana Restaurants " in Oberwaltersdorf. Es handelt sich hierbei um ein exquisites Lokal im Gebäude eines Golfclubs. Der edle Rahmen des Restaurants ist auf ein amerikanisches Ostküstenflair zurückzuführen.
Bemerkenswert auch ist der Bericht über das " Weingut Stift Klosterneuberg " , über dessen geschichtlichen Hintergrund man gut informiert wird.
Thematisiert wird ferner das Gebiet Donau Niederösterreich und dort u.a. der " Archäologische Park Carnatum ". Die Wiener Alpen in Niederösterreich werden kurz in Augenschein genommen und es wird auf den höchsten Berg, den 2075m hohen Schneeberg hingewiesen. Diesen sollte man emporsteigen bevor man " Kaiserschmarrn " oder " Griesknöderl mit Weichselragout und Bauernhofeis " geniesst, weil der Genuss dann auf keinen Fall Reue hinterlässt.

Ein gelungenes Buch , dessen gastronomische Empfehlungen man bei einer Wien-Reise nicht vergessen sollte.

 


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