Rezension: Käthe Kollwitz

Ich will wirken in dieser Zeit." ( Zitat: Käthe Kollwitz),
Catharine Krahmer zeichnet in diesem Buch sehr feinfühlig das Leben der deutschen Graphikerin und Bildhauerin Käthe Kollwitz( 1867-1945) nach. Schriftliche Selbstzeugnisse und eine umfangreiche Bilddokumentation vervollständigen das Bild dieser beeindruckenden Künstlerin.

" Das Werk der Käthe Kollwitz ist das größte Gedicht Deutschlands zu dieser Zeit. Es spiegelt die Heimsuchung und den Schmerz der Demütigen und Bescheidenen", schrieb 1927 Romain Rolland: " Sie ist die Stimme des Schweigens der geopferten Menschen."

Kollwitz wuchs in einer gutsituierten Familie auf. Ihr Vater Julius Rupp , der als Prediger und Philosoph 1844 mit der starren Orthodoxie und der staatlichen Reaktion zusammengestoßen und amtsenthoben worden war, hatte zwei Jahre später die " Freie Gemeinde " gegründet. Käthes Vater Karl hatte Jura studiert, war aber dann Maurer geworden und hatte ein Baugeschäft aufgebaut. Als Freund und Nachfolger des alten Rupp hatte er dessen Tochter geheiratet. Rupps freie, soziale Gesinnung hat noch auf die Enkelin großen Einfluss ausgeübt.

Mit 18 durfte sie für ein Studienjahr nach Berlin. Die Akademie nahm damals noch keine Frauen auf. Ihr erster Lehrer wurde Karl Stauffer. Dessen Freund Max Klinger hat sie seiner zyklischen Werke wegen zum Vorbild genommen. Es folgten zwei Jahre Königberg. Für sie eine offenbar triste Zeit. Ihre Eltern, die dort lebten, griffen auf eine Weise ein, für die sie ihnen sehr dankbar war. Sie schickten sie nach München.
Hier fand sie Zugang zu der neuen naturalistischen Dichtung: Zola, Ibsen, Tolstoi, Dostojewski, Gorki und Hauptmann.

Den Dichter der Weber hatte sie schon 1883 oder 1884 persönlich kennengelernt. Dieser schilderte später: " Frisch wie eine Rose im Tau, ein anmutiges, kluges Mädchen, das in tiefer Bescheidenheit, allerdings von Künstlerberufung noch nichts merken ließ."

Für eine Szene aus Zolas Bergarbeiterroman "Germinal" machte sie später Studien in Königsberger Hafenkneipen. 1891 heiratete sie Dr. Karl Kollwitz, einen Kassenarzt im Berliner Norden und zog mit ihm in die Arbeitergegend.In der " Freien Berliner Kinstausstellung" des Jahres 1893 stellte sie zum ersten Mal aus. Um diese Zeit gab sie die Malerei endgültig zugunsten der Graphik auf. In diesem Jahr sah sie die Uraufführung der Weber, die zum Anlass wurde, in vierjähriger Arbeit ihre sechs Blätter " Weberaufstand" zu schaffen. Eine Jury unter Vorsitz des greisen Menzel, wollte ihr diem goldene Medaille zusprechen, aber der Kaiser lehnte ab.
Käthe Kollwitz unternahm Reisen nach Dresden, das sie entzückte und nach Italien.

Ein Jahr lebte sie als Trägerin des Villa-Romana-Preises in Florenz. Dort entstand " Carmagnole", sieben Blätter aus dem Bauernkrieg.Kurz nach dem Ausbruch des ersten Weltkrieges fällt ihr zweiter Sohn Peter. Für ihn und alle anderen Gefallenen schuf sie ihr Kriegerdenkmal " Eltern." Der Übergang von der Graphik zum plastischen Schaffen ist ihr nicht leicht geworden. Die erste Fassung wurde 1915 begonnen und 1919 liegengelassen, die zweite entstand 1926/33 und wurde 1932 auf dem Soldatenfriedhof im belgischen Eesen, auf dem Peter liegt, aufgestellt.

Ernst Barlach hatte ihr Mut gemacht und man meint eine Verwandtschaft ihres Bildhauerisches Werkes mit seiner Kunst zu erkennen.

1933 wurde die Kunst der Kollwitz verboten, doch sie arbeitet weiter.

1940 starb ihr Mann, 1943 verließ sie Berlin und findet schließlich durch Prinz Ernst Heinrich von Sachsen Zuflucht in Moritzburg. Ihrem Herzen nach war sie gewiss Sozialistin, aber das war für sie keine politische Entscheidung." So habe ich das Recht, den Abschied der Arbeiterschaft von Liebknecht darzustellen, ja die Arbeiterschaft zu dezidieren, ohne dabei Liebknecht politisch zu folgen."

Den Gehalt ihrer knappen, klaren unsentimentalen, ehrlichen Kunst drückte die selbst mit den Worten aus: " Ich soll das Leid der Menschen, das nie ein Ende nimmt, das jetzt riesengoß ist, aussprechen."






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