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Rezension: Ich und Du - Martin Buber

Die "Marke Ich" führt keine Gespräche, sie hält Monologe.,


Wenn jeder von sich selbst glaubt - Eltern, Werbung und Medien erziehen heute am liebsten Superstars - der Schönste, Größte, Beste zu sein, dann wird das Ego zum zentralen Element allen Lebens, der Andere zum reinen Bewunderer des eigenen Selbst degradiert. Martin Buber beschreibt in diesem Werk den Gegenentwurf, den Bezug auf Andere, um sich in diesen zu Erkennen, sich mit diesen gemeinsam weiterzuentwickeln.


Martin Buber lehrt uns das Vergessen des Beeindrucken Wollens, nur vorurteilsfreies, herzliches Eingehen auf den Anderen, ihm zuhören, wirklich zuhören ermöglicht menschliche Dialoge. Wie auch immer der Einzelne Gott umschreiben mag, es geht darum, in anderen das Göttliche, das einigende, gemeinsame Bewusstsein zu erkennen. Selbstbezug und Eigensinn, die heute in fast allen traditionellen Kommunikationen in Monologen ihren Ausdruck findet, töten wahrhafte Beziehungen.



Am besten überzeugt man andere mit den Ohren, indem man Ihnen zuhört. Dieses von Buber abzuleitende Prinzip ist höchste Weisheit in Rhetorikseminaren, die dies aber oft als reine Rhetorik im aufgesetzten Sinne lehren. Das Herz erkennt immer, ob es bloße Masche ist oder herzlich, menschlich gemeint. Buber wiederzulesen, sein Wesensprinzip zu erkennen, führt uns zurück zum Dialog, zum Gespräch, in dem wir die Isolation des überzogenen Individuums, die Einsamkeit überwinden und wahrhaft gesunden können. Wir erzählen uns dann keine Märchen oder sonstige Stories mehr, sondern unsere Herzensanliegen und erfahren ebensolche von anderen, im gemeinsamen Ich und Du. Und genau das ist göttlich.






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