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Rezension: Die Feuerprobe

Kann der Glaube Berge versetzen?
Der Autor dieser Novelle ist der in Livland geborene Schriftsteller und Naziregimegegner Werner Bergengrün(1892-1964).

Die Handlung spielt in der alten Hansestadt Riga, zu einem nicht näher definierten Zeitpunkt während der Renaissance-Zeit.

Dem reichen Ratsherren Gripen kommen Gerüchte zu Ohren, dass seine schöne Gemahlin Barbara ein Verhältnis mit dem jungen , für seine Leidenschaftlichkeit bekannten Schwenkhusen hat. Der misstrauische Gatte stellt seine Frau zur Rede, doch diese weigert sich den Treuebruch zu gestehen. Gripen entschließt sich nun Schwenkhusen in der Sache zu befragen, doch dieser befindet sich mit der Kompanie der so genannten " Schwarzen Häupter" auf Stoßreise gegen die berüchtigten Vitalienbrüder. Wenig später heisst es , er sei während der Kampfhandlungen gefallen. Der Patrizier Gripen , dessen Ehre auf dem Spiel steht, fordert Barbara auf sich öffentlich einer Feuerprobe zu unterziehen.( Man glaubte in jener Zeit noch Gott werde einen Unschuldigen selbstredend vor den Folgen des heißen Eisens schützen.)

Barbara weigert sich zunächst der Aufforderung ihres Mannes nachzukommen und beruft sich auf die Stadtrechte, wonach die Bürger von Riga zu keiner Probe und auch nicht zum gerichtlichen Zweikampf gezwungen werden konnten. Gripen erklärt seiner Frau , wenn sie es nicht aus freien Stücken tue, gelte sie für ihn als überführt und er werde die Klage auf Ehebruch erheben. Er macht ihr klar, dass die Erhebung der Klage allein schon dazu führe, dass die Stadt sie als Ehebrecherin verdamme. Barbara überlegt einige Tage und akzeptiert. Sie zieht sich in ein Kloster zurück, beichtet, empfängt die Lossprechung , bereut und verrichtet die auferlegte Buße. Als sie wenige Tage später unter den Augen der Bürger das glühende Eisen trägt, bleibt sie unversehrt. An Barbara ist ein "Gnadenwunder" geschehen. Von Stund an meiden die Bürger den Ratsherrn und nähern sich Barbara wie einer Heiligen.

Gripen bereut sein anmaßendes Tun und ist bereit sich seiner Gattin in jeder Beziehung zu unterwerfen. Barbara allerdings lebt jetzt völlig zurückgezogen. Sie ist überzeugt, dass sie Gott bezwungen habe, daraufhin von ihm ausgezeichnet worden sei und insofern nun über den Bürgern der Stadt stehe. Der überbordende Hochmut lässt Barbara vereinsamen.

Als der totgeglaubte Schwenkhusen nach einem Jahr unerwartet wieder in Riga auftaucht, hört er von den Geschehnissen, trifft sich mit Barbara und überzeugt sie, dass sie durch das "Gnadenwunder" für immer miteinander verbunden seien. Heimlich setzen sie ihre Affaire nun fort.

Barbara fühlt sich am Tage als sich die Feuerprobe jährt beim Kirchgang von dem jetzt kalten Eisen magisch angezogen und greift unaufgefordert danach. Mit den Worten " Ich brenne! Ich brenne!" bricht sie im Gotteshaus leblos zusammen.

Kann der Glaube tatsächlich Berge versetzen? Können Schuldgefühle ähnliches bewirken? Was geschieht hier?

Als Leser ist man betroffen von dem Ausmaß an Irrationalität der Protagonisten, aber nicht weniger von den Rechts- und Strafmaßvorstellungen in vergangnenen Zeiten.

Packend erzählt.











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