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Rezension:Ruinenjahre: Bilder aus dem zerstörten München 1945-1949 (Gebundene Ausgabe)

Der Autor dieses Bilddokumentation ist Dr. Richard Bauer. Er leitete bis 2009 das Münchener Stadtarchiv und ist seit 1984 1. Vorsitzender des Historischen Vereins für Oberbayern.

Thematisiert wird in Wort und Bild das zerstörte München in den Jahren zwischen 1945-1949. Den rund 200 Schwarz-Weiß-Fotografien gehen textliche Erläuterungen voran, die sich u.a. mit der Zerstörung der Stadt, den dann folgenden Wohnsorgen, der öffentlichen Sicherheit, der wirtschaftlichen Lage, der Versorgung der Bevölkerung, dem Schwarzmarkt u.a. mehr befassen. Nicht unerwähnt bleiben der Wiederaufbau und die Aufbauleistungen in München in dem oben genannten Zeitraum.

Die Bilddokumentation beginnt mit Ablichtungen der zerstörten Stadt. Man sieht eine Menge Schutt und Steine überall, so etwa in der Dachauer Straße am 30.4.1945 als die amerikanischen Truppen einmarschierten. Ein Bild, das am gleichen Tag am Marienplatz aufgenommen worden ist, zeigt ebenfalls zerstörte Häuser. Viele Seiten des Buches sind den Ruinen gewidmet. Besonders erschütternd ist ein Blick von Rathaus auf den Chor der Frauenkirche, fotografiert im Jahre 1946. Nahezu alle bekannten Plätze in München kann man im zerbombten Zustand sehen, auch die Glypothek, die durch einen Treffer an der Seite aufgerissen war. Sehr berührt haben mich die Aufnahmen der zerbombten Maximilian-Universität und des Lichthofs im Hauptbau, der mich sofort an die Geschwister Scholl denken ließ.Ich möchte nicht alle Motive hier aufzählen. Besonders nah ging mir das Foto eines zerstörten alten Friedhofs. Eine Wüste aus zerschmetterten Grabsteinen und Skulpturen....

Im zweiten Teil der Bilddokumentation wird die Trümmerbeseitigung gezeigt. So sieht man junge Studentinnen bei Aufräumungsarbeiten an der Uni im Mai 1946, sieht auch wie eine einsturzgefährdete Ruinen eingerissen und Fassaden gesprengt werden, sieht wie der Schutt auf Kipplohren verfrachtet wird und kann kaum glauben, dass der viele Schutt irgendwann vollständig beiseite geschafft werden konnte.

Der dritte Teil fokussiert das Leben der Menschen in jener Zeit im München. Anstehen war ein Teil des Alltags. Man erhält Einblicke in Notwohnungen, sieht Trümmerfrauen, Behelfsläden und den Verkauf der ersten Ausgabe der Münchener Zeitung. Geradezu friedlich wirkt ein junger Zeitungsleser vor dem Hauptbahnhof im September 1946, der für Momente, den Schutt zu vergessen scheint.

Dokumentiert ist eine Hungerdemonstration der Münchener Studenten am Odeonsplatz am 17. Juni 1948, 3 Tage vor der Währungsreform. Der Schwarzhandel bleibt nicht ausgespart und die Demonstrationen der Hausfrauen im Jahre 1947 gegen dieses Geschachere. Man sieht ferner Kinder in Schulen und dort bei der Läuseuntersuchung. Eine freudlose Zeit.

Bilder von Kriegsversehrten machen neben der zerstörten Stadt, das ganze Elend deutlich, das durch die braunen Kohorten verursacht worden war.

Wenn ich Fotos wie diese sehe, frage ich mich stets wie traumatisiert die Menschen gewesen sein mögen, die das miterlebt haben und ob sie jemals wieder aus dem Alptraum erwacht sind. 






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