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Rezension: Die Vertreibung . Böhmen als Lehrstück

Das Gebiet des einstigen Königreichs Böhmen ist seit mehr als 2000 Jahren Schauplatz ethnischer, politischer, wirtschaftlicher, nationaler und soziologischer Auseinandersetzungen.

Aufgrund nationalstaatlich gedanklicher Prämissen, die in den so genannten Benes-Dekreten ihren fatalen Niederschlag fanden, wurden nach Ende des 2. Weltkrieges seitens der damaligen tschechischen Regierung über zwei Millionen Sudetendeutsche aus Regionen vertrieben, wo sie zuvor über viele Generationen gelebt hatten. Legitimiert wurden diese Massendeportationen mit den scheußlichen Massakern und dem unendlichen Leid, das Hitler und seine Schergen - zu denen auch eine ganze Reihe Sudetendeutscher zählten - den Tschechen während der NS-Zeit angetan hatten.

Peter Glotz verweist auf die Gräueltaten von " Lidice " und " Lezaky " und thematisiert auch " Theresienstadt " . Dort allein kamen insgesamt 118 000 Menschen ums Leben !

Gleichwohl haben die Verbrechen der Nazis nicht die " ethnischen Säuberungen " gerechtfertigt, nicht die Erschießungen von Frauen, Kindern und alten Menschen legitimiert, deren Muttersprache - in diesem Fall - deutsch war. Der Autor klärt auf, er will nicht aufrechnen! Er rollt historische Fakten auf, geht geschichtlich weit zurück, bis zu Jan Hus, dem Prager Fenstersturz, u.s.w. . Er spricht vom Ende des Habsburger Reiches, dem Münchener Abkommen und immer wieder von der Heimsuchung durch nationalstaatliche Erwägungen.

Böhmen ist für Glotz ein Lehrstück und eine Mahnung, " es mit der Identität nicht zu übertreiben." Er plädiert für " komplizierte Minderheitenabkommen" und wendet sich gegen " brutale Entflechtungen." Seit den sechziger Jahren gab es vierundfünfzig ethno-soziale Kriege! Mit diesen Kriegen gingen immer Vertreibungen einher. Glotz wirbt in diesem Zusammenhang für Krisenprävention und resümiert." Man sollte auf die Menschen einwirken, mit ein bisschen weniger Identität auszukommen, und ihnen dafür in Aussicht stellen, dass ihre Säuglinge nicht mit dem Gewehrkolben erschlagen oder über eine Brücke ins Wasser geworfen werden." Ein Text , dessen Ziel kosmopolitische, auf Humanität beruhende Interaktion zum Wohle aller ist! Ein kluges Buch, eines glaubwürdigen Autoren, der in erster Linie ernsthafte Aussöhnung im Auge hat!




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