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Rezension: Nachtzug nach Lissabon -Pascal Mercier

Der traurige Klang des Fados!,

Der eigenbrötlerische, in die Jahre gekommene Schweizer Altphilologe Gregorius gelangt durch einen Zufall an einen Text des portugiesischen Poeten Amadeu de Prado. Er fühlt sich von dessen Worten so sehr in den Bann gezogen, dass er - ganz gegen sein Naturell - spontan aus seinem bisherigen Leben ausbricht und Hals über Kopf nach Lissabon reist. Dort angekommen, geht er den Spuren dieses Poeten nach. De Prado , einst Arzt und Widerstandskämpfer während der Diktatur Salazars, ist schon seit Jahrzehnten tot. Gregorius lernt allerdings noch lebende Freunde und nahe Verwandte dieses Mannes kennen und gelangt so an Briefe und Texte, die dessen facettenreiche Identität verdeutlichen. De Prado hat das Elend und den Schmerz, hat vor allem auch nachhaltig Gewissenskonflikte kennen gelernt. Er ist sich sicher, dass er das Schöne und Erhabene als Gegenpol für das Gewöhnliche in dieser Welt benötigt. In seinen zahlreichen philosophischen Betrachtungen fragt er sich immer wieder, was bleibt, wenn man auf sich selbst zurückgeworfen wird und er kommt zu dem Ergebnis, dass es wohl die Poesie des eigenen Lebens ist. Ob diese allerdings stark genug ist, den Menschen zu tragen, weiß de Prado nicht. Er reflektiert weiter.....

Die philosophischen und psychologischen Sinnfragen des nachdenklichen Arztes sind nicht zuletzt auch die Fragen mit denen sich Gregorius beschäftigt und so beginnen deren Ideen und Identitäten allmählich zu verschwimmen und sich aufzulösen, während man in der Ferne den traurigen Klang eines längst verhallten Fados zu hören glaubt.

Ein sehr nachdenklicher Roman, der die Vielschichtigkeit der Realitäten intensiv beleuchtet und dabei Platons Höhlengleichnis nie aus den Augen verliert.

Zu recht hochgelobt!





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