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Rezension: Reinhold Messner -Westwand

Der Extremkletterer und Abenteuerer Reinhold Messner schreibt in diesem Buch von seinen Erfolgen und Niederlagen als Grenzgänger. Ich habe das Buch schon eine Weile bei mir hier liegen gehabt und es erst in der Folge des Films, [[ASIN:B002OLC632 Nordwand]] der mich sehr faszinierte, neugierig gelesen.

Mich interessierte bei der Lektüre primär Messners Philosophie und sekundär die konkreten Erfahrungen am jeweiligen Berg. Messner weiß, dass stets dann, wenn das scheinbar Unmögliche Realität wird, ein aufregender Bewusstseinsprozess stattfindet und insofern beim Höhersteigen diese Selbsterfahrung von höchster Intensität ist.

Man liest, wie er die Struktur der Wand nutzt, nicht allzusehr auf die Technik vertraut und stattdessen viel mehr auf seinen Instikt setzt, weil ihm nur zu klar ist, dass alles andere in kritischen Momenten zu schnell versagt. Ängste lassen sich leichter ertragen, wenn man in die Gefahr blickt und es ist offensichtlich so, dass beim Weitersteigen sich die Sorgen verflüchtigen.

Der Bergsteiger vermutet, dass Klettern vermutlich deshalb eine archaische Erfahrung ist, weil man sich auf das intensivste mit dem auseiandersetzt, womit sich die Menschen seit Urzeiten jeden Tag aufs Neue beschäftigen mussten: mit dem bloßen Überleben.
Der Autor hält fest, dass die Entwicklung der Kletterkunst sich heute vor allem im mentalen Bereich vollzieht und Verbesserungen bei körperlicher Fitness und Ausrüstung zweitrangig bleiben.Weshalb das so ist erklärt Messmer ausführlich.

Für ihn ist die Kameradschaft als aufgesetzter moralischer Wert nichts wert. Seine Erfahrungen mit seinen Seilschaftkameraden waren nicht immer erfreulich. Deshalb klettert er heute nur noch mit Partnern, die er mag und die er als Persönlichkeit respektiert.

Messner unterstreicht: "Die wichtigste Vorraussetzung für "Abenteuer-Klettern" ist das Prinzip Abgrund. Dem folgt das Prinzip Verantwortung". Weiter hält er fest, dass es ohne Mut zur Exposition kein Abenteuer gibt. Bergsteigen ist für ihn ein produktiver Zustand. Kälte, Müdigkeit und Durst regen ihn an, denn wer Durst hat, weiß, wie köstlich Wasser schmeckt; der Müde genießt noch das bescheidenste Lager, und das Feuer ist dem Frierenden heilig. Von daher, so Messner, sind es gerade solche Erfahrungen, die zufrieden machen.

Bergsteigen ist für Messner die Grundlage für den Umgang mit sich selbst und mit anderen. Er weiß, dass leidenschaftslose Menschen die Bereitschaft zur Selbstverschwendung nicht nachvollziehen können. Diese Bereitschaft, in extremer Exposition Schwierigkeiten und Gefahren zu begegnen, bedeutet für ihn die Rückkehr zur Lebenskunst und den Gewinn von Selbstmächtigkeit

Messmer resümmiert: " Wo alle Lebensprobleme gelöst sind, ist Lebenskunst nicht gefragt. Es ist schließlich die Begrenztheit des Menschen, ja seines Lebens, die Grenzgänger aller Zeiten  das Möglichkeitsfeld nach zeitgemäßen Herausforderungen abtasten lässt. "( Zitat: Seite 235)

Ungemein spannend ist es von Messmers konkreten Erfahrungen  am Abgrund zu lesen: 1964 bereits an der König-Nordwand,  1967 an der Gran-Vernel-Südwand und später immer wieder am Ortler, der Santnerspitze 2007  etc. etc. Die Fotos im Buch  sind sehr aufschlussreich und  verdeutlichen den Mut dieses Mannes, der  vor dem Abgrund   niemals  zurückschreckte. Messmer hat 31 Achtausender-Expeditionen überlebt und ein paar Tausend Klettertouren ohne ernsten Sturz hinter sich gebracht. Ein Mann , der auf seine Lebensleistung berechtigt stolz sein kann. 

Ein beeindruckendes Buch.





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