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Helene Weigel - Abstieg in den Ruhm

" Schwer ist es, die rechte Mitte zu treffen: das Herz zu härten für das Leben, es weich zu halten für das Lieben." (Gotthelf)

Die deutsche Schauspielerin Helene Weigel (1900-1971) kannte nur eine Leidenschaft: das dramatische Spiel. Mit dunklem Teint und vorspringenden Backenknochen, schmalen Lippen, aber schalkhaft lebendigen Augen debütierte sie in der tragischen Ballade "Woyzeck" am Stadttheater ihrer Heimatstadt Wien.

Drei Jahre später wird sie vom Berliner Stadttheater engagiert. Bei einer Dichterlesung von "Trommeln in der Nacht" begegnet sie Bertholt Brecht und heiratet ihn 1929. Als Gegner des Nationalsozialismus emigiert das Paar 1933 nach Dänemark, Schweden, Finnland und schließlich nach den USA.

1948 gehen die Brechts nach Ostberlin und gründen dort das Berliner Ensemble, das die experimentellen Werke des marxistischen Dichterdramaturken aufführt. Die Hauptattraktion des Repertoires ist "Mutter Courage", deren Stoff von Grimmelshausen vorgegeben, 1938 geschrieben und 1941 in Zürich uraufgeführt wurde. Die Hauptrolle der Marketenderin Anna Fierling spielt Helene Weigel.

Nach dem Tode des Verfassers der " Dreigroschenoper" - 1956 - übernimmt seine Witwe die Leitung der Truppe, die um die ganze Welt reist. Einige Wochen vor ihrem Tod spielte Helene Weigel ihre Lieblingsrolle im Theater von Nanterre, wo ihr, die sie bloß ein kollektives Interview über ihren Mann geben möchte, die Frage gestellt wird: " Gibt es Ihrer Meinung nach eine kommunistische Art, Witwe zu sein, oder ist Brechts Verachtung für jeglichen Starrummel, der hier zum Ausdruck kommt?" Ohne sich zu kompromittieren, antwortet sie: "Lesen Sie bei Brecht nach".

Eine gute, leicht lesbare Biographie. Empfehlenswert.