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Rezension:Philosophie der Freude: Briefe. Hauptlehrsätze. Spruchsammlung. Fragmente (insel taschenbuch) (Taschenbuch)


"Ein einziger Grundsatz wird dir Mut geben,
nämlich, dass kein Übel ewig währt,
ja nicht einmal sehr lange dauern kann.

Epikur( 341-v. Chr.- 306 v. Chr.) ist der Begründer einer der bekanntesten griechischen Philosophieschulen.
Grundlage seiner Philosophie war die atomistische Welterklärung Demokrits, der alle Erscheinungen als von Naturgesetzen hervorgerufen darstellt und damit den Einfluss übernatürlicher Kräfte ausschließt.
Epikur betrachtete es als seine Aufgabe den Menschen die Furcht vor dem Tod zu nehmen und sie zu einer irdischen Glückseligkeit zu führen.
Ihm geht es bei allem nicht um ein zügelloses Jagen nach Sinneslust, sondern er sieht das Ziel des Menschen im Gewinnen von Lust und im Vermeiden von Unlust - dies nämlich ist für ihn Ausdruck erstrebenswerter Glückseligkeit, wie er in seinen hier vorliegenden Texten und Sentenzen deutlich macht.
Der Philosoph weiß, dass auf Ausschweifungen jeder Art schmerzliche Rückschläge zu folgen pflegen. Insofern muss Vernunft das Streben nach Glück leiten und zügeln. Die Vernunft aber lehrt, dass das eigentliche Glück viel eher in heiterer Beschaulichkeit als in ausgeglichener Ruhe des Geistes zu finden ist.
Folgende Sentenz soll darauf verweisen, was Epikur im Sinn hatte:

An alle Begierden sollten wir die Frage stellen: Was wird mir geschehen, wenn erfüllt wird, was ich begehre und was, wenn es nicht erfüllt wird?

Epikur rät zurückgezogen zu leben und sich darüber im Klaren zu werden, dass man keine Angst vor der Gottheit zu haben brauche, dass der Tod Empfindungslosigkeit bedeute, Gutes leicht zu beschaffen und das Schlimme einfach zu ertragen sei, wenn man sich seine Philosophie zu eigen gemacht habe.

Empfehlenswert.





Rezension: Poster 11 Rosen

Wie mögen sie bloß duften?

Vom Duft heißt es, er sei die Seele einer Pflanze, und mit keiner anderen wird er so eng in Verbindung gebracht wie mit der Rose. Der Duft bestimmt als wesentliches Merkmal ihren Zauber und wird als angenehm aufbauend, harmonisierend, ja selbst sanft euphorisierend empfunden.

Allerdings ist Rosenduft nicht gleich Rosenduft. Es gibt Noten mit einem Hauch von Zitrone, Myrre, Flieder oder anderem. Selbst ein und die selbe Sorte varriert ihr Parfüm, je nach Tageszeit und Wetterverhältnissen. Auch die Zusammensetzung des Bodens sowie die verwendete Unterlage haben einen Einfluss.
Flüchtige Substanzen, die ätherischen Öle, transportieren die Duftstoffe. Über Drüsen, Drüsenzellen oder auch ganze Pflanzenorgane werden sie ausgeschieden und entfalten bei Kontakt mit Sauerstoff ihren spezifischen Geruch. Das Parfum der Rosen ist geprägt vom Duftstoff Geraniol. Bei den meisten Rosen sitzen die Duftstoffe in den Blüttenblättern. Je gefüllter eine Blüte ist, desto stärker duftet sie in aller Regel. Der Duft der Rosen scheint direkt zum Herzen zu gehen und es mitunter zu öffnen....
Ein gelungens Poster, dessen unsichtbaren Duft, all diejenigen wahrnehmen können, die ihrer Fantasie freien Raum lassen:-))




Rezension:Parfum. Eine sinnliche Kulturgeschichte von Renate Lohse Jasper

"Parfum ist eine sinnliche Ausstrahlung in die Welt. Unbekümmert tritt sie der vergehenden Zeit entgegen, die sie als ein Spiel der Metamorphosen begreift." ( Gerard Delcour)
Die Journalistin Renate Lohse-Jasper hat ein hochinformatives Buch über die Kulturgeschichte des Parfums geschrieben.

Parfum ist die Bezeichnung für die aus natürlichen oder synthetischen Riechstoffen unter Zusatz von Haftmitteln ( Fixateuren) und Lösungsmitteln( meist reinem Alkohohl ) hergestellten Duftkompositionen. Für die Parfum- Herstellung wählt man die Riechstoffe entweder so aus, dass Gerüche entstehen, die natürlichen Vorbildern gleichen, oder man stellt sie nach bestimmten Rezepturen zusammen, dass sich Fantasiegerüche ergeben.

Als Fixateure, die vor allem die Verdunstung der Riechstoffe herabsetzen, werden Extrakte wohlriechender Harze und anderer pflanzlicher Produkte verwendet, daneben auch tierische Fixateure wie Ambra und Moschus sowie synthetische Produkte.

Die Autorin erläutert zu Beginn des Buchs zunächst gut nachvollziehbar die Mechanismen der Geruchswahrnehmung, die so genannte Olfaktion und lässt dabei nicht unerwähnt, dass Sexualduftstoffe, die man Phermone nennt, eine zentrale Rolle in der Geschlechterbeziehung spielen. Parfums wurden stets dafür eingesetzt die Sinne zu betören, vor allem jene des anderen Geschlechts.

Lohse- Jasper vertieft sich zunächst in die Duftstoffe: Rose, Lavendel, Tuberose (gemeint ist die Nachthyazinthe), mit stark duftenden Blüten, die ausschließlich in der Parfumindustrie genutzt wird und deren Öl man mit Gold aufwiegen kann. Das Kilogramm kostet zwischen 10 000 und 15 000 Euro. Tuberose Absolue ist eines der teuersten Produkte, die ein Parfumhersteller zur Verfügung hat.

Des Weiteren thematisiert die Autorin Jasmin, Bitterorange als auch Holz, Gras, Moos und Harze.

Natürlich klärt Lohse-Jasper auch über die so genannten Duftfamilien auf: Unter " Grün-Noten " versteht man spritzige Duftnoten in einer sehr modernen, frischen Richtung mit feiner balsamischer Abrundung. Unterschieden wird zwischen frischen und balsamischen, leichten und kühlen Noten von Zitrone und Kräutern der grünen Richtung als auch weichen, warmen Noten aus Naturprodukten. Chanel Nr. 19 und Alliage /Lauda sind Düfte dieser Art.

" Blumige Noten " unterscheidet man in die Richtungen fruchtig-frisch, blumig-frisch, blumig und blumig-süß, Amazone/Hermes auch Fidji/Laroche gehören dazu.

" Aldehdyd-Noten " kommen in der Natur kaum vor. Es sind synthetisch hergestellte Düfte. Zu ihnen zählen Chanel Nr. 5 aber auch White Linen/Lauda gehört dazu.

" Chypre-Noten " beruhen auf den Kontrast von bergamottebetonter Frische und einem Eichenmoos-Fond. Miss Dior ist ein Parfum dieser Art.

" Orientalische Noten " sind an ihrer schweren Süße erkennbar, welche durch verschiedene Harze und tierisch Duftstoffe erzielt wird. Jicky/ Guerlain und Shalimar/Guerlain kann man hier zuordnen.

" Tabak/Leder-Noten " beeinhalten teerige und tierische Elemente und sind betont männliche Düfte, wie etwa Cuir de Russie/ Chanel.

Schließlich noch " Fougere-Noten " , sie gehören ebenfalls den männlichen Düften an und zeichnen sich durch Lavendel und Moos mit einer Cumarin-Komponente im Hintergrund aus.

Lohse- Jasper skizziert den langen Weg der Wohlgerüche beginnend in Mesopotamien, der Wiege der Zivilisation über Ägypten, das alte Israel, - auch Judith verwendete feine Düfte als Verführungsmittel, als sie Holofernes in seinem Zelt die Aufwartung machte, um ihr Volk aus der Unterdrückung zu befreien. " Dort legte sie das Bußgewand ab, das sie trug, zog ihre Witwenkleider aus, wusch ihren Körper mit Wasser und salbte sich mit wohlriechender Salbe... " - bis hin zu den Griechen und Römern. Die Badekultur im kretischen Knossos, so erfährt man, war bereits hoch entwickelt. Ein Schüler des Aristoteles - Theophrast- hatte in einem Buch über Düfte bereits erklärt, wie man Parfüm nicht nur aus den Blüten von Rosen, weißen Nelken und Lilien hergestellt, sondern auch aus deren Blättern, Stengeln und Wurzeln.

Nicht nur Frauen auch Männer im alten Griechenland parfümierten sich, sogar der zerlumpte Exzentriker Diogenes liebte wohlriechende Salben, zumindest an seinen Füßen.

Höhepunkt der Verwendung und Verschwendung von Luxusdüften in der römischen Kaiserzeit war unter Caligula, Nero und Salvius Otho.

Man unterschied damals: feste Salben, auf öliger Basis aufgebaute flüssige Salben und Duftpulver.

Die Autorin widmet der fernöstlichen Tradition der Duftherstellung ein Kaptitel und der arabischen Destillation.

Aus Apothekerchroniken geht hervor, dass in Deutschland um 1500 etwa zehn verschiedene destillierte Öle bekannt waren, um 1600 aber schon hundert.

Dem Frauenbild der Renaissance entsprach nicht nur das Bild der " gentildonna ", sondern auch der Kurtisane. Diese musste eine gute Allgemeinbildung und Fremdsprachenkenntnisse besitzen, sich im Bereich von Literatur, Musik und Philosophie auskennen und alle Praktiken der Schönheitspflege beherrschen.

Kurtisanen benutzen Duftwasser mit Vorliebe, denn sie wussten um deren verführerische Wirkung.

In Versailles wurde schlechter Geruch durch Parfum neutralisiert. Darüber schreibt die Autorin ebenso kurzweilig, wie über die Geschichte des Hauses 4711 in Köln.

Die Parfümstadt Grasse wird im historischen Kontinuum gezeichnet und in der Folge die großen Pariser Parfumdynastien vorgestellt.

Sehr interessant ist die Geschichte des Hauses Guerlain. Um nahezu alle Guerlain- Düfte ranken sich Legenden. Begriffe wie " Shalimar " , " Samasara " entführen in eine andere Welt und schenken der Fantasie großen Spielraum.

Der Zusammenhang zwischen Mode und Düften wird breit gefächert dargelegt und über Chanell , Lagerfeld, Yves Saint Laurent und Armani wird berichtet. Ferner lernt man die große Dame der Kosmetik Helena Rubinstein näher kennen, der es nicht nur um erotische Verlockung, sondern ebenso um eine " notwendige Ausrüstung " für die Behauptung der modernen Amazonen in einer von Männern beherrschten Welt ging.

Auch interessant ist die 5000 Jahre alte Geschichte der Flakons, in denen die feinen Düfte aufbewahrt werden und darauf warten verschwenderische Benutzerinnen zu finden.

Neben recht bemerkenswerten Marktanalysen, kann man sich zu Ende des Buchs noch in ein Interview mit dem Berliner Parfümeur Harry Lehmann vertiefen und sich im Lexikon der Fachbegriffe schlau machen, um beim nächsten Gang in eine Parfümerie mit dem Personal ein wenig fachsimpeln zu können. Basis -Kopf- und Herznote lassen sich einfacher eruieren, wenn man erst einmal weiß, dass es sie gibt.

Ein hochinformatives Buch für Menschen, die die schönen Dinge des Lebens mit Freude genießen.

Empfehlenswert!





Parfumempfehlungen - dezente, hochwertige Düfte:
























Rezension: Tafelmusik des Barock

Albinonis Adagio g - Moll in dieser Klangqualität ist zum Niederknien schön!,

Auf der vorliegende CD sind die allerschönsten Kompositionen des Barock zusammengestellt.

Bachs "Orchestersuite Nr. 2 h Moll- Badinerie", aber auch Corellis "Streichersuite A- Dur- Giga ", Glucks " Reigen seliger Geister" und Albinonis "Adagio g Moll" sind Musik für die Ewigkeit .

Diese Klänge setzen beim Zuhören kein bestimmtes Tun voraus. Trotz ihrer Schönheit sind sie so zurückhaltend und sensibel, dass sie sich durchaus als musikalische Begleiterinnen zum gepflegten Dinner eignen.

Tafelmusik gehörte spätestens seit dem Mittelalter , vor allem aber seit der Renaissance zum imposanten Erscheinungsbild und klingenden Rahmen von Festen.

In allen Folge-Jahrhunderten hat sich daran nichts geändert.

Manche Komponisten wiesen mehr oder minder explizit bestimmte Kompositionen als Tafelmusik aus. So etwa Pachelbel der diese Stücke " Musikalische Ergötzung" nannte. Sein "Kanon und Gigue D-Dur" erklingt übrigens auf der ersten dieser beiden CDs .

Heute ist beinahe unverständlich, dass der Superstar des Barock, Johann Sebastian Bach(1685-1750) , schon kurz nach seinem Tod in Vergessenheit geriet. Seine "Brandenburgischen Konzerte"( Nr. 3 G-Dur ist auf einer der CDs zu hören) auch Händels "Wassermusik- Allegro- Air- Bouree-", sind geradezu ideal für eine Festtafel im Freien.

Bach gelangte erst im 19. Jahrhundert zu Weltruhm, während die Namen Corelli, Vivaldi, Albinoni auch Locatelli nie aufgehört haben in aller Munde zu sein, vielleicht, weil ihre Musik am besten zwischen menschlichen Leidenschaften bzw. Erregungszuständen und bestimmten Klängen zu korrespondieren vermag.

In der barocken Musik stehen Dur-Klänge , Konsonanz und schnelles Tempo für Freude, während Trauer durch Moll-Klänge, Dissonanz und langsames Tempo ausgedrückt wird. Allerdings huldigte man dabei eher Apollon als Dyonyos. Die durch musikalische Gesten ausgedrückten Affekte waren in hohem Maße stilisiert.

Die Barock-Zeit entwickelte auch die Gesetzmäßigkeiten der Harmonielehre.

Diese Gesetze schreiben dem Künstler nicht vor , was er zu komponieren hat, sondern sie beschreiben die Grammatik der Musik, die erst die Verständigung zwischen Künstler und Publikum ermöglicht.

Wie wunderschön , ja harmonisch, doch "Marcellos Obenkonzert d -Moll Largo" klingt! Diese Komposition ist ähnlich sphärisch angelegt, wie Glucks " Reigen seliger Geister".

Dies Doppel-CD zähle ich zu den besten CDs , die ich besitze!






Rezension: Leibnitz von Kuno Fischer

"Die Gerechtigkeit ist nichts anderes als die Nächstenliebe des Weisen." ( Leibniz)

Autor des Buches ist der bedeutendste Philosophiehistoriker des 19. Jahrhunderts Kuno Fischer (1824-1907). Er stellt darin das Leben, die Werke und die Lehre des Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) vor. Herausgegeben wurde das Buch von Prof. Dr. Thomas Sören.

Das Werk ist unterteilt in drei Bücher mit verschiedenen Kapiteln und zahlreichen Unterkapiteln.

Das erste Buch enthält " Leibnizens Leben und Schriften ", das zweite Buch seine Lehre und das dritte Buch zeigt den Weg von Leibniz zu Kant auf.

Leibniz wurde 1676 Bibliothekar und Rat des Herzogs Johann Friedrich von Braunschweig-Lüneburg in Hannover, später Hofgeschichtsschreiber. Er regte die Gründung der " Societät der Wissenschaften " ( später preußische Akademie der Wissenschaften ) in Berlin an. Leibniz war ein bedeutender Mathematiker. Er trug unabhängig von Newton entscheidendes zur Entwicklung der Infinitesimalrechnung bei und entwickelte das Dualsystem. Ferner war er Rechtsgelehrter, politischer Schriftsteller, Geschichts- und Sprachforscher. Als Techniker konstruierte er 1675 die erste Rechenmaschine mit Staffelwalzen.

Mit nahezu allen bedeutenden Gelehrten Europas stand der große Denker in regem Briefwechsel. Als Philosoph hat Leibniz ein nicht mechanisches, rationalistisch-idealistisches Denkgebäude entworfen, dass die mechanische Naturerklärung Decartes` durch die Einführung des Begriffs der Zweckursachen mit dem religiösen Glauben zu versöhnen suchte.

An die Stelle der " toten " Atome setzte Leibnitz individuelle, beseelte oder " nackte " , nicht ausgedehnte, äußeren mechanischen Einwirkungen unzulängliche Substanzen, deren Lebensgrund die unendliche Urmonade der Welt, die Gottheit, bilde.

In jeder dieser Monaden spiegelte sich das Weltgeschehen mit verschiedenen bewussten und unbewussten Graden der Wahrnehmung, in den nackten Monaden als Bausteinen der Materie in unbewusster Weise. Die Weltvorgänge in den einzelnen fensterlosen Monaden sollen durch einen von vornherein von Gott angelegten Gleichklang aufeinander abgestimmt sein.

Die Ansicht, dass die Welt die vollkommenste aller möglichen Welten sei, benutzt Leibniz zur Rechtfertigung Gottes.

Die Frage der Leibnizschen so genannten Theodizee ist: Wie kommt es, dass in der vollkommensten aller Welten übergenug an Leiden, Unvollkommenheit und Böses vorhanden ist? Die Antwort macht u .a . deutlich, dass das Böse für ihn nur ein Mangel an Gutem sei, das von Gott im Rahmen seiner Schöpfung als Mittel der Bewährung und Prüfung eingesetzt wurde, damit schließlich auch aus ihm Gutes fließe. Ein von Gott geschaffenes Wesen muss nach der Vorstellung von Leibniz in seiner Unvollkommenheit sündigen, besonders, wenn ihm Gott die Gabe der Freiheit verliehen hat.

Die Charakteristik und Kritik der Leibnizschen Lehre, sowie deren Fortbildung an dieser Stelle zu erörtern, sprengt leider den Rahmen einer Amazon-Rezension.










Rezension: Roads of Jazz ( Fotobildband inkl. 6 Musik-CDs) von Peter Bölke

Jazz ist ein Lebensgefühl.


Dieses wunderbare earBook enthält 6 CDs von bester Klangqualität, auf denen man die verschiedenen Stilrichtungen des Jazz kennenlernt. CD 1 ist dem Classic Jazz gewidmet, CD 2 dem New York Swing, CD 3 dem New York Be-Bop, CD 4 dem New York Modern Jazz, CD 5 dem Cool & Westcoast Jazz und CD 6 dem Jazz in Europe. Musik von allen Jazz-Größen wird wiedergegeben, beginnend bei Louis Armstrong, weiterführend über Duke Ellington, Fletcher Henderson, Benny Goodman, Lionel Hampton, Miles Davis, Clifford Brown und endend mit Serge Chaloff und Dave Brubeck, um nur einige zu nennen.

Wie man die Stücke und Musiker auf den CDs musikalisch einzuordnen hat erfährt man, wenn man im Buch die Geschichte des Jazz aufmerksam liest. Diese Geschichte, die am Anfang des 20. Jahrhunderts begann, wird mit vielen Fotos illustriert und dokumentiert auf diese Weise auch den jeweiligen Zeitgeist, der im Jazz vorherrschte.

Das Buch ist untergliedert in: New Orleans, Chicago, Kansas City, New York ; Cotton Club, Carnegie Hall, Onyx, Famous Door, Savoy Ballroom; To Be Or Not To Bop; Swinging Hard & Funky; Lighthouse Café, Sardi`s , Blackhawk, The Haig, Melody Room; Paris, London; Berlin.
Der Jazz ist in allen Abschnitten seiner Geschichte mit den Namen großer Musiker verbunden gewesen und wurde von den Lebensumständen der Zeit geprägt, in der sie spielten. Erklärbar wird dies alles über die Roads of Jazz, über die Städte, in denen bestimmte Stilrichtungen vorherrschten, über die Clubs und Bars, die Tanzschuppen und Konzertsäle, in denen die Bands auftraten. Der Jazz eroberte innerhalb nur eines Jahrhunderts die Welt. Jeder kennt Namen wie Louis Armstrong, Coleman Hawkins, Benny Goodman und Oscar Peterson. Begonnen hat der Jazz in New-Orleans, einem besonders lebensfreudigen Ort, an dem sich die Temperamente und Kulturen der unterschiedlichsten ethnischen Gruppen ballten, die alle ihre Musik hervorbrachten. Hieraus entstand geradezu zwangsläufig etwas Neues. Jazz war und ist demnach ein Lebensgefühl.

Einen nicht unwesentlichen Anteil an der Entwicklung des frühen Jazz hatten kreolische Musiker, die nicht selten besser ausgebildet waren, also demnach auch vielfach Noten lesen konnten. Am Beginn des Weges, den die Roads of Jazz markieren, gab es in New Orleans mehr als drei Dutzend Bands, die auf Straßen, Lokalen und Bordells spielten. Die meisten Musiker waren Afro-Amerikaner und Kreolen, aber auch Weiße bildeten Orchester, um den großen Bedarf an unterhaltender Musik zu befriedigen. So erfährt man u.a., dass in New Orleans Begräbnisse nicht selten eine Gelegenheit waren, dem Tod durch entsprechende Musik eine heitere Seite abzugewinnen. Natürlich liest man über Louis Amstrong und die "King Oliver`s Jazz Band". Diese Band um den Trompeter Paul Mares, den Klarinettisten Leon Rappolo und den Posaunisten George Brunis war eine der erfolgreichsten Gruppen des weißen New Orleans Jazz. Louis Armstrong, "Satchmo", war der personifizierte Jazz schlechthin. Seine technisch brillanten, fantasievoll swingenden Improvisationen haben ganze Generationen von Musikern beeinflusst. Er war ein herausragender Trompeter mit makelloser Technik und sattem Ton, aber auch ein liebenswerter Entertainer.

Man lernt Bix Beiderbecke kennen, auch den Pianisten Jelly Roll Morton, der der erste war, der jazzmäßig komponierte und erfährt, dass in Kansas City ein früher orchestraler Swing gespielt wurde, der durch Riffs, einen flüssigen, bouncenden Beat und starke Blues-Elemente gekennzeichnet war. Saxophone spielten eine bedeutende Rolle, die Arrangements waren zumeist nur abgesprochen. Aufgrund der wirtschaftlichen Depression ging die große Zeit der Bands in Chicago dann zu Ende. Viele Musiker, wie Benni Goodman, Eddie Condon und Count Basie waren in New längst gelandet, auch Armstrong und Fletcher Hendrikson spielten nun dort. New York war damals ein Hexenkessel in dem sich Neues anbahnte. Darüber wird im Buch ausführlich berichtet.

Neben Flechter Henderson und Duke Ellington lernt man eine Reihe anderer namhafter Jazz-Musiker jener Tage kennen, wird mit dem Swing in der Folge vertraut gemacht und hier auch mit der ersten Goodman-Bigband. Ella Fitzgerald wird erwähnt, man liest vom Cotton Club, dem Saxophonisten Johnny Hodges, der Carnegie Hall, wo viele berühmte Musiker auftraten wie etwa Benny Goodman, Duke Ellington u.a.. Der Swing wird sehr schön fokussiert , aber schon auf dem Höhepunkt seiner Ära erklangen neue Töne, so Benny Goodman Sextett, das er 1939 bildete und in dem der Gitarist Charlie Christians schon hörbar neue Wege suchte. Billie Holliday bleibt nicht ausgespart im Bericht, bevor man sich thematisch immer weiter ins Jetzt bewegt.Unmöglich an dieser Stelle alle Musiker und Sänger zu nennen, die in dem Buch vorgestellt werden und sich über alle Stilrichtungen auszulassen .

Sehr bemerkenswert war das Können von Clifford Brown, der sich durch einen warmen Ton und brillante Technik auszeichnete, natürlich auch von Miles Davis, der wohl einer der wichtigsten Musiker auf der Roads of Jazz war. Der Tenorsaxophonist Bob Cooper erregte Aufsehen als er bei den Lighhouse All-Stars zum ersten Mal die im Jazz ungewohnte Oboe einsetzte und mit Bud Shanks Flöte zusammen spielte. Dave Brubeck wird nicht vergessen und auch Django Reinhardt nicht. Reinhard hat in seinem sehr rhythmischen Spiel Zigeunermusik, französische Folklore und Jazz-Elemente verschmolzen.


Die Fotos im Buch finde ich faszinierend, natürlich auch hochinformativen Texten und die tollen Musikauswahl. Während des Schreibens hörte ich New York Swing, Musik also, die ins Blut geht und gute Laune macht.








Rezension: Tutto Pesto

Dieses Büchlein  ist eine wahre Freude für Liebhaber der italienischen  und der asiatischen Küche. Es enthält eine Vielzahl  von  Pesto-Rezepten, untergliedert in :

Kräuter-Pesto
Gemüse-Pesto
Nuss-Pesto
Asiatisches Pesto
Süßes Pesto

 Die Rezepte sind übersichtlich und werden bestens erklärt. Warenkundliche Informationen werden nicht vergessen. So erfährt man u.a., dass Estragon, auch Schlangenkraut genannt , mit seinem bittersüßen, leicht pfeffrigen Geschmack reich an ätherischen Ölen, Gerb- und Bitterstoffen ist und Sauerampferblätter eine Menge Vitamin C, Mineralstoffe und Oxalsäure enthalten.

Viele Kräuter-Pestos werden mit Knoblauch zubereitet. Nicht immer werden Pinienkerne, sondern mitunter auch Cashew-, Kürbis- oder Walnusskerne sowie Mandelblättchen beigegeben. Parmesan wechselt mit Pecorino, Zitronensaft mit Aceta balsalmico.

Bei den Kräuter-Pestos möchte ich  das "Brunnenkresse-Pesto" und das "Löwenzahn-Pesto"  für Nudelgerichte  wegen ihrer frühlingshaften Geschmacksnoten hervorheben und auf das "Koriander-Ingwer-Pesto" hinweisen, das zu kaltem Huhn hervorragend mundet.

Das "Fenchel-Pesto"- ein Gemüse-Pesto- ist sehr interessant zu gegrilltem Fisch, das " Kapern-Pesto" ideal zu Thunfischfilets aus dem Glas oder der Dose und das "Oliven-Pesto"  als Aufstrich für  Brot zu einem Glas Weißwein.

Die Nuss-Pestos passen meines Erachtens zu Fleisch oder Gemüse besser als zu Pasta. Sehr edel schmeckt das "Macadamia-Pesto". Hier spielt auch Basilikum eine Rolle sowieWeißweinessig . Das "Pistazien-Oliven-Pesto" ist von seinen Zutaten her an die persische Küche angelehnt.

Die asiatischen Pestos  sind  in erster Linie für Fisch- und Fleischgerichte gedacht. Hier gefallen mir die Geschmacksnoten des "Thai-Pesto" und des "Vietnamesischen Pesto" am besten. Beide Pestos verzichten nicht auf Koriander, Knoblauch, Chilischoten und Zitronengras und doch unterscheiden sich die genannten  Pestos in ihren Geschmacksnoten  auf subtile Weise.

Bei den süßen Pestos finde ich das "Orange-Mandel-Pesto" am bemerkenswertesten. Es passt nicht nur zu frischen Erdbeeren, sondern auch als Beigabe zu Käse.

Ein informatives Büchlein.

Rezension: Die Fremde - S. Marai

Verzweiflung und Wahnsinn

Victor Askenasi ist eine Kapazität im Fachbereich Orientalistik. Viele Jahre hat er als Professor an der Sorbonne gelehrt und ein großbürgerliches Leben geführt. Die Affäre mit der Tänzerin Eliz hat ihn offenbar aus der Bahn geworfen. Freunde und seine Ehefrau Anna befürworten eine Reise, die ihn an die dalmatinische Küste verschlägt. Dort gelingt es ihm allerdings nicht zu sich und seinem bürgerlichen Leben zurückzufinden.
 
Er wird immer gereizter, will sich im Grunde nicht nur der Konventionen, sondern wohl auch seinem bisherigen Leben entledigen. Victor hält innere Monologe, rebelliert und begeht im Wahn einen Mord. Der Sprachwissenschaftler zerbricht daran, dass er die Sprache seines Lebens nicht zu deuten vermag und letztlich das Glück, das er offenbar sucht, nirgendwo finden kann. Askenasi versucht das Fremde, das ihn quält und zum Wahnsinn treibt, zum Schweigen zu bringen und tötet daraufhin eine ihm völlig fremde Frau.
 
Durch diese absurde Tat gerät er schließlich restlos in den Zustand des Wahnsinns. Ein beklemmender , irritierender Roman, dessen großes Thema die Verzweiflung eines Menschen an sich selbst ist. Der Text wirkt düster und ohne einen Schimmer Hoffnung. Mir erscheint das Buch irgendwie fragmentarisch.
 
Kein Roman für trübe Tage!

Rezension: Die große Geschichte der Zigarre

Die Zigarre wird bei einer Temperatur von 15 bis 20 Grad Celsius aufbewahrt ( maximal 25 Grad).,

Mein geliebter Urgroßvater, der im Haus meiner Eltern wohnte, trank täglich 1/2 Flasche Rotwein und rauchte Zigarren. Er war nie krank. Im Alter von 93 Jahren wachte er eines Morgens nicht mehr auf. Hatte er nur eine stabile Konstitution oder schadeten ihm die Gifte nicht, weil er kein Sucht- sondern vielmehr ein Genussmensch war?

Nach dem Ableben meines Großvaters wurde in meinem Elternhaus nicht mehr geraucht.

Erst viele Jahre später - ich war bereits verheiratet - nahm ich den Geruch von Zigarren in guten Restaurants in Südfrankreich erneut wahr und beobachtete ab und an aufmerksam die Schritte kultivierten Rauchens an Nebentischen, vollzogen von älteren, bewusst in die Welt blickenden Herren. Sofort kam mir mein Urgroßvater in den Sinn. Das hätte ihm gefallen.

Ich warf hin und wieder einen Blick in den " Humidor ", in dem man die edlen Zigarren aufbewahrte, betrachtete die Banderolen und nahm mir vor mich irgendwann genauer über Zigarren zu informieren.

Das vorliegende Buch hat mir - der Nichtraucherin - jetzt endlich die Geschichte der Zigarre näher gebracht. Schade, dass mein Urgroßvater schon Jahrzehnte tot ist, denn mit ihm hätte ich mich gerne über den Inhalt dieses bemerkenswerten Buches unterhalten.
Die Zigarre war im 19. Jahrhundert wesentlich der Herrenwelt vorbehalten und galt als Symbol der Eleganz und des gesellschaftlichen Aufstiegs.

Musiker, Maler und Literaten des Fin de siecle, wie Liszt, Renoir, Gautier, Balzac und Hugo aber auch George Sand waren fasziniert vom Zigarrengenuss. Auch das Bürgertum, angesteckt von den Dandys jener Zeit, begann Zigarren zu rauchen.

Mitte des 19. Jahrhunderts befand sich die Zigarre auf dem Höhepunkt der Beliebtheit. Weshalb dann unerbitterlich der Niedergang der Zigarrenbegeisterung erfolgte wird im Buch ausführlich dargelegt.

Erst in der 30er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden die Kuba-Zigarren neu entdeckt.

Hemingway schätzte Zigarren zu ausgewählten Rumsorten. Später kombinierten Feinschmecker Zigarren mit Weinen. Mehr noch als im Anbau, in der Fermentation und in der Reifung dokumentieren sowohl der Wein als auch die Zigarre bei der Würze des vollendeten Produkts Ihre Ähnlichkeiten und ihre verwandtschaftliche Nähe.

Dass heute berühmte Küchenchefs Zigarren rauchen und ihre Vorzüge rühmen, gar die glühendsten Anhänger der Havanna sind, beweist die These, dass sich mit den Zeiten auch immer der Geschmack verändert.

Man liest von der Entdeckung des Tabaks, der durch die Entdeckung Amerikas erst möglich wurde. Kolumbus und seine Begleiter überraschten die Alte Welt mit diesem Produkt der Indianer, die ihr Kraut " Cohiba " nannten. Heute ist die " Cohiba " eine der berühmtesten kubanischen Zigarren. Die Maya, Inka und Azteken ordneten laut Studien von Ethnologen dem Tabak zunächst eine religiöse und heilende Bedeutung zu. Erst später begannen Stammeshäuptlinge zu besonderen Gelegenheiten zu rauchen. Im Laufe der Jahrhunderte setzten sich verschiedene Arten des Rauchens durch. In Mittel- und Südamerika lernten die Europäer Tabak in einer der heutigen Zigarre ähnlichen Form kennen. Die Indianer rollten den Tabak allerdings in Blätter anderer Pflanzen ein.

In Sevilla wurde 1776 die erste Zigarre hergestellt. Erst nachdem man den Anbau rationalisiert sowie das Trocknen und die Fermentation des Tabaks entdeckt, entwickelt und zur Vollendung gebracht hatte, war man sich imstande Deckblätter ( die äußere Hülle ) herzustellen.

Einige Abenteuerlustige wanderten in jene Länder aus, wo die Pflanze wuchs, um an Ort und Stelle Zigarren herzustellen. Die Stunde der ersten " fabricas ", in Kuba entstanden, hatte begonnen. Man liest von den großen Markenfirmen Kubas, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert gegründet wurden, von den Bauchbinden, einer Idee Gustav Bocks aus dem Jahre 1850 und den Marotten von Bauchbindensammlern, des Weiteren von der Marke " Montechristo " als Hommage an den Grafen Montechristo, den Alexandre Dumas als großen Zigarrenliebhaber dargestellt hat. Ferner erfährt man vom Absinken des Zigarrenverbrauchs bedingt durch den Börsenkrach von 1929 und dem Wiederbeleben des alten Genusses in den 50er Jahren bis zur Machtergreifung Fidel Castros, der die Produktionsmittel verstaatlichte.

Das Programm der Verstaatlichung wurde allerdings hinsichtlich des Tabaks bald gestoppt. Man überließ die Böden den kleinen Bauern zu 90% die Böden, bat den damals bekanntesten Zigarrenhändler, Zino Davidoff um Rat und schaffte es der kubanischen Zigarre neuen Glanz zu verleihen, indem sie wieder ihr höchstes Niveau erreichte. Heute gilt die 1981 entstandene " Cohiba " als die beste Zigarre der Welt.

Man wird ausführlich über die Entstehung von Zigarren aufgeklärt, liest über den Anbau der Pflanzen, die Plantagen, das Pflücken, das Trocknen sowie über die erste Fermentation. Man erfährt wie man in den Fabriken " entrippt" , die Zigarren rollt und auch, dass erfahrene Zigarrenmacher pro Tag mindestens 63 Doppel-Coronas herstellen, die sich alle gleichen, wie ein Ei dem anderen. Man liest abermals über Bauchbinden und Kisten sowie über Garantiesiegel bevor man in die Kunst des Rauchens eingeführt wird.

Beim Zigarrenrauchen ist das oberste Ziel der Genuss. Dazu ist die Wahl der Zigarre entscheidend. Man lernt die Farben der Tabake kennen und erfährt, worauf die Farben schließen lassen. Das Format wird ausführlich thematisiert, soviel nur: Eine Zigarre ist umso milder, je dicker sie ist.

Auch erhält man Kenntnis, von der Wichtigkeit der richtige Aufbewahrung der Zigarren.

Fünf Regeln, die genau erläutert werden, sollten unbedingt beachtet werden.

Die ideale Luftfeuchtigkeit lässt sich nur mit Hilfe eines " Humidors " erreichen. Was das ist und wie dieser funktioniert wird gut erklärt.

Dann werden die Schritte des Rauchens dargelegt, zunächst das Einschneiden, das Anzünden, dann das Rauchen selbst. Inhalieren ist Zigarrenrauchern fast unmöglich. Die Hälfte des Rauches wird durch die Nase wieder ausgeatmet, offenbar entsteht dadurch ein besonderer Genuss, weil man die Empfindung hat, der ganz Kopf schwimme im Rauch.

Die großen Meister der Havanna sind Davidoff, Dunhill und Gerard. Über diese drei Herren und ihr Schaffen erhält man einen Überblick und liest anschließend über Zigarren aus der Dominikanischen Republik und solchen aus anderen Ländern.

Anschließend kommen die edelsten Zigarren auf den Prüfstand. Man liest jeweils über die Marken, deren Format und die Bewertung. Offenbar ist die " Bolivar " , Corona gigante etwas ganz besonderes, denn im Kommentar erfährt man " Wer die Marke kennte, verzichtet kaum mehr auf sie.", " Partagas ", Connaisseurs, wird auch besonders hervorgehoben, freilich auch die " Cohiba " und die " Montechristo " in unterschiedlichen Formaten. Neugierig macht mich die Bauchbinde der " Hoy de Monterrey " Prominentes, die als wunderbare Zigarre bezeichnet wird und eine Bauchbinde haben soll, die man nie vergisst. Was wohl darauf abgebildet sein mag?

Im Anhang findet sich eine Liste der besten Adressen von Zigarrenläden und eine kleines Zigarrenlexikon. Wenn Sie dieses studiert haben, werden Sie u.a. wissen, was man unter den Begriffen " Corona ", " Humidor" , " Puro " aber auch " Semillero " und " Vista" versteht.

Eine Fülle schöner Fotografien illustriert den hochinteressanten Text.

Die Zigarre hat regen Anteil genommen an der abendländischen Kultur. Wer Freude daran findet hin und wieder eine der edelsten Zigarren zu genießen, wird nicht gleich an Kehlkopfkrebs sterben. Wie bei allem kommt es auf die Menge an.

Empfehlenswert!

Rezension: Giftige Beziehungen

Wie die klinische Psychologin Dr. Harriet Braiker gleich zu Beginn ihres Buches festhält, können bestimmte Beziehungen im Leben eines Menschen zu ernsthaften psychischen und physischen Schäden führen.
Braiker analysiert so genannte psychische Gifte, die am Arbeitsplatz, innerhalb der Familie, im Freundeskeis oder innerhalb einer Liebesbeziehung, ein positives Miteinander verhindern und Auslöser für Kopfschmerzen, Magenbeschwerden, Herz- und Kreislaufkrankheiten sowie Krebs sein können.

Die Autorin konstatiert, dass kein Mensch vor diesen Giften gefeit ist. Das toxische Klima wird produziert von narzisstischen Persönlichkeiten, Borderlinern, passiv- aggressiven Menschen und Suchtkranken. Was man unter den hier genannten Persönlichkeitstypen zu verstehen hat, erklärt die Psychologin, für den Leser nachvollziehbar, anhand vieler Beispiele aus ihrer Praxis.

Menschen reagieren im Laufe der Zeit auf Attacken dieser " Giftversprüher " mit Gefühlen , wie Hilflosigkeit, Angst, Feindseligkeit, Frustration, Zynismus, Verlust der Selbstachtung und Hoffnungslosigkeit. Diese negativen Emotionen sind eine Gefahr für das eigene Leben. Deshalb müssen die ausgesendeten Gifte, bevor sie wirken können, neutralisiert werden.

Die Autorin empfiehlt als Korrelativ zu dem sich hieraus entwickelnden Stress Entspannungsübungen, sportliche Betätigung aber vor allem das Lachen. Wobei sie feststellt, dass es durchaus vernünftig ist, sich aus " klinisch toten Beziehungen " zu retten, um auf diese Weise selbst am Leben zu bleiben.

Im Anhang des vorliegenden Buches kann man mittels eines Testes in Erfahrung bringen, wie hoch das toxische Klima ist, indem man lebt.

Ein sehr guter Ratgeber.


Rezension: Hurakami: Gefährliche Geliebte

Was ist die Liebe in ihrer reinsten Form?,

Ich wundere mich eigentlich immer noch, dass ich dieses Buch erst jetzt gelesen habe.

Reich-Ranicki kommentiert: "Ein hocherotischer Roman. Ich habe eine solche Liebesszene seit Jahren nicht mehr gelesen."

Ich auch nicht, lieber Herr Reich-Ranicki.

Die Liebesszene war es allerdings nicht, die mich dazu bewegte, mich intellektuell mit dem Buch zu befassen, sondern mich berührten Murakamis bemerkenswerte Betrachtungen über die reinste Form der Liebe.

Diese scheint- Platon wusste es bereits und ich habe es durch diesen Roman auch irgendwie begriffen -, eine ausschließlich geistig-seelische Angelegenheit zwischen zwei Menschen zu sein. Warum?
Zum Buch: Hajime, ein Einzelkind übrigens, begegnet als Zwölfjähriger der wunderschönen, leicht gehbehinderten Shimamoto, die ebenfalls ein Einzelkind ist. Murakami erwähnt dies nicht ohne Grund mehrmals.

Fast täglich treffen die beiden sich, hören gemeinsam Musik und sprechen über Bücher , die sie beide gelesen haben. Innige Freunde sind sie, sogar mehr als das. Die gegenseitige Anziehung ist spürbar, aber sie zeigt sich nicht in sexueller Handlung.

Als Hajimes Eltern in eine andere Gegend ziehen, sehen sich die beiden jungen Menschen nicht mehr. Beide leiden unendlich an ihrer Sehnsucht zueinander.

Hajime, der Ich-Erzähler, beginnt von seinem sinnentleerten Leben zu berichten, bis zu dem Tag, der erst 24 Jahre später eintreten soll, als er seine zweite Hälfte( um im Bild Platons zu sprechen) wiederfindet und sie in diesem Leben dann doch vielleicht für immer zu verlieren scheint.

Hajime erzählt von seinen facettenreichen Erfahrungen mit Frauen während seiner College-Zeit und immer wieder von seiner nicht enden wollenden Sehnsucht nach Shimamoto.

Irgendwann verliebt er sich in Izumi, vollzieht mit diesem Mädchen seinen ersten Beischlaf , wird ihr untreu, weil er sich sexuell magisch von deren Cousine angezogen fühlt und vögelt mit dieser, wie er schreibt, geradezu bis zur Hirnerweichung.

Das Mädchen, das er betrogen hat, verlässt ihn und wird über den vermeintlichen Verrat nicht hinwegkommen. Sie zerbricht an dem, was geschehen ist. Hajime hat wegen dieser Geschehnisse noch während der Erzählzeit ein schlechtes Gewissen. Im Grunde jedoch hat er dieses Mädchen nicht wirklich betrogen, denn der Akt mit der Cousine war ein emotionsloser, rein mechanischer Lustakt.

Hajime sieht diese Affäre getrennt von seiner gefühlsorientierten Beziehung zu Izumi. Leider ist diese Gegebenheit für Izumi nicht nachvollziehbar, weil ihre Verliebtheit besitzergreifenden Charakter hat.

Nach dem College arbeitet Hajime eine Weile als Lektor in einem Schulbuchverlag, nach wie vor verzehrt er sich nach Shimamoto, die ihm irgendwann zufällig in Tokio begegnet. Er erkennt sie zu spät und wird tragischerweise durch ein merkwürdiges Ereignis daran gehindert ihr nachzueilen.

Nun zwingt Hajime sich seine eigentliche Frau,- seine Dual-Seele, wenn man so will-, zu vergessen. Er lernt Yokiko kennen. Sie ist die Tochter eines Baulöwen und Geschäftemachers aus Tokio. In sie verliebt Hajime sich, heiratet , wird Besitzer einer gut florierenden, exklusiven Jazz-Bar und gründet eine Famile. Endlich scheint er den Zustand seiner inneren Einsamkeit verloren und sich emotional glaubhaft in eine neue Situation eingerichtet zu haben.

Doch da erscheint nach 24 Jahren Shimamoto eines Abends in seiner Bar. Erneut ist er sofort hingerissen und kann nur noch an diese Frau denken.

Shimamoto kommt stets für ein paar Stunden , um mit Hajime zu sprechen, dessen Nähe sie sucht, um sich für eine kurze Weile vollständig zu fühlen. Sie möchte mit ihm nicht über ihr Leben sprechen. Sie möchte sich nur auf das, was sie beide betrifft, beschränken. Sie will ganz mit ihm sein.

Irgendwann verschwindet Shimamoto unangekündigt für sechs Monate aus Hajimes Leben.

Das ist der Zeitpunkt, wo sich sein Sehnen ins Unermessliche steigert und er, wenn er mit seiner durchaus von ihm geliebten Gattin beischläft, in Wahrheit Shimamoto in den Armen hält und nur noch an sie denken kann.

Hajime quält sich. Was mit ihm geschieht, liegt jenseits seines Wollens.

Als Shimamoto nach sechs Monaten erneut in die Bar kommt, entscheiden sich beide eine gemeinsame Nacht miteinander zu verbringen.

Auf der Autofahrt zu dem Haus, wo es zu Reich-Ranickis hochgelobter Liebesszene kommt, denkt Shimamoto daran Hajime ins Lenkrad zu fassen, wohl in der Absicht den Eros zu überwinden, um auf ewig im Tod miteinander vereint zu sein und durch das Einfrieren der Liebe den Zustands des Glücks zu konservieren, der im Alltag mit den Jahren zunichte gemacht werden könnte.

Shimamoto weiß, wenn sie mit Hajime beischläft, will sie ihn ganz und für immer. Um sich den Wechselfällen des Lebens zu entziehen, möchte sie lieber den Tod.

Während der Liebesnacht bemerkt man, dass ihr Begehren ein geradezu tödliches Verlangen nach Ewigkeit in sich trägt.

Hajime ist nach der körperlichen Verschmelzung mit seinem Herzensdu für lange Zeit nicht mehr existent. Er will nicht mehr leben, weil Shimamoto tags darauf plötzlich verschwindet und wie er vermutet sich selbst getötet hat.

Nach einiger Zeit schafft Hajime es in sein Leben zurückzukehren,aber er ist ein anderer als zuvor..........
Besuchen Sie den Friedhof Pere Lachaise/Paris. Dort ruhen Abaelard und Heloise ganz nah beieinander. Auf einer höheren Ebene sehe ich Parallelen zu Hajime und Shimamoto und bin immer noch überrascht welch wunderbares Buch Murakami geschrieben hat.

Sehr lesenswert.




Rezension:Mekong: Der Fluss und seine Menschen von Lam Duc Hien

Am Ende der Welt nimmt der Mekong seinen Anfang.,
Der Mekong ist ein Strom in China und Südostasien. Er ist rund 4500 km lang und entspringt im Hochland von Tibet, durchfließt die südchinesische Provinz Yunnan, bildet die Grenze von Birma und Laos, durchfließt Kambodscha und mündet mit einem über 70 000 Quadratkilometer großen Delta im südlichen Vietnam in das südchinesische Meer.
Der Autor Philippe Franchini und der Fotograf Lam Duc Hien nehmen den Leser mit auf eine Flussfahrt durch Vietnam, Kambodscha, Laos, Yunnan und Tibet und bringen ihm durch hochinformative Texte und eine Fülle eindrucksvoller Fotografien die Landschaften entlang des Mekong und die dort lebenden Menschen nahe.

Der Mekong ist Asiens drittgrößter Fluss. Er entspringt in den Bergen Tibets auf 5000 Metern Höhe. Als Migrationsachse berichtet dieser Fluss eine lange, ereignisreiche Geschichte.

Alle Menschen, die am Mekong leben sind allerdings von einer gemeinsamen kulturellen Basis geprägt: Sie stammen in erster Linie von indischen und chinesischen Zuwanderern ab.

Mit dem Namen, welche Menschen unterschiedlicher Herkunft dem Mekong geben, bekunden sie ihre unterschiedliche Beziehung zum Fluss. Darüber berichtet der Autor ausführlich.

Man liest in der Folge von der Flussfahrt in Vietnam und dort zunächst von Saigon nach Can Tho. Thematisiert werden Dschunken, Fähren und schwimmende Märkte. Saigon war einst eine Kolonialstadt, die durch ihren Hafen eine große Strahlkraft besaß. Sie war in erster Linie von Europäern bewohnt, daneben gab es allerdings auch chinesische, indische und malaiische Enklaven. Die meisten Vietnamesen bewohnten die Randbezirke.

Man liest von dem Delta und den neun Mündungen des Flusses, von dem Fischgehege an der Mekong-Mündung und man wird über die 7000 Vegetationsarten im Delta aufgeklärt, an deren Spitze der Reis und der Bambus stehen.

Thematisiert wir das vietnamesische Dorf zwischen Tradition und Moderne. Die vietnamesische Gesellschaft basiert auf Familie und dörflicher Solidarität. Offensichtlich hat diese Kultur der Verstädterung widerstanden.

Die Halbinsel Ca Mau wird vorgestellt und der Süden Vietnams, der die Region vieler unterschiedlicher Völker ist. Beeindruckend sind die Bilder der Menschen dort, wie überhaupt die vielen Portäts von Menschen in diesem Buch sehr fazinierend sind.

Kambodscha und das wohltätige Wirken des Wassers in diesem Land kommen zur Sprache. Die Wasserfülle zu Hochwasserzeiten sorgt für die Fruchtbarkeit der Böden in den Uferzonen, weil sich auf den überfluteten Gebieten Schlamm ablagert.

Man liest über die monumentale Tempelstadt Ankor Wat, die im 12. Jahrhundert erbaut wurde und die man zunächst Vishnu, dann aber Buddha weihte und erhält historische Informationen zum Ankorreich.

Zur Sprache kommt die Roten-Kmer-Hölle, Zigtausende von Konterevolutionären wurden im Internierungslager von Tuol Sieng vor ihrer Hinrichtung verhört und gefoltert. Nach dem Sturz des Schreckensregimes fand man nur noch sieben Überlebende.

Das harte Leben der Schröpfer in den Kautschukplantagen Kambodschas wird nicht vergessen aufzuzeigen, bevor man das Meer von Laos und die " Viertausend Inseln " kennenlernt. Bei Si Phan in der Provinz Champassak an der Grenze zwischen Laos und Kambodscha ist das Wasser des Mekong zu Hochwasserzeiten Furcht einflößend.

Man lernt die Hauptstadt von Laos, Vientiane näher kennen. Sie wurde in der einzigen Region erbaut, in der eine dichte Besiedlung überhaupt möglich ist. Diese Stadt dehnt sich längs des Mekong aus. Des weiteren lernt man Luang Prabang, die Stadt der goldenen Buddhas kennen und wird mit eine Fülle wundervoller Fotos konfrontiert u.a. sieht man auf einer Doppelseite buddhistische Mönche bei ihrem Sonntagsspaziergang zum Tad-Khung-Xi-Wasserfall. Sehr beeindruckend.

Dem goldenen Dreieck am Oberlauf des Mekong und den dortigen Opiumberge wird ein Kapitel gewidmet. Auf einem wiederum doppelseitigen Foto sieht man eine Schamanin und ihre Novizin Opium rauchen, vermutlich aus rituellen Motiven.

Im letzten Kapitel wird der Mekong in Yunnan und Tibet beleuchtet. Man lernt die Terrassenfelder in Yunnan kennen. Dort wird Reis angebaut. Anschließend darf man sich eines interessanten Berichtes über Tibet, vor allem aber zauberhafter Bilder erfreuen. Diese Bilder erscheinen wirklich wie von einer anderen Welt. Dort irgendwo befindet sich die Quelle des Mekong. Der Sauerstoff in diesen Höhenlagen ist knapp und die Farben der Gebirgslandschaft beschränken sich auf das Weiß der schneebedeckten Berge und das Grau der Felsen, indessen der Himmel von Nebelschleiern durchzogen ist. Hier am Ende der Welt nimmt der Mekong seinen Anfang...

Ein tolles Buch.








Rezension: Das Handwerk der Freiheit- Peter Bieri

Wann ist ein Mensch wirklich frei in seinen Entscheidungen?,


Der Philosoph Peter Bieri macht im vorliegenden Buch deutlich, dass der Mensch unter bestimmten Voraussetzungen durchaus die Möglichkeit hat frei zu entscheiden und frei zu agieren. Diese Voraussetzungen beleuchtet er in der Folge sehr detailliert.

Damit wendet sich der Autor gegen diejenigen, die behaupten, der Mensch sei grundsätzlich determiniert und insofern per se unfrei.

Seine Betrachtungen implizieren neben philosophischen, psychologische, soziologische und juristische Denkansätze. Neurobiologische Erkenntnisse lässt er textlich weitgehend außen vor.

Seine relativ breit angelegte Sicht ermöglicht Bieri den Freiheitsbegriff aus verstaubten, einseitig orientierten Fakultätsecken hervorzerren. Auf diese Weise versucht er offensichtlich dem ziemlich abgenutzten Begriff neuen Glanz zu verleihen. Ob es ihm gelingt, möge jeder Leser selbst beurteilen.

Der Autor erklärt, dass ein Wunsch sich stets zum Willen verdichten muss, um sich in Bewegung zu setzen und Handlungen hervorzubringen. Damit sich ein Wunsch zu einem Willen verdichten kann, muss der Inhaber eines Wunsches zwischen widerstreitenden Wünschen entscheiden können. Es muss also Wahlfreiheit gegeben sein.

Je leidenschaftlicher dieser Wunsch dann vorhanden ist, desto intensiver ist der verdichtete Wille.

Bieri verdeutlicht, weshalb derjenige , der über mehr Vorstellungskraft verfügt, die größere Chance hat freie Entscheidungen hervorzubringen.

Wenn Können und Wollen allerdings langfristig auseinanderklaffen, kann aus dem Wollen letztlich keine geglückte Handlung entstehen.

Im Übrigen geht Bieri bei seinen Betrachtungen hinsichtlich des Umsetzens von Willen auch auf den Begriff des Unterlassens ein. Dieser ist ähnlich wie die Handlung vom Wollen an sich abhängig.

Wer frei entscheiden möchte, muss in der Lage sein Abstand zu sich selbst zu entwickeln ,( das ist ganz wichtig!!!) und sich und sein Handeln stets neu überdenken. Er muss die Spielräume des Handelns ausloten und sich darüber klar werden, dass Wankelmut und Unentschlossenheit den Weg zur Freiheit verbauen können.

Durch Zwänge eingeschränkte Personen können, solange sie sich nicht mit ihren Zwängen auseinandersetzen, auf keinen Fall den Zustand der Freiheit erreichen. Auch so genannte Getriebene und Mitläufer schaffen es nicht frei zu sein, wenn sie keine kritische Distanz zu ihrem Wollen aufbauen und sich darüber nicht bewusst werden, ob ihr Wollen aufgrund eines persönlichen Wunsches entstanden ist oder aber aufgrund des Wunsches eines anderen.

Ein Wille , der das Ergebnis innerer Zwänge ist, ist unkontrollierter Wille, weil der Zwanghafte keine Distanz zu sich selbst aufbauen kann.

Desweiteren klärt Bieri darüber auf, weshalb sich Freiheit und Unfreiheit des Willens in der Art und Weise spiegeln, wie man Zeit erlebt. So haben Hörige, auch Hypnotisierte, die sich aus der Hörigkeit befreit haben oder aus der Hypnose erwacht sind, nicht selten hinterher das Gefühl man habe ihnen Zeit gestohlen.

Bei dem Zeitphänomen geht es letztlich darum in den Bann fremder Zeit zu geraten. Ein zwanghafter Wille , so der Philosoph, schiebt sich beispielweise wie eine unsichtbare Wand zwischen den Wollenden und seine Gegenwart.

Fest steht für Bieri, dass es keinen unbedingt freien Willen gibt, weil kein Wille losgelöst sein kann von ursächlichen Zusammenhängen, wie etwa dem Körper, dem Charakter, den Empfindungen, Erinnerungen und Gedanken etc.

Ein Wille ist immer ein bestimmter Wille und er ist jemandes Willen.

Die Bestimmtheit des Willens verlangt nach seiner Bedingtheit.

Verantwortung kann nur derjenige für sein Handeln übernehmen, der frei gehandelt hat. Das wissen auch die Juristen.

Der Handelnde muss die Freiheit haben einen rechtlichen und moralischen Fehler zu begehen. Hat er diese nicht, muss seine Verantwortlichkeit überprüft werden.

Bieri konstatiert, dass es vor allem Lebenskrisen sind , die zu einer genaueren und tieferen Artikulation unseres Willens zwingen. Nicht selten nämlich besteht die Krise darin, dass der bisherige Wille nicht mehr trägt, jedoch ein neuer Wille noch nicht erkennbar ist, der ihn ablösen könnte. Damit man einen neuen Willen ermitteln kann, muss man sich mehr Klarheit über seine Wünsche verschaffen als man sie bislang hatte. Man muss herausfinden, was man langfristig wünscht. Eine Lebenskrise veranlasst demnach dazu an der Freiheit unseres Willens zu arbeiten.
Freiheit des Willens ist nichts Statisches. Willensfreiheit muss immer wieder neu hervorgebracht werden und setzt voraus , dass man seine Wünsche, sein konkretes Wollen und seine Entscheidungen immer wieder neu überdenkt und zwar ganz konkret mit der nötigen Distanz zu sich und seinem Umfeld.


Wer ein freier Mensch sein möchte, muss notwendiger Weise eine mündige Person sein. Das bedingt zunächst einmal, dass man geistig und seelisch gesund ist und ein Selbstbild von sich entwickelt hat, das freiem Handeln nicht zuwider läuft. Natürlich muss man reflektiert und analytisch in seinen Betrachtungen sein und Manipulationsversuche durch Dritte zu durchschauen lernen.

Voraussetzung dafür ist, dass der Einzelne an sich arbeitet. Es genügt nicht, dass man sich bloß bemüht sich und seine Umwelt zu erkennen, sondern man muss in diesen Bemühungen auch erfolgreich sein, ohne dabei zwanghaftes Verhalten herauf zu beschwören.
Mögen in der Zukunft viele solcher Menschen auf Erden wandeln. Das Paradies wird uns sicher sein!

Ein interessantes Buch , das sogar literarische Höhenflüge nicht vermissen lässt; ein Buch, dessen Titel bereits verdeutlicht, dass Freiheit nicht vom Himmel fällt, sondern ein Handwerk ist, das, wie jedes Handwerk türlich erlernt werden kann!

Hoffentlich hat Bieri mit seiner Annahme recht. Die Ergebnisse können nur erfreulich sein!


Empfehlenswert! 




Rezension: Nachtzug nach Lissabon -Pascal Mercier

Der traurige Klang des Fados!,

Der eigenbrötlerische, in die Jahre gekommene Schweizer Altphilologe Gregorius gelangt durch einen Zufall an einen Text des portugiesischen Poeten Amadeu de Prado. Er fühlt sich von dessen Worten so sehr in den Bann gezogen, dass er - ganz gegen sein Naturell - spontan aus seinem bisherigen Leben ausbricht und Hals über Kopf nach Lissabon reist. Dort angekommen, geht er den Spuren dieses Poeten nach. De Prado , einst Arzt und Widerstandskämpfer während der Diktatur Salazars, ist schon seit Jahrzehnten tot. Gregorius lernt allerdings noch lebende Freunde und nahe Verwandte dieses Mannes kennen und gelangt so an Briefe und Texte, die dessen facettenreiche Identität verdeutlichen. De Prado hat das Elend und den Schmerz, hat vor allem auch nachhaltig Gewissenskonflikte kennen gelernt. Er ist sich sicher, dass er das Schöne und Erhabene als Gegenpol für das Gewöhnliche in dieser Welt benötigt. In seinen zahlreichen philosophischen Betrachtungen fragt er sich immer wieder, was bleibt, wenn man auf sich selbst zurückgeworfen wird und er kommt zu dem Ergebnis, dass es wohl die Poesie des eigenen Lebens ist. Ob diese allerdings stark genug ist, den Menschen zu tragen, weiß de Prado nicht. Er reflektiert weiter.....

Die philosophischen und psychologischen Sinnfragen des nachdenklichen Arztes sind nicht zuletzt auch die Fragen mit denen sich Gregorius beschäftigt und so beginnen deren Ideen und Identitäten allmählich zu verschwimmen und sich aufzulösen, während man in der Ferne den traurigen Klang eines längst verhallten Fados zu hören glaubt.

Ein sehr nachdenklicher Roman, der die Vielschichtigkeit der Realitäten intensiv beleuchtet und dabei Platons Höhlengleichnis nie aus den Augen verliert.

Zu recht hochgelobt!





Rezension: Das Freundlichkeitsprinzip: Wie Sie jeden für sich gewinnen

"Ein mangelndes Herzbewusstsein beeinträchtigt nicht nur Ihr persönliches Leben.,
Es begrenzt zweifellos auch Ihren beruflichen Erfolg, vor allem , wenn Sie regelmäßig im Verkaufs- oder Dienstleistungsbereich zu tun haben oder häufig in einem Team arbeiten." ( John Selby)

John Selby, Doktor der Philosophie, Psychologe und Bewusstseinsforscher, studierte an der ehrwürdigen Universität in Princeton.

Er macht deutlich, dass es kontraproduktiv ist Menschen manipulieren zu wollen, sowohl geschäftlich als auch privat. Stattdessen ist es sinnvoll freundlich und ehrlich auf Dritte zuzugehen, denn nur so kann man Raum für Freundschaft schaffen.

Das Gegenüber spürt, was man wirklich empfindet, auch wenn man es nicht sagt. Das ist mittlerweile wissenschaftlich nachgewiesen worden, wie er den Leser wissen lässt. Dabei verweist Selby auf die entsprechenden Quellen, die man im Internet dann nachlesen kann.

Die so genannte Princeton- Studie, um diese geht es , belegt, dass der menschliche Geist dazu imstande ist, eine bestimmte Vorstellung, einen Gedanken oder ein Bild an eine Zielperson zu senden und dass diese Personen die Information empfangen und darauf reagieren. Wohl gemerkt es geht hier nicht um New - Age Hokuspokus.

Wenn man also möchte, dass zwischenmenschliche Beziehungen jedweder Art gelingen sollen, empfiehlt der Psychologe das so genannte " Freundlichkeitsprinzip ", welches er ausführlich erklärt. Empathie ist erlernbar, so sein Credo.

In Betrieben, in welchen die Mitarbeiter depressiv sind, stagnieren die Geschäfte, da die Kunden bei negativer Atmosphäre wegbleiben und zwar selbst dann, wenn das Produkt und der Preis o .k . sind. Es gilt also solche Mitarbeiter aufzubauen und ihnen zu helfen Herz und Geist in Einklang zu bringen. Faire und ehrliche Methoden des Umgangs erzeugen bei Mitarbeitern, bei Kunden aber auch in allen anderen zwischenmenschlichen Beziehungen gute Gefühle und wirken sich weitaus effizienter aus als sämtliche Manipulationsversuche und Unlauterkeiten.

Selby zeigt wie man übelgelaunten Menschen begegnen möge und wie man auf positive Weise mit deren Negativität umzugehen lernt.

Essentiell von Bedeutung ist es sich vollkommen auf das Jetzt zu konzentrieren und das Gegenüber fühlen zu lassen, dass man sich wirklich im Gespräch voll auf es einlässt.

Empathie ist die Befähigung andere Menschen zu verstehen, wahrzunehmen, sich in sie hineinzuversetzen und ihre Gefühle, Gedanken und Erlebnisse nachzuempfinden. Empathie ist eine Handlung, keine Vorstellung, bei welcher man die Präsenz und Gefühle eines anderen Menschen im eigenen emotionalen System erlebt.

Anstelle sich bei einer Begegnung mit einem anderen Menschen zu stark auf die eigenen Gefühle und Gedanken zu fixieren, macht es Sinn die Aufmerksamkeit auf die Präsenz des Gegenübers zu verlagern.

Selby nennt vier Empathie-Variablen und erläutert, weshalb man erlernen sollte diese unbedingt zu beherzigen.

Er fasst zusammen: " Konzentrieren Sie sich auf den gegenwärtigen Moment. Konzentrieren Sie sich auf Ihr Herz. Konzentrieren Sie sich darauf, sich gut zu fühlen. Konzentrieren Sie sich auf Ihre positive Absicht."

Wer mit seinen Mitmenschen Kontakt aufnimmt, sollte sich stets folgenden Satz vergegenwärtigen: " Ich bin bereit, freundlich und gut gelaunt zu sein, dem anderen zuzuhören, ohne ihn zu manipulieren, und ihm dabei zu helfen, seine Bedürfnisse zu erfüllen."

Der Psychologe lehrt umzuschalten und zeigt welche Sätze, täglich bewusst formuliert und ernsthaft umgesetzt, den Empathieprozess vorantreiben.

" Ich entscheide mich dafür, meine negativen Gefühle loslassen und mich darauf auszurichten mich gut zu fühlen " ist einer der Sätze, die den Empathieakku aufladen.

Wenn man sich Selbys Text wirklich verdeutlicht, wird klar, dass es töricht ist, sich auf negative Gedanken zu fixieren, andere pausenlos beurteilen zu wollen und emotionale Beziehungen aufgrund des eigenen Vorteilsdenkens abzublocken.

Man lasse seine Sorgen los, akzeptiere andere Menschen, ohne sie zu beurteilen, höre damit auf sich selbst zu sabotieren und sei für andere offen.

Wichtig ist sich seine Atmung bewusst zu machen, sich zu spüren, bevor man auf einen anderen zugeht. Wichtig ist seine Gedanken nicht in der Vergangenheit oder einer ohnehin ungewissen Zukunft zu verlieren.

Es geht bei der Begegnung mit einem anderen Menschen nicht bloß darum diesem zuzuhören und in seine Richtung zu schauen, sondern auf einer subtilen Ebene auch die Ausstrahlung seines Herzens und seines Geistes, die physisch von seinem Körper ausgesendet wird, wahrzunehmen.

Die elektromagnetische Ausstrahlung von der Herzgegend eines Menschen lässt sich übrigens mittlerweile mit wissenschaftlichen Instrumenten messen.

Gefühle der Verbundenheit lassen sich maximieren durch : Bewusstsein, Empfänglichkeit und Vertrauen, sowohl in sich selbst als auch in das Gegenüber.

Selby hat ein hervorragendes Programm entwickelt, wie man herzliche, zwischenmenschliche Kontakte aufbauen kann.

Er macht überzeugend klar, dass Menschen, die im Leben ernsthaft positive Absichten verfolgen und sich diesbezüglich wirklich bemühen, letztlich das zufriedenere und erfolgreichere Leben führen.
Sehr empfehlenswert !








Rezension: Die Massenpsychologie des Faschismus von Wilhelm Reich

Analyse der autoriären Familienstruktur in der Massenpsychologie des Faschismus,,

Das Wort Masse hat alles andere als einen guten Klang. Man verbindet damit die Vorstellung von etwas Primitivem, Rohem und Gewalttätigen, etwas das man fernhalten möchte. In der abschätzigen Meinung über die Masse steckt eine umfangreiche Erfahrung, denn wo Menschen Massen bilden, ereignet sich selten etwas Erfreuliches, dafür scheinen jedoch Kritikfähigkeit, Verantwortungsgefühl und der Sinn für das Maß weitgehend suspendiert. Freud vergleicht die Masse mit einer "Unhorde", Jung präzisiert genauer:"Eine große Gesellschaft, aus lauter vortrefflichen Menschen zusammengesetzt, gleicht an Moralität und Intelligenz einem großen, dummen und gewalttätigen Tier" und Kurt Tucholsky beginnt eines seiner Gedichte mit folgenden Worten:"O hochverehrtes Publikum, sag mal: bist du wirklich so dumm.?"

Das Umgekehrte jedoch gilt nicht. Man kann keineswegs sagen, dass die einzelnen Menschen, die eine Masse bilden, für sich betrachtet roh, dumm und primitiv sein müssten. Sie scheinen es offenbar erst dann zu werden, wenn sie in die Masse hineinstrudeln. Die grundsätzliche Fähigkeit, Masse zu werden, kann man praktisch unterstellen.


Die Enstehung einer Masse ist stets gebunden an eine besondere geschichtliche Situation. Es gibt geschichtliche Merkmale, die sehr suggestiv wirken und eine große praktische Bedeutung erlangen. Sie treten zutage als Ideen oder Ideale oder Leitmotive der Masse. Sie schaffen das magische Kraftfeld, obschon die Zeitsignaturen weder die obersten noch die hervorstechensten Merkmale der Epoche zu sein brauchen. Allerdings entstehen durch die Zeitsignaturen jene Gebilde, die sich im Bewusstsein einer Epoche ausweiten und zu säkulären Anliegen zu werden drohen. Am eindrucksvollsten kann man das an der Entstehung inhumaner Gesellschaftsysteme verfolgen, so wie der Psychanalytiker Wilhelm Reich es tat.


Wie konnte man in Deutschland glauben, ein Volksgemeinschaft zu verwirklichen durch ein Herrschaftssystem, das das Recht, das Fundament jeder Gemeinschaft mit Füßen zu trat und sich unterfing jenes Volk auszurotten, das die stärkste Gemeinsschaft war und ist, die es je als Volk gegeben hat, die Juden?


Reich analysiert die autoriäre Familienstruktur in der Massenpsychologie des Faschismus, fokussiert dabei die Massenpsychologie des Kleinbürgertums, die Familienbindung und nationalistisches Empfinden, aber auch das nationalistische Selbstgefühl, bei dem der Führer immer recht hat und die Masse ihm auch dort

folgt, wo er faktisch Unrecht hat oder Unrecht tut. Reich verdeutlicht den Zusammenhang zwischen autoritärer Triebunterdrückung und faschistischer Ideologie, nachdem er sich nachhaltig mit Rassentheorie und der Symbolik des Hakenkreuzes auseinandergesetzt hat und erklärt wie sich ganz allmählich die Sexualängste in mystisches Denken verschoben haben, das durch vier Phasen gekennzeichnet ist, die Reich sehr gut erklärt und die letztlich in eine Abhängigkeit führen, die schließlich im bedingungslosen Gehorsam gegenüber dem Führer dokumentiert wird.

Ein Lesemuss für alle, die sich mit Massenpsychologie intellektuell befassen.











Produktbesprechung: Poster- Café, Montepulciano von Alan Blaustein, 41x51

Zeit für ein Glas "Vino Nobile de Montepulciano". :-))

Vermutlich hat Blaustein dieses Café in Montepulciano sehr früh an einem Sonntagmorgen - irgendwann im Spätherbst - aufgesucht, um dieses Foto zu schießen. Noch ist kein Gast da, der hier seinen Espresso genießen möchte, noch schläft die Stadt, noch möchte keiner die Zeitung lesen oder gar mit seinem Nachbarn plaudern.

Im November steht das mächtige Rathaus, das man im Sommer durch die Fensterscheiben erblicken kann, wie eine mächtige Kulisse in Nebelschwaden. Sienesisch ländliche Gotik und florentinisch städtische Renaissance prägen das Stadtbild gleichermaßen: Montepulciano, schon in frühester Zeit eine stolze bedeutende Stadt und Sitz des legendären Etruskerkönigs Porsenna, wurden von beiden Städten gleichermaßen begehrt und beeinflusst. Schon 1390 trug Florenz den Sieg davon, so stammen die schönsten Gebäude von Florentiner Baumeistern und geben dem Ort eine lässige Eleganz, wie die einheimischen Cafébesucher natürlich wissen.

Besucht man mit einem guten Freund dieses Café am späten Sonntagvormittag, sollte man ein Glas " Vino Nobile de Montipulciano" trinken. Dieser Wein war schon im 14. Jahrhundert bekannt und wird von dem Arzt und Schriftsteller Francesco Redi in seinem berühmten "Bacco de Toscana" als den König aller Weine gepriesen. Ins Gespäch über die delikaten Nuancen des Weins vertieft, vergisst man sehr schnell die Nebelschwaden im Freien, erfreut sich des schönen Innenraums, den Blaustein auf diesem Poster verewigt hat und ist überhaupt nicht verwundert, dass in diesem Café mittlerweile kein Platz mehr zu finden ist.......










Rezension: Jan Vermeer - Art Documentary -DVD ~ Michael Gill

Lichtreiche Innenraumdarstellungen sind typisch für Vermeer.,

Die DVD-Dokumentation befasst sich mit dem Leben und den Gemälden des holländischen Malers Jan Vermeer (1632-1675), der zu den bedeutendsten Vertretern der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts zählte. Wie im Film verdeutlicht wird, prägte er mit seinen schlicht verhaltenden, präzise beobachteten Genrebildern die Vorstellung der bürgerlich häuslichen Kultur des seit 1581 von der spanischen Herrschaft befreiten Nordteils des Landes am entscheidendsten. Der Protestant Vermeer konvertierte zum katholischen Glauben, was damals in Holland sehr ungewöhnlich war und zwar seine Frau zuliebe.


Vermeers Werk umfasst nur insgesamt 35 Bilder. Die Klarheit in den Kompositionen entspricht der subtilen Farbgebung, über die in der Dokumentation ausführlich gesprochen wird. Durch Verwendung großer Farbintervalle wird eine außergewöhnlich Lichtwirkung erzielt.

Erklärt werden in der Dokumentation u.a. folgende Werke:"Christus bei Martha und Maria", "Das schlafende Mädchen", "Bei der Kupplerin" , "Briefelesendes Mädchen am offenen Fenster", "Die Spitzenklöpplerin", "Das Mädchen mit der Perle", "Der Astronom", " Der Geograf" aber auch die "Ansicht von Delft", in der die Lichtreflexe mit dem Morgenhimmel korrespondieren. Ohne den weitgespannten Horizont zu bemühen, wird die große Raumwirkung durch den erhöhten Blick über das Wasser hinweg erreicht.


Sehr ausführlich erklärt wird Vermeers "Allegorie der Malerei". Über einen zurückgeschlagenen prächtigen Brokatvorhang fällt der Blick in das lichterfüllte Atelier eines Malers, der in einem historischen Festgewand mit dem Rücken zum Betrachter an der Staffel sitzt, um das Modell zu malen, das als Klio, Muse der Geschichte, posiert. Der Reiz des Werkes liegt im Visuellen, in der subtilen, von Blau, Gelb und Weiß getragenen Farbgebung und Lichtführung.


Interessant sind die Ausführungen zur Camera Obscura und anderen optischen Geräten im Rahmen der Dokumentation. Dieser Arbeitsgeräte bedienten sich viele Maler jener Tage, möglicherweise auch Vermeer, was den Wert seiner Werke allerdings nicht mindert.


Gelungen ist es aufzuzeigen, dass im sinnlich-ästhetischen Erlebnis von Vermeers Bildern der Gehalt abstrakter Zusammenhänge wahrnehmbar wird, der sich im barocken Zeitalter ansonsten nur im Rahmen der intelligibel verschlüsselten Allegorie mitteilte. Empfehlenswert.









Rezension: Männer verstehen in 60 Minuten von Jonathan Byron

" Einen Mann lernt man kennen im Spiel, auf der Jagd und in der Liebe". ( Sprichwort),

Angela Troni beschreibt in diesem amüsanten Büchlein Männertypen und weist auf Verhaltensmuster hin, die man im Umgang mit diesen tunlichst unterlassen sollte, sofern man Konflikte mit ihnen vermeiden möchte.

Die Autorin macht unmissverständlich klar, dass Männer anders denken und handeln als Frauen und zeigt dies an vielen Beispielen.

Die gängigsten Männertypen sind der Geck, der Macho, der Frauenversteher, der Obercoole, der Witzbold, der Weinkenner, der Hypochonder, der harten Hund, der Supermann, der Aufreißer, das Sport-As , der Schweiger und Mr. Tausendprozent.

Nicht unerwähnt lässt Troni , dass es natürlich noch eine Vielzahl anderer Männertypen gibt, so etwa den Scharlatan, den Schwätzer, das Muttersöhnchen, den Ehrgeizling, den Verklemmten, den Unterdrücker, den Herdentriebgesteuerten etc.

Allen Männern gemeinsam (Ausnahmen bestätigen die Regel- :)), ist, dass sie in erster Linie auf der Sachebene kommunizieren, während Frauen gerne durch die Blume und von daher auf der Gefühlsebene sich gedanklich austauschen. Männer wollen nicht zwischen den Zeilen lesen und noch weniger Metamitteilungen interpretieren.

Die Autorin weiß, dass sich Männer in der Regel ungern etwas von der Seele reden und im Übrigen mit hypothetischen Fragen, wie Frauen sie gerne stellen, überfordert sind.

Wer als Frau ein angenehmes Klima zu Männern schätzt, ist gut beraten einige Grundsätzlichkeiten zu überdenken, was keineswegs bedeutet, dass Sie, liebe Leserinnen, sich verstellen sollen.

Man sollte sich klarmachen, dass Männer nicht gerne ihre Gefühle ergründen oder gar ihre Ängste betrachten. Zwar sind Männer extrem sensibel, vor allem hinsichtlich ihrer eigenen Befindlichkeit, aber sie möchten darüber nicht sprechen, denn sie verabscheuen Mitleid.

Umerziehungsversuche führen zu nichts außer Ärger.

Im privaten Bereich bergen sämtliche Situationen, in denen eine Frau einem Mann überlegen ist, hohes Konfliktpotential. Auf beruflicher Ebene haben sich Männer, so die Autorin, mittlerweile daran gewöhnt mit Frauen zu konkurrieren. Privat fühlen sie sich schnell minderwertig und entwickeln das Gefühl nicht gebraucht zu werden. Daraus gilt es Konsequenzen zu ziehen, damit der Haussegen nicht in Schieflage gerät.

Männer neigen selten dazu an ihrer Frau herumzunörgeln, weil sie ihre Wahl durch ein solches Verhalten nach ihrer Logik in Frage stellen würden. Deshalb sind sie auch ein wenig toleranter in ihren Partnerschaften. Frauen sollten analog handeln, das würde ihnen eine Menge Stress ersparen.

Männer scheinen mehr Rückzugsräume als Frauen zu brauchen. Man sollte sie ihnen großzügig einräumen, niemals versuchen einen Mann zu kontrollieren, ihn an die kurze Leine zu nehmen oder über seinen Tagesablauf bestimmen. Solches Tun führt zu viel Verdruss.

Ich will nicht zu viel aus dem Buch berichten. Soviel nur, Tronis Betrachtungen decken sich mit meiner Lebenserfahrung.

Ein interessantes Büchlein, besonders für junge Frauen. Natürlich werden auch ältere Mädels vielleicht noch das ein oder andere Aha-Erlebnis bei der Lektüre kriegen.

" Alles verstehen heißt alles verzeihen ", sagte einst Madame de Stael. Dieses Buch hilft Ihnen das Anderssein von Männern zu verstehen und lässt Sie nachsichtiger mit den Jungs umgehen.