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Rezension: DVD-Goya

Inquisition: Niemand erfährt vor dem Prozess, weshalb er verhaftet worden ist- und kein Angeklagter der Inquisition weiß, wer ihn denunziert hat.
Der spanische Maler und Radierer und Lithograph Fancisco Josè Goya y Lucientes ( 1746-1828) Goya. war ab 1789 Hofmaler in Madrid. Infolge einer schweren Erkrankung verlor er 1792 sein Gehör. 1819 zog er sich in sein Landhaus zurück. Dort entstand der spukhafte Zyklus der " Pinturas negras ". Dem bedrückenden Klima unter der Regierung von Ferdinand VII . entzog er sich 1824 durch die Emigration nach Bordeaux.

Den Höhepunkt seiner höfischen Bildmalerei stellen die Porträts der königlichen Familie um 1800 dar. Goya löste sich von der konventionellen Porträtmalerei und charakterisierte die Dargestellten mit schonungsloser Offenheit. Die engagierte Anteilnahme an Zeitereignissen führte zu einer unverhüllten, ausdrucksgeladenen Darstellung. Der immer freier werdende Stil seiner Malerei erzielte bereits impressionistische Wirkungen. Seine Radier - und Aquatintafolgen , seine Zeichnungen und Lithographien reflektieren kritische, soziale, kirchliche und politische Missstände der Zeit.

In Milos Formans Film " Goyas Geister " werden diese Missstände allesamt thematisiert und verdeutlichen in welch horriblen Zeiten die Werke Goyas entstanden sind. Dabei macht Forman klar, dass Goyas Leben das Beobachten und die Malerei war. Goya ist der Kronzeuge jener Tage, in denen Spanien noch 1792 unter der Diktatur der Inquisition leidet. Jahrhunderte lang sicherte die Inquisition die Autorität der katholischen Herrscher Spaniens, verfolgte, folterte und tötete Andersgläubige und Abweichler. Besonders zum Christentum konvertierte Juden waren immer wieder ihre Opfer. Goya hat in Gemälden Szenen festgehalten, welche diese furchtbaren Geschehnisse dokumentieren. 1815 malt er ein Autodafe (öffentliche Urteilverkündung) . Hier lauscht einer von vier Angeklagten auf einem Podest sitzend den Vorwürfen, die der Inquisitionssekretär verliest. Die Beschuldigten tragen jene farbigen Überwürfe und spitzen Hauben, die sie als Ketzer stigmatisieren. Ein anderes Gemälde zeigt wie ein Verurteilter auf einem Maultier durch die Menge zum Richtplatz geführt wird. Zumeist gehen die Todgeweihten unter einem Banner mit Insignien der Inquisition, dem Kreuz, einem Schwert und einem Ölzweig, den Symbolen für Gerechtigkeit und Barmherzigkeit.

Forman hat diese und andere Gemälde filmisch umgesetzt, so u.a. auch ein Gemälde, das deutlich macht, das derjenige, der vor dem Scheiterhaufen Reue zeigt, von den Henkern erdrosselt wird, bevor sie ihn den Flammen übergeben. Übrigens wird erst 1826 - nach fast 350 Jahren - der letzte Angeklagte der Inquisition hingerichtet.

Thematisiert werden die unterschiedlichen Methoden der Marterung, mittels der die Inquisitoren vermeintliche Geständnisse abpressen. Die Folterknechte waren weltliche Exekutoren, denn Geistlichen waren die Gewaltanwendungen verboten. Sie machten sich die Hände nicht schmutzig.

In der Filmhandlung gerät die Muse ( Natalie Portman) Goyas ( Stellan Skarsgard) in die Hände der Inquisition und muss die Tortur erleiden. Der Geistliche Lorenzo ( Javier Bardem) , der zunächst hinter der Inquisition steht und diese massiv vorantreibt, wird aufgrund persönlicher Verwerfungen zu deren Gegenspieler. Überzeugt von den Errungenschaften der Französischen Revolution kehrt er als französischer Besatzer in sein Heimatland zurück, das Napoleon okkupieren lässt.

Die Spanier bekämpfen die Franzosen in einem sechs Jahre andauernden Guerillakrieg. Diese Erbarmungslosigkeit hält Goya auf 80 Druckgrafiken fest, die im Film teilweise ebenfalls zu lebendigen Bildern werden.

Lorenzo wird von seiner Vergangenheit eingeholt, der er sich nicht stellen möchte, weil sie sein Familienleben in Gefahr bringt. Mittlerweile ist der ehemalige Geistliche Vater von drei Kindern. Das Verhalten im Hinblick auf seine Kerkergeliebte Ines ( die einstige Muse Goyas) spricht natürlich gegen ihn. Für ihn allerdings spricht, dass er bis zum Schluss die Ideale der Französischen Revolution nicht verrät und eher bereit ist zu sterben wie als Wendehals dazustehen. Er hat Voltaire, Rousseau und all die anderen Philosophen, die er in Frankreich gelesen hat, in dieser Beziehung wirklich ernst genommen.

Goya tritt in diesem Film als Mensch in den Hintergrund. Wichtig ist dem Regisseur die schrecklichen Zeit. Sie wird im Rahmen fiktiver Handlungen so wiedergegeben, dass der Zuschauer eine Idee davon erhält, weshalb Goya genau so malte, wie er es tat.
Die schauspielerische Leistung Javier Bardems ist außerordentlich. Seine Präsenz vor der Kamera macht es allen anderen Schauspielern schwer wirklich wahrgenommen zu werden, dennoch spielt er sie keineswegs an die Wand.
Die Bild - und Tonqualität sind bestens.
Ein beeindruckender Film.




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