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Rezension: Die Kraft der Liebe- Erich Fromm

" Körperliche Intimität schafft noch lange keine seelische Intimität." ( Fromm),

Der Psychoanalytiker Erich Fromm(23.3.1900- 18.3.1980) emigrierte 1934 in die USA. Er begründete die humanistische Psychoanalyse und die analytische Sozialpsychologie. Unter dem Einfluss der Frankfurter Schule berücksichtigte er den sozialen und kulturellen Einfluss auf die existentielle Situation des Menschen. Zudem hat er hervorragende Beiträge zur Kritik des freudschen Menschenbildes und zur Aggressionsforschung verfasst.

" Die Kraft der Liebe " enthält viele guten Gedanken Fromms u.a. zu den Themen Angst, Erkenntnis, Gesellschaft, Gewalt, Gewissen, Gut und Böse, Haben und Sein, Leben, Liebe , Macht und Narzissmus.

Die Einleitung von Rainer Funk und das Nachwort von Gerhard Wehr geben Lesern, die Fromms bedeutendste Schriften Die Kunst des Liebens, Haben oder Sein: Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft, Wege aus einer kranken Gesellschaft: Eine sozialpsychologische Untersuchung, Die Seele des Menschen - Ihre Fähigkeit zum Guten und zum Bösen nicht gelesen haben, die Chance ihn intellektuell einzuordnen.

Fromm bekundet, dass ein Mangel an Selbst tiefe Angst erzeugt und die Angst, zum Außenseiter zu werden, größer sei als die Angst vor dem Tode. Diese Gegebenheit erklärt, weshalb in totalitären Regimes nur wenige den Mut aufbringen sich gegen die herrschende Meinung zu stellen. Fromm nennt solche mutigen Personen die Furchtlosen. Furchtlosigkeit findet man nach seiner Ansicht immer nur beim vollentwickelten Menschen, der in sich selbst ruht und das Leben liebt.

Fromm ist überzeugt, dass man einen anderen Menschen nur insoweit wirklich kennen kann, als man das gleiche erfahren hat. Über diesen Gedanken habe ich lange nachgedacht. Stimmt, man vermag letztlich die Motive des Handels bei keinem Gegenüber wirklich auszuloten. Jeder Mensch ist einzigartig.

Dass Logik Wahnsinn nicht ausschließt, ist ein Dilemma. Nichts ist schlimmer als hochintelligente und damit logische denkende Menschen, die psychopathisch agieren. Die Geschichte kennt genügend Beispiele. Die Handlungsergebnisse waren immer desaströs.

Fromms persönlichen Freiheitsbegriff finde ich bemerkenswert. Er nennt die Menschen frei, die weder ihren Eltern beweisen müssen, dass sie etwas falsch, noch dass sie es gut gemacht haben. Erst wenn gilt: Hier bin ich und dort sind die Eltern und wenn man sich gegenseitig zu mögen beginnt, ist es für ihn o.k.. Der Befreiungsprozess fängt für ihn bei einem selbst und bei der Befreiung von den eigenen Eltern an.

Ich teile mit Fromm die Meinung, dass man Freiheit und Unabhängigkeit nur dann erlangen kann, wenn man die Ketten der Illusion sprengt. Tut man dies- Sartre hat es immer wieder gesagt- fällt man allerdings auf sich selbst zurück. Diese Tatsache macht vielen Menschen Angst, deshalb ziehen sie vermutlich ein Leben in Unfreiheit vor.

In seinen Gedanken zur Gewalt unterstreicht Fromm, dass das Böse und Destruktivität die notwendigen Folgen verhinderten Wachstums, die Folge ungelebten Lebens sind.

Hervorheben möchte ich einige Gedanken zum Narzissmus, der leider auch im Internet oft zu vielen Verwerfungen führt. Wissen muss man, dass der Selbstsüchtige nur an sich interessiert ist, alles für sich haben möchte, nur am Nehmen, aber nicht am Geben Freude hat. Für Narzissten existieren andere Menschen nur als Schatten des aufgeblähten narzisstischen Selbst. Der von mir geschätzte Eckart Tolle hat viel später dieses Problem in seinen Büchern , besonders in Eine neue Erde: Bewusstseinssprung anstelle von Selbstzerstörung ausführlich dargelegt und Wege aus der fatalen Selbstbezogenheit aufgezeigt. Seine Denkergebnisse entsprechen Erich Fromms

Fazit: " Seelische Gesundheit besteht in einem Minimum an Narzissmus."

Die Gedanken Fromms zur Liebe haben mich bereits vor fast 30 Jahren als junge Studentin begeistert als ich sein Buch " Die Kunst zu lieben " las. Es stimmt, " ausschließliche Liebe zu einer bestimmten Person ist ein Widerspruch in sich selbst. " Liebe ist ein Kind der Freiheit. Sie lässt sich nicht eingrenzen. Man entwickelt Liebe in sich selbst. Man kann ihr nicht verfallen. Wer letzteres glaubt, hat noch nicht geliebt. Wenn jemand nur eine einzige Person zu lieben meint und ihm alle übrigen Menschen gleichgültig sind, dann handelt es sich nach Fromms Vorstellung nicht um Liebe, sondern um eine symbiotische Verbindung oder um erweiterten Egoismus.

Jedem sollte klar sein, dass man nur dann Liebe erleben kann, wenn man voneinander getrennt ist. Die Realisierung von Platons Kugelmenschen würde das Ende der Liebe zur Folge haben. Reife Liebe ist nur dann möglich, wenn die eigene Integrität und Individualität gewahrt bleibt.

" Liebe ist Erkennen; aber eben weil sie Erkennen ist, ist sie auch Respekt vor dem anderen. "
Ein Buch, dem ich einen breiten Leserkreis wünsche.

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