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Rezension: Ludwig II.

Ludwig II. war ein angstbesetzter Mensch

Dieses reich bebilderte Büchlein habe ich mit großer Neugierde gelesen, weil ich wissen wollte, ob es Informationen zu Ludwig II. von Bayern gibt, die ich noch nicht kenne. Der Untertitel des Buches heisst "Mythos und Wahrheit". Der Mythos wird nicht nur in Filmen wie "Ludwig II. verbreitet, sondern auch dort, wo man seine Schlösser besichtigen kann, wie ich feststellen musste.

Im Buch wird man mit dem jungen König vertraut gemacht, hat Gelegenheit alte Fotos von ihm zu studieren und wird mit seiner Affinität zu Richard Wagner konfrontiert. Ludwig II. war ein Schwärmer, der keinen Bezug zu Geld hatte, liest man. Richard Wagner und seine Bauten kosteten Bayern ein Vermögen. Über seine Beziehung zu dem Komponisten wird man gut aufgeklärt. Auch erfährt man Wissenwertes zu den Schlössern Linderhof, Neuschwanstein und Herrenchiemsee. Verschiedene Gebäude Ludwigs II. kannte ich bislang noch nicht. So etwa das "Königshaus auf dem Schachen im Wettersteingebirge, das einen maurischen Salon aufweist. Ludwigs Welt war ein Fantasiereich. Das machen alle Gebäude und deren Inneneinrichtungen deutlich.
Thematisiert werden auch seine schwierige Beziehungen zu Frauen. Es soll angeblich eine Beziehung zu der Bildhauerin Elisabeth Ney gegeben haben. Dies wusste ich bislang noch nicht. Seine homophilen Neigungen wurden unter der Decke gehalten. Fotos, die ihn mit dem Schauspieler Josef Kainz zeigen, erinnern mich an Ablichtungen von Oscar Wilde und Bosie. Kainz ist der gleiche Typus Mann wie Bosie. Kainz und Bosie strahlen eine unangenehme Kälte und Dominanzgebaren ab. Man ahnt wie die jeweiligen Innenverhältnisse dieser beiden Beziehungen ausgesehen haben.

Ludwigs distanzierte Haltung in Sachen Politik kommt zur Sprache, seine Skepzis gegenüber patriotischen Exzessen, seine Reisen nach Paris im Salonwagen und vieles andere mehr. Ludwig soll an einer Vielzahl von Ängsten gelitten haben- Platz-, Auftritts- und Versagensängste, die er nicht selten mit Alkohol wegzuspülen suchte, bevorzugt mit Champagner der Marke "Ruinart" und "Moet et Chandon oeil de perdrix". Man erfährt, was er frühstückte, welche Hauptgerichte er liebte und liest, dass sich seine Tischmanieren zu Ende seines Lebens zu wünschen übrig ließen.

Sein dubioses Ableben wird beschrieben und es wird in Frage gestellt, ob Ludwig tatsächlich geisteskrank war, oder am Ende nur viele schwere Phobien aufwies. Alles spricht dafür, dass der sensible, ängstliche Träumer in Panik geriet als er mit den Realitäten seiner Epoche - den patriotischen Exzessen- konfrontiert wurde.
Für Ludwig-Fans anbei ein nettes Poster von Neu-Schwanstein:

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