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Rezension: Ein Stern in Wetterwolken

" Verstanden wenigstens möchte ich gern zuweilen sein, wenn auch nicht aufgemuntert und gelobt, von einer Seele wenigstens möchte ich gern zuweilen verstanden werden, wenn auch alle andern mich verkennen." ( Zitat: Heinrich von Kleist, ein Zeitgenosse Königin Luises von Preußen)

Der Autor Heinz Ohff zeichnet , wie man dem Klappentext entnehmen kann, in seiner Biographie über König Luise von Preußen das Bild einer Frau zwischen Legende und Historie und vermittelt zugleich einen lebendigen Eindruck der damaligen Zeit. Diesen Eindruck kann ich nach der Lektüre des Buches soweit bestätigen.

Bevor ich auf den Inhalt kurz eingehe, möchte ich auf die 34 Abbildungen hinweisen, auf denen nicht nur Luise, sondern Persönlichkeiten ihrer Zeit zu sehen sind, wie etwa Scharnhorst, von Gneisenau, Heinrich von Kleist, Iffland, aber auch Ludwig Graf Yorck von Wartenburg und nicht zuletzt ihr Gatte Friedrich Wilhelm III.

Königin Luise von Preußen ( 1776-1810) blieb stets sie selbst, ob sie nun die Truppen zu Pferd besichtigt, Harfe spielt, in schnellem Galopp vor den französischen Truppen flieht oder Napoleon I. die Stirn bietet, ob sie nun wie eine normale Bürgerin im Arm ihres Gatten durch Berlin spazieren geht oder in St. Petersburg mit Alexander I. den Ball eröffnet.

Luise ist immer gleichbleibend liebenswürdig, wenn sie erfolgreich ist und sie ist erhaben, wenn sie keinen Erfolg hat. Eine wunderbare Frau also.

Ihr Gatte, König Friedrich Wilhelm III, kann sich an ihrer Seite fast für einen großen Herrscher halten; denn die Bewunderung, die ihr entgegengebracht wird, bezieht er auf sich.

Diese geschickte Frau verstand es nicht nur die Liebe des Volkes zu gewinnen, sondern auch den Respekt des Adels und die Bewunderung der Schriftsteller. Alle Dichter preisen sie und einer nennt sie lyrisch eine " gekrönte Aphrodite ".

Königin Luise beginnt mit romantischem, leidenschaftlichem Gemüt den Roman ihres Lebens, als sie 1802 Zar Alexander I. begegnet. Zwischen den beiden Herrschern entwickelt sich ein ziemlich komplizierter, galanter Streit. Der Zar verführt indem er den Verführten spielt. Gewiss fühlt er sich durch die Persönlichkeit der Königin angezogen, täuscht aber mehr vor, als er wirklich empfindet, denn Verwirrung befriedigt ihn mehr als Besitz. Ihre Tugend erlaubt der Königin sich mehr Freiheiten zu nehmen als sie bei ihren Hofleuten möglich war.

Jeder begeistert sich für die Rolle, die er - auch sich selbst gegenüber- spielt; dabei steckt hinter der galanten Fassade der realistische Wunsch der Königin, einen Verbündeten zu gewinnen, den Preußen sehr braucht. Frankreichs Drohungen werden so dringend, dass Preußen seine Neutralität aufgeben muss. Die Königin, die ihrem Heer gefolgt ist, um es durch ihre Gegenwart zu stärken, sieht wie es von Napoleons Armee vernichtet wird.

Nach dem Zusammenbruch von Jena 1806 flieht der Hof nach Königsberg. Dort wird der Wind zum Sturm, so dass das Dach des Schlosses davon gerissen wird und eine Atmosphäre, die an Shakespeare erinnert, bedrückt die verzweifelte königliche Familie.

Da die Franzosen ihre Offensive fortsetzen und die Königin nicht verhandeln will, muss der Hof erneut aufbrechen und nach Memel fliehen. Dort ist die Armut groß: es schneit durch die glaslosen Fenster der Königin. Bei der Begegnung von Tilsit 1807 zwischen dem Zar und Napoleon tritt der König von Preußen so erbärmlich auf, dass seine Umgebung ihm rät, die Königin zu Hilfe zu rufen. Sie kommt und verhält sich Napoleon gegenüber zuerst hochmütig. Da dies nicht verfängt, versucht sie ihn zu verführen, um ihn zu entwaffnen.

Napoleon lässt sich nicht beirren und ärgert sich über ihren zähen Willen. Sie will Magdeburg behalten, eine der fünf Festungen, deren Übergabe er fordert. Als sie am Abend zu Tisch gehen, reicht er ihr galant eine Rose: " Ja... aber mit Magdeburg! " antwortet Luise. Schließlich müssen die Herrscher von Preußen nach Memel zurück, ohne etwas durchgesetzt zu haben.

Während der drei letzten Jahre ihres Lebens denkt Königin Luise, die durch den Widerstand zur Nationalheldin wurde, nur noch an die Freundschaft mit dem Zar und die Wiedereroberung ihres verlorenen Reiches. Die Freundschaft hat nachgelassen, wie sie Ende 1808 bei einer Reise nach Petersburg bemerkt; um die Wiedereroberung steht es aber gut, wie sie feststellen kann, als sie 1809 nach Berlin zurückkommt.

Heinz Ohff resümiert zu Ende seiner packenden Biographie " Luises Anziehungskraft reicht, wie es scheint, über die Zeiten hinweg. Die Wetterwolken sind vergangen. Ihr Stern leuchet immer noch..."

Ich hoffe, dass ich Sie mit der Rezension ein wenig neugierig auf diese lesenswerte Biographie machen konnte.




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