Rezension: Pierre und Jean- Maupassant

Nichts geschieht ohne Grund

Maupassant erzählt die Geschichte des Arztes Pierre und des Juristen Jean. Die beiden jungen Männer leben zu Beginn der Romanhandlung noch bei ihren unbegüterten, glücklosen Eltern an einem Ort am Meer, in der Normandie. Von ihrem Wesen unterscheiden sich die einzelnen Familienmitglieder völlig, dennoch ist zunächst ein relativ harmonisches Zusammenleben möglich. Dies ändert sich mit dem Tag, als Jean , der jüngere der beiden Brüder - überraschend - das Gesamt-Vermögen eines reichen Freundes der Familie erbt.

Der analytisch veranlagte Pierre versucht sich darüber klar zu werden, weshalb er im Testament nicht bedacht worden ist. Seinen Unmut, ausgelöst durch diffuse Neidgefühle, unterdrückt er vorerst. Pierre denkt immer wieder nach, bis er schließlich eine Antwort findet auf diesen zunächst unverständlichen Akt der Einseitigkeit. Allerdings gerät der Arzt durch sein Denkergebnis aus dem inneren Gleichgewicht und beginnt in der Folge sich und seine Familie durch seine, durchaus nachvollziehbaren Gefühlsirritationen aufs Härteste zu attackieren..........

Der Autor dieses hervorragenden Romans versteht es, sehr subtil, auf der Klaviatur menschlicher Unzulänglichkeiten zu spielen. Zur Sprache kommen Neid, Misstrauen, moralisches Ereifern aus egoistischen Motiven , als auch Exkulpationsversuche gegenüber folgenschweren Lebenslügen und nicht zuletzt die aus Liebe resultierende Seelenqual. Dabei hebt Maupassant niemals moralisch den Zeigefinger, sondern geht vielmehr psychologisch geschickt seinem eigentlichen Anliegen nach, nämlich aufzuzeigen , wohin existentielle Konflikte führen können.

In die Handlung eingebettet sind wunderschöne Landschaftsschilderungen der normannischen Küste. Die Abbildung des Gemäldes " Rocheforts Flucht" von Edourd Manet auf dem Buchdeckel ist gut gewählt und korrespondiert exzellent mit dem sehr empfehlenswerten Text.






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