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Rezension: Spielregeln einer neuen Beziehungskontrolle

Die Mauer des Narzissmus ist härter als Beton ( Maaz),

Der Psychiater und Psychoanalytiker Hans Joachim Maaz wirbt in vorliegenden Buch für eine neue Beziehungskultur. Er möchte dazu beitragen, dass gegenwärtige Realbeziehungen von Übertragungsbeziehungen differenziert werden.

In Übertragungsbeziehungen werden fatalerweise unbewusst die früh erfahrenen traumatischen und defizitären Beziehungsmuster mit den ersten Bezugspersonen( in der Regel Mutter und Vater) wiederholt.

Die Reinszenierungen dienen in erster Linie dazu , die frühe Wahrheit zu leugnen, zeitgleich werden sie mit der unbewussten Hoffnung auf " Erlösung" befrachtet. Wenn man heute das Gleiche, wie damals erfährt, vermeidet man jede Veränderung und Verbesserung der Beziehungserfahrung. Das frühe Elend, so Maaz , wird nicht spürbar, weil man mit dem realen gegenwärtigen Elend zu tun hat.

Störungen in der Kindheit können entstehen durch Mutterbedrohung, Muttermangel oder Muttervergiftung, aber auch durch Vaterterror, Vaterflucht und Vatermissbrauch. Welche Verhaltensmuster sich hinter den einzelnen Begriffen verbergen, erklärt der Psychoanalytiker detailliert.

Entwicklungspsychologisch gesehen sind frühe Mütterlichkeitsstörungen im besonderen Maße belastend. Von der Mutter nicht wirklich gewollt zu sein, keine Chance auf ihr Liebe zu haben, bzw. schon früh auf sie verzichten zu müssen, verursacht eine eklatant lebensbedrohliche Qualität. Diese muss verleugnet, abgespalten und verdrängt werden, damit der Betroffene überhaupt weiterleben kann. Maaz konstatiert, dass die Bedrohung durch die Mutter solche Menschen zu Gladiatoren des Überlebens werden lässt.

Folge die Mutterbedrohung können im späteren Leben hasserfüllter Streit, unglückliche Partnerschaften, die Kultivierung eines Feindbildes, aber auch existenzgefährdende Aktionen sein, die im Dienste des Mutterschutzes stehen .

Erste Beziehungserfahrungen prägen den Mensch für das ganze Leben. So führt Mutterbedrohung zu Zweifeln an der Daseinsberechtigung. Muttermangel äußert sich in lebenslanger Bedürftigkeit und Sehnsucht. Vaterterror hingegen hat Leistungs und Erfolgsunsicherheit zu Folge. Bei Vaterflucht mangelt es insbesondere den Söhnen an Leistungswillen, Ehrgeiz, Anstengungsbereitschaft und Durchhaltevermögen.

Frühgestörte Personen versuchen nicht selten gerade authentische Menschen " an die Wand zu nageln", weil sie deren Authenzität nicht ertragen können.

Der Gefühlsstau, an dem Frühgestörte leiden, bedingt, dass sie stets nur ihren eigenen Vorteil im Auge haben, die Wahrnehmung für den anderen eingeschränkt bleibt. Verhandlungsbereitschaft in Beziehungen muss erst einmal erlernt werden. Unbedingter Durchsetzungswille ist hier an die Stelle von Verhandlungsbereitschaft getreten, weil die eigene Abwehrhaltung geschützt werden soll. Maaz dokumentiert an Aussagen Frühgeschädigter, woran man deren Bedrohung, Bedürftigkeit und Abhängigkeit, schließlich ihren Gefühlsstau erkennen kann.

Wer in einer Partnerschaft den anderen für seine eigenen Gefühle zu Verantwortung zieht, macht deutlich, dass er in seiner seelischen Entwicklung ans Frühstörungserleben fixiert ist. Es ist notwendig sich dieser Problematik bewusst zu werden, um Wiederholungszwänge aufzugeben und an reiferen Partnerschaftsformen zu arbeiten.

Selbstkritik ist die wichtigste Basis für eine Beziehungskultur . Erst wenn man davon Abstand nimmt die Fehler des anderen zu denunzieren oder zu bekämpfen , erst wenn man begreift, dass man zwar nicht die Verhältnisse, aber sich selbst ändern kann, wird man laut Maaz beziehungfähig.

Die Frage lautet:" Wer bin ich wirklich?" und nicht " Wie soll ich sein?".

Der Psychoanalytiker verdeutlicht , wie wichtig es ist sich seiner Gefühle bewusst zu werden. Blockierte Gefühle verbergen unangenehme Wahrheiten und beeinträchtigen das Denken und Handeln eines Menschen.

Der Autor vertritt der Meinung, dass Übertragungen der häufigste Motor für Kontakt- und Beziehungswünsche sind und insofern Ursache von Verliebtheit, die für ihn das Gegenteil von Liebe ist.

Man verliebt sich nach Ansicht des Psychoanlytikers in den Menschen, der sich besonders gut für Übertragungen, d.h. für die eigene Wunscherfüllung eignet. Zur Liebe hingegen ist ein Mensch erst dann fähig, wenn er das Wohl des anderen in den Vordergrund stellt. Übertragungen belasten, manipulieren und vergiften Beziehungen von Anfang an und führen schließlich zu Trennung oder unendlich zersetzenden Verbindungen, fernab von Partnerschaftlichkeit.

Maaz zeigt, wie notwendig es ist über die Form und den Inhalt von Beziehungen zu verhandeln und weshalb Beziehungskultur vom Geben und Nehmen, damit als von relativer Ausgewogenheit, Gerechtigkeit und Toleranz lebt.

Partnerschaft heisst sowohl Übereinstimmung und als auch Differenz, heisst Erfüllung und Begrenzung.

Maaz diskutiert viele Formen der Übertragung, beginnend bei der Frau als " Drachen", "Prinzessin", " Mutter" ," Müllkippe" " Kindchen", " Beziehungsmotor", " Opfer" oder als " Emanze", endend bei dem Mann als " Herrscher", " Star oder Genie" , " Vater", " Helfer" ," Schwächling., Versager und Bedürftiger"," Sonderling und einsamer Wolf" , " Manager und Funktionär" oder als " Täteropfer".

Indem der eine den anderen aufgrund von Frühstörungen auf eine der oben genannten Formen festlegt und diese vom anderen ( ebenfalls aufgrund von Frühstörungen) akzeptiert wird, ist eine reife Partnerschaft und damit die Reifung der jeweiligen Persönlichkeit nicht möglich .

Maaz zeigt Wege auf, wie man einer solchen Sackgasse entkommen kann.


Sehr empfehlenswert!




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