.

.

Rezension: Ehrensachen- Roman

Die Romanhandlung von Louis Begleys " Ehrensachen" beginnt in den frühen 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Harvard und erstreckt sich über viele Jahrzehnte.

Der Ich-Erzähler Sam schildert den Verlauf seiner langjährigen Freundschaft zu seinem einstigen Kommilitonen und Mitbewohner Henry.

Auch andere enge freundschaftliche Beziehungen zu damaligen Mitstudenten werden thematisiert.

Sam gehört aufgrund seiner Familienzugehörigkeit, wie die meisten seiner Studienfreunde, gesellschaftlich der Oberschicht an, während der hochintelligente Henry einen jüdischen Backround besitzt und aus dem Mittelschichten-Milieu entstammt.

Henry und seine Eltern haben bis nach dem Ende des 2. Weltkrieges noch in Polen gewohnt und dort die Nazi-Zeit in einem Versteck überlebt. Erst dann sind er und seine Familie nach New York gekommen, um hier ein neues Leben zu beginnen.

Begleys junge Harvard-Studenten streben die Umsetzung der Ideale und Lebensgewohnheiten der Ostküsten-Upperclass an. Für Henry bedeutet dies, das er immer wieder die Wertvorstellungen und Wünsche seiner Eltern ignorieren und letztlich seine eigene Persönlichkeit neu definieren muss, dennoch ist es für ihn eine Ehrensache zu bekennen, dass er ein Jude ist. Dieses Bekenntnis erfolgt allerdings nur dann, wenn er danach gefragt wird.

Der Autor zeigt, dass in den 50er Jahren in den USA, trotz der ungeheuerlichen Geschehnisse während der Hitlerzeit, innerhalb der gebildeten amerikanischen Oberschicht, die Kenntnis von all dem hatte, immer noch Vorbehalte gegenüber Juden vorhanden waren.

Begley berichtet von den Gepflogenheiten in Harvard zu jener Zeit, von den vielen Clubs und privaten Veranstaltungen, an denen die zukünftige Elite teilnahm und zeigt die Barrieren auf, die sich für einen aufstrebenden jungen Mann wie Henry ergeben haben.

Die Blasiertheit und Selbstzufriedenheit seitens der Kinder aus der Oberschicht, denen durch elitäre Internate der Weg nach Havard geebnet wurde, wird detailliert geschildert. Intelligenz und Begabung allein, das erkennt Henry schnell, genügen nicht, um gesellschaftlich an die Spitze zu gelangen. Für ihn steht fest, dass er besser sein muss als die anderen und dass er sich - bis zur Selbstverleugnung- anpassen muss.

Das Gefühl nicht wirklich angenommen zu sein, verliert Henry nie.

Der Leser nimmt an der privaten und beruflichen Entwicklung der Protagonisten teil und erhält viele Einblicke in das Upperclass-Leben aber auch in die politischen Verhältnisse jener Zeit.

Die Beziehungen zu jungen Frauen werden ebenfalls zur Sprache gebracht, hauptsächlich jedoch Henrys große Liebe- sein so genanntes Langzeitprojekt- Margot. Sie wird für ihn letztlich immer unerreichbar bleiben, weil er sich ihr gegenüber viel zu stark anpasst und deshalb nicht wirklich akzeptabel für die verwöhnte Upperclass-Tochter sein kann.

Die Romanhandlung führt in der Folge u.a. nach Europa, primär nach Belgien , das zu diesem Zeitpunkt noch vielerorts antisemitisch war, aber auch in das liberalere Frankreich. Dort kommt es immer wieder zu Begegnungen zwischen Sam und Henry. Trotz der unterschiedlichen Lebenswelten bleibt die freundschaftliche Nähe zwischen den beiden Männern erhalten, weil sie sich so akzepzieren, wie sie wirklich sind.

Vielleicht ist Sam der einzige Mensch, von dem sich Henry bedingungslos angenommen fühlt.

Während Sam viele Jahrzehnte lang regelmäßig Pychoanalytiker aufsucht, um seine Kindheitsverletzungen zu verhandeln, trägt Henry seine Eindrücke aus der Nazi-Zeit unverarbeitet mit sich herum, dennoch findet auch er einen Weg von seinem frühen Gestern erlöst zu werden.

Ein packend geschriebener, stilistisch eleganter Roman, mit vielen Handlungssträngen, die an dieser Stelle allerdings nicht alle erörtet werden können.

Ein Meisterwerk! Sehr empfehlenswert! Warum gibt es an dieser Stelle keine Buttons zum Abstimmen? Kunden können nur über die Rezensionen anderer, aber nicht über ihre eigenen Rezensionen abstimmen. Aus diesem Grund erscheinen die Buttons für eine Abstimmung nur, wenn Sie die von anderen verfassten Rezensionen ansehen.




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen