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Madness& Modernity

Essstörungen, Angst und Verzweiflung, Schlaflosigkeit, Erschöpfung, Wutanfälle, sexuelle Dysfunktion ...., 8.

Dieser Kunstband thematisiert die Ausstellung "Madness and Modernity"- Kunst und Wahn in Wien um 1900, die im Wien Museum am Karlsplatz vom 21.1.2010- 2.5.2010 gezeigt wird. In der Ausstellung geht es darum, aufzuzeigen, wie die Psychiatrie die bildende Kunst der frühen Moderne und wie die Moderne unsere Einstellung zu Geisteskrankheiten beeinflusst hat. Ein Thema ist die Geisteskrankheit, die Psychatrie und bildende Kunst in Wien zwischen 1898 und 1914. Zur Sprache kommen die drei Zweige der Wiener Psychiatrie und die progressive Kunst jener Tage. Nicht der wohlproportionierte Körper der klassischen Tratition, sondern "eine im hohen Maße sexualisierte, oft abnorm dünne und nach traditionellen Maßstäben hässliche Physis, mitunter sogar ein kranker Körper und damit ein Gegenstand eines medizinischen Diskurses" waren Kunstpraxis der fortschrittlichen Künstler.

Klimts "Beethovenfries" und seine "Medizin" werden u.a. gezeigt. Auf das Werk "Medizin" wird textlich näher eingegangen. Die Künstler Schiele, Oppenheimer und Kokoschka sind ein Thema und hier im Speziellen Fotos von männlichen Patienten in der "Salpetriere", durch welche Schiele in seinen Gestaltungsprinzipien beeinfusst worden ist.
Ziemlich gewöhnungsbedürftig sind die Wachsmodelle von Karl Henning, aber auch Darstellungen des modernen Menschen als Wahnsinnigen seitens Kokoschka, wie etwa das Bildnis von Oskar Altenberg, der sich wiederholt in Nervenkliniken aufhalten musste. Interessant sind die Betrachtungen von Gemma Blackshaw zum Wahnsinn der modernen Zeit. Gerade Altenbergs Erfahrungen mit dem pausenlosen Auf und Ab seiner Gesundheit geben wichtige Einblicke in die Diagnose und Behandlung des nervenkranken Individuums in Wien um 1900 wieder (vgl: S.61). Das Bildnis Peter Altenbergs von Gustav Jagerspacher, das man auf der Vorderseite des Buchdeckels sieht, wird in Augenschein genommen, auch kommt Wiens Architektur für Geistes- und Nervenkranke ausgiebig zur Sprache und hier nicht zuletzt auch der "Narrenturm".

Bemerkenswert finde ich die abgelichteten Werke von Josef Karl Rädler, der als Patient der Nervenheilanstalt Pilgerhain zu malen begann , sowie die Damenporträts von Gustav Klimt. Diese Damen litten an Neurasthenie. Psychiater sahen in diesen nervösen Störungen alamierende Folgen der Modernisierung und Industralisierung, die progressiven Künstler und Kulturkritiker hingegen "hießen die Neurasthenikerin als eindrucksvolle Artikulation moderner Weiblichkeit willkommen."

Lesenswert auch ist der Beitrag von Geoffrey C. Howes "Wahnsinn und Literatur in Wien um 1900". Hier erfährt man, das nicht zuletzt der Kulturpessimismus der Gesellschaft in den letzten Jahren der Habsburger Monarchie die Anschauungen über den Wahnsinn beeinflusste. Die Endzeitstimmung, deren Ursachen näher erläutert werden, ging mit Neurosen und Psychosen einher, die Schnitzler in seinen Werken nicht selten zum Ausdruck brachte. Howes hat allerdings nicht nur Schnitzler, sondern auch andere Literaten im Fokus. Darüber zu lesen lohnt sich m.E. sehr.

























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