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Rezension: Cranach

"Christuskopf mit Dornenkrone" und " Das goldene Zeitalter".,


Dies ist der Katalog zur Ausstellung " Cranach der Ältere ", die seit dem 23.11.07 bis zum 17. Februar 2008 im Städel Museum, Frankfurt am Main läuft.


Ich habe diese Ausstellung mittlerweile zum zweiten Mal besucht und werde , nachdem ich zwischen den Jahren auf dem Friedhof der Jakobskirche in Weimar vor Cranachs Grab gestanden habe, im Februar noch einen dritten Besuch anberaumen.


Die Gemälde sind unendlich beeindruckend!


Lucas Cranach d.Ä. ( 1472-1553 ) war deutscher Maler und Grafiker. Er galt als Begründer der sächsischen Schule. Nicht selten wurde er auch als der Vater der Donauschule bezeichnet, insbesondere wegen der warmen Farben und der unruhigen Zeichnungen mit der expressiven Linienführung in seinen Frühwerken. Kühler wird Cranach erst in seinem Spätwerk, auch zeichnerischer und linearer. In seinen " gelängten " Figuren verbinden sich spätgotische und manieristische Tendenzen. Die Körper werden bei starker Umrissbetonung modelliert und ihre Nacktheit mit Betonung des Erotischen präsentiert.


Cranach war ein hervorragender Porträtist . Er malte Altarwerke und Andachtsbilder entsprechend protestantischer und katholischer Ikonografie, mythologische und biblische Szenen, aber auch amouröse Bilder.


In seinen Aktdarstellungen griff er auf traditionelle Frauengestalten zurück, auf Venus, Eva, Lukretia, Salome und Judith.


Cranach nahm nicht selten Themen der Renaissance und des Humanismus auf, während ihm das italienische Formgut der Proportion und Dürers Ringen um das ideale Menschenbild fremd blieben.


U. a . hielt sich Cranach eine Zeitlang in den Niederlanden auf, wo er in Mecheln den achtjährigen Enkel Kaiser Maximilians I., den späteren Kaiser Karl V. porträtierte und seinen Aufenthalt zum Studium der niederländischen Malerei nutzte. Nach seiner Rückkehr verband ihn eine enge Freundschaft mit Martin Luther. Einige seiner Hauptwerke sind beim Bildersturm der Reformationszeit und beim großen Brand von Wittenberg vernichtet worden. Dennoch hat sich , wie der Katalog und die Ausstellung selbst zeigen, eine große Zahl seines umfangreichen Werkes erhalten.

Den ausgestellten Gemälden sind Essays von Bodo Brinkmann, Gunnar Heydenreich, Mark Evans, Dieter Koepplin , Andreas Tacke , Werner Schade und Elke Anna Werner vorangestellt, die sich mit Mensch und Werk detailliert auseinandersetzen.


Sehr erhellend sind Heydenreichs Informationen zu Holz, Leinwand, Pergament und Papier, zu Kreidegrund und Rahmen, zu Komposition auf dem Malgrund und zu Farbmaterial und Technik.


Der Essay "Cranachs Bilder der Caritas im theologischen und humanistischen Geiste Luthers und Melanchthons " erklärt nicht nur Caritas in ihrem Verhältnis zu Fides, ( Luther konstatierte: " Ein christliches Wesen besteht allein in diesen zwei Stücken: im Glauben und in der Liebe." Der Christenmensch lebt " in Christo durch den Glauben, im Nächsten durch die Liebe " ) , sondern macht auch deutlich, wie Glaube und Nächstenliebe in Cranachs Bildern symbolisch visualisiert werden.


Sehr zu empfehlen ist der Essay " Die Schleier der Venus . Zu einer Metapher des Sehens bei Lucas Cranach d. Ä." von Elke Anna Werner. Hier wird das Sujet der antiken Liebesgöttin bei Cranach ausgelotet.

Im Anschluss daran folgen die ausgestellten Gemälde, die alle hervorragend beschrieben sind.

Die Ausstellung ist untergliedert in den Prolog: Eine Landschaft ; Sturm und Drang in Wien; Einflüsse: Die Niederlande und Italien; Wie man Hofmaler wird und bleibt; Die protestantische Bildwelt; Tradition des Sakralen; Beobachter des Menschen; Modelle für die Bildermanufaktur; Unterhalten und Belehren; Die Entfaltung des Aktes und Malersöhne : Hans und Lucas d. J.

Sehr beeindruckend ist die " Kreuzigung Christi ", ( um 1550) . Hier steigert Cranach die Dramatik des Kreuztodes durch einen Rückgriff auf altertümliche Motive.

Von unglaublicher Schönheit ist das " Bildnis des bartlosen jungen Mannes ". Dieses Bild wurde lange Zeit Dürer zugeordnet, offenbar ist immer noch nicht ganz gewiss , ob Cranach der Porträtist war oder gar Anton Neubauer.

Interessant ist die Beschreibung der Gemälde " Enthauptung Johannes des Täufers " und " Enthauptung der heiligen Katharina " , die das, was auf den beiden Bildern zu sehen ist, erst wirklich transparent machen.

Eine Vielzahl von Luther- Portraits dokumentieren die enge Beziehung zu dem Reformator.

Im Gemälde " Caritas " zeigt eine junge Mutter, die - bis auf einen hochdünnen Schleier, nackt einen Säugling stillt und von weiteren Kindern umringt ist. Sie lässt alle voller Freude gewähren.

Am meisten bin ich von dem Gemälde " Christuskopf mit Dornenkrone " angetan. So muss er ausgesehen haben, so und nicht anders. Unendlich faszinierend!

Für Porträtaufnahmen perfektionierte Lucas Cranach eine zu dieser Zeit noch recht seltene Technik: die Ölskizze auf präpariertem Papier. Zu seinen Klienten zählen Edelleute am Wittenberger Hof und in den benachbarten und befreundeten Fürstenhäusern, aber auch Patrizier der sächsischen Städte, mitunter auch einfache Bauern. Kinder hat er besonders einfühlsam dargestellt. Sein Anliegen war es die Beseeltheit der Porträtierten zum Ausdruck zu bringen. Besonders aussagekräftig ist das " Bildnis eines bartlosen Mannes ".

Das Thema des " ungleichen Liebespaares " , so liest man, wurde zum Dauerbrenner in der Cranach-Werkstatt. Über vierzig Fassungen sind bekannt. Gezeigt werden: " Junges Mädchen und Greis ", " Junge Witwe und Greis ", " Junger Mann und Greisin ", " Bauer und Dirne ", " Junger Mann und Greisin mit der Magd ", eine Rolle spielt jeweils die Geldkatze.

Wirklich schön sind die Venusdarstellungen und die Bilder von Adam und Eva.


Eines der schönsten Bilder jedoch ist meines Erachtens " Das goldene Zeitalter ", das im Städel derzeit als Druck verkauft wird und mich neuerdings in meinem Büro erfreut.

Zu sehen ist eine weitläufige Gartenlandschaft, die von einer Ziegelmauer gegen das gebirgige Panorama des Hintergrunds abgegrenzt wird. Hier herrscht ein idyllisches Treiben.

Im Katalog wie folgt beschrieben: " Im Zentrum der Komposition steht eine Gruppe von je drei als Aktfiguren gegebenen Männern und Frauen, die sich an den Händen halten und um einen Apfelbaum Ringelrein tanzen. Auch das übrige Bildpersonal ist in paradiesischer Nacktheit dargestellt; rechts vergnügt sich ein Trauben essendes Pärchen beim Stelldichein vor einer Weinlaube, zwei weitere Paare finden sich auf der gegenüberliegenden Seite, das eine liegend in ein angeregtes Gespräch vertieft, das andere beim Plantschen in einem Bächlein zu beobachten. Komplettiert wird die Szenerie von ebenfalls paarweise auftretenden Tieren unterschiedlicher Gattungen......sowie einer üppigen Vegetation, die reichlich Früchte trägt."

Einfach wundervoll!

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