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Rezension: Wer das Leben liebt, der liebt auch Gott ( Erzählungen) Lew. N. Tolstoi

"Was für ein zerstörungssüchtiges Wesen ist doch der Mensch, wie viel Leben mannigfachster Art vernichtet er, um sein eigenes Leben zu erhalten."( Zitat: Lew N. Tolstoi, aus der Erzählung: "Eine Steppendistel", S. 20)


Dieses Büchlein beginnt mit einem Vorwort von Ulrich Mattejiet, der den Inhalt der darin enthaltenen Erzählungen knapp streift und die Person Lew N. Tolstoi kurz skizziert, dabei aber keineswegs vergisst dessen beide Meisterwerke "Krieg und Frieden" und "Anna Karenina" zu erwähnen. Für Mattejiet haben Tolstois Sprachmacht, sein Charisma und seine Unbeugsamkeit ihn für viele Menschen innerhalb und außerhalb Russlands zur moralischen Instanz und zur Vaterfigur werden lassen (vgl. S.10).


Den ingesamt fünf Erzählungen dieses bedeutenden Vertreters der russischen Literatur ist eine kurze Schilderung Rainer Maria Rilkes Wie soll ich meine Seele halten: Liebesgedichte (Insel Bücherei) von dessen Begegnung mit Tolstoi vorangestellt. Rilke wurde während seiner Russlandreise gemeinsam mit Lou Andreas-Salomé Lou Andreas-Salomé - "... wie ich Dich liebe, Rätselleben": Eine Biographie im Hause Tolstoi empfangen. Rilke war ganz offensichtlich berührt von der tiefen Nachdenklichkeit diesen russischen Dichters während des Gesprächs, in welchem viele Themenbereiche angesprochen wurden, wie er schreibt.


Die Erzählungen, die viel zu kurz sind, um an dieser Stelle auf deren Inhalte näher einzugehen, lassen erkennen, dass Tolstoi ein zutiefst religiöser Mensch war. Die Botschaften seiner Texte haben eine spirituelle Ebene und die Handlungen deuten nicht selten auf Untiefen des Menschen hin. Wo sind dessen Grenzen? Vermag er sie zu erkennen?

Der Bauer Pachom scheint sie nicht zu erkennen. Angetrieben von der Gier, verliert er jedes Maß. Mit Pachom hat Tolstoi eine Figur geschaffen, die bis zum heutigen Tage an Aktualität nichts eingebüßt hat. "Wie viel Erde braucht ein Mensch?" fragt Tolstoi. Was braucht ein Mensch überhaupt? An einer anderen Stelle des Buches spicht Tolstoi von "Harmoniebedürfnis des Ewigen und Unendlichen..". Vielleicht ist es dies und genau dies, wonach der Menschen in Wahrheit stets sucht aber leider fast immer auf Abwege gerät, dabei Dinge anhäuft und zu lieben vergisst.

Die wunderschönen vielfarbigen Illustrationen sind Ablichtungen von Gemälden des russischen Malers Wassily Kandinsky.  Dabei handelt es sich um:
Komposition IV, 1911
Improvisation 26 (Rudern), 1912
Fuga, 1914
Improvisation 13
Improvisation19, 1911
Sintflut und letztes Gericht, 1913
Sturm, 1907




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