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Rezension: Große Verlierer

Nicht immer ist etwas so, wie es scheint.

Wolfgang Schneider forscht in diesem hochinteressanten Buch nach den Ursachen , die dazu führen, dass mitunter sehr intelligente, befähigte Personen als so genannte Verlierer in die Geschichte eingehen. Auf welche Bedingungen lässt sich ihr Pech zurückführen? Worin unterscheidet sich ihr Scheitern von dem eines Ludwig XVI oder eines Kapitän Edward J. Smith?

Spielen Persönlichkeitsdefizite bei den im Grunde Hochbegabten eine Rolle oder eventuell genau das Gegenteil?

Kapitän Edward J. Smith war verantwortlich für den Untergang der Titanic und damit für den Tod von 1500 Menschen. Schneider stellt unmissverständlich klar , dass dieser Mann borniert war und an Selbstüberschätzung litt. Besagter Faktoren wegen scheiterte er ähnlich wie Maximilian von Mexiko , der vom mexikanischen Kriegsgericht aufgrund seiner politischen Fehlentscheidungen zum Tode verurteilt wurde.

Der Köngsthron konnte weder Maria Stuart noch Ludwig XVI davor schützen , dass sie ihre Köpfe im Spiel um die Macht verloren. Wilhelm II hatte im Verhältnis zu diesen beiden tragischen Gestalten durchaus Glück im Unglück. Er konnte nach seinem Sturz vom Thron im Jahre 1918 noch 21 Jahre auf Schloss Doorn seine Rosen pflegen und Holz zersägen. Politische Veränderungen haben diese drei Personen hinweggefegt, weil ihre Ignoranz sie zuvor daran gehindert hatte, die richtigen Weichen zu stellen.

Sein gesellschaftliches Standing überschätzte der geistig brillante Oscar Wilde. Die damalige Gesellschaft ließ ihren Liebling gnadenlos fallen als ruchbar wurde, dass der Romancier homosexuell war.

Hybris ist jedoch nicht immer die Ursache dafür, dass Menschen scheitern.

Nicht selten werden fähige und dabei fair gebliebene Personen durch kaltblütige, unmoralische Kontrahenten an die Wand gedrückt, mit unlauteren Mitteln schamlos fertig gemacht und um ihren berechtigten Sieg betrogen.

Rainer Barzel , der über die Parteigrenzen hinweg als vertrauenswürdig galt, den man als hochintelligent und kompetent einstufte, wurde durch hinterhältige Machenschaften seiner Gegner um die Chance gebracht, Bundeskanzler zu werden. Die Stasi kaufte vor der Abstimmung zum Misstrauensvotum zwei Abgeordnete, die beide finanziell ruiniert waren und sich gerne korrumpieren ließen.

Der hochintelligente Visionär Al Gore wurde bei den Präsidentschaftswahlen am 7.11.2000 in den USA von Georg Bush überrumpelt und von einem Richter überstimmt. Das Wahlergebnis wurde manipuliert, weil sich schließlich die kalten Machtstrategen durchsetzten, die die Welt dann schließlich in die bekannten Desaster führten.

Der hochbegabte Dichter Jakob Michael Reinhold Lenz wurde Opfer des Neides und der Missgunst von Goethe , der keinen Fähigen neben sich ertragen konnte. Ähnlich erging es Ferdinand Lassale, der von Karl Marx in die Ecke geschoben und verbal gedemütigt wurde oder auch Heinrich Mann, dessen Bruder Thomas es ihm gegenüber an Arroganz niemals fehlen ließ.

Grabenkämpfe und Intrigen sind die Mittel , die im Spiel um die Macht und um Ruhm seitens so genannter Siegertypen nachhaltig eingesetzt werden, nicht nur in Politik und Wirtschaft, sondern auch in der Wissenschaft, wie das Beispiel der Physikerin Liese Meitner zeigt. Ihr stahl man den Nobelpreis, weil sie als Jüdin nicht länger in Deutschland bleiben konnte. Otto Hahn heftete sich daraufhin bedenkenlos ihre Meriten ans Revers .

Durch seinen frühen Tod wurde der geniale Georg Büchner um seine Lebenschance betrogen. Dass gerade er dem Dichter Lenz ein Denkmal setzte, ist schon bezeichnend.

Empfehlenswert!

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