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Rezensionen:Südburgenland: Natur- und Kulturlandschaft

Im Südburgenland ist die Religiosität noch ein Teil des Alltags und des Brauchtums

Der Journalist Oliver Lehmann hat gemeinsam mit dem Fotografen Manfred Horvath ein zauberhaftes Buch über das Südburgenland verfasst, dessen Texte beinahe poetisch daherkommen und dessen Bilder von geradezu atemberaubender Schönheit sind, nicht zuletzt wegen der Melancholie , die sie auf subtile Weise zu visualisieren vermögen. Beeindruckend.

Von diesen Bildern möchte ich zunächst berichten, bevor ich mich den Texten zuwende.

Man sieht gleich zu Beginn ein Haus von Reben umgeben, später tanzende Kinder, die offenbar einer Folkloregruppe angehören und verdeutlichen, dass man im Südburgenland das Brauchtum pflegt, Bauern bei der Maisernte, Frauen beim längst raren Federnverschleißen, das morbide Kastell der Familie Festetics im abbröckelnden Habsburgergelb, versteckte Herrenhäuser , Glocken und Kirchlein, handarbeitende Frauen, Bäuerinnen beim Einsammeln von Esskastanien, beim Hüten der Gänse, beim Entkernen von Kürbissen, aber man sieht auch einheimische Weinbeißer beim Heurigen sich fröhlich bei den Händen nehmend und vieles andere mehr.

Ein erster Eindruck, vielsagend , der neugierig auf die Texte macht....

Außer Burgen gibt es im Burgenland so ziemlich alles, was das Herz des urlaubenden Menschen begehrt. Bunt getünchte Häuser mit barocken Giebeln, Kirchen mit Zwiebeltürmen, Störche, gutes Wetter, gemütliche Gasthäuser mit bodenständiger Küche und dazu auch noch den Wein. Der Süden des Burgenlands ist offenbar der authentischere Teil des Burgenlandes, wenn man dem Autor Glauben schenken darf.

Deutsch Schützen ist dort das Zentrum des südburgenländischen Weinbaus. Bei den meisten Weinbauern stehen noch Kühe und Schweine im Stall. Hinter Deutsch Schützen ist die Welt keineswegs zu Ende, was es dort und im gesamten Südburgenland zu sehen gibt, berichtet der Autor im Rahmen einzelner sehr nachdenklich angelegter Beiträge.

Vom Leben im Dorf Stintanz liest man und wie die Frauen dort Geschichte verwalten , von den traditionellen Dorfstrukturen, die durch urbane Netzwerke abgelöst werden, von Veränderung, die selbst dort Einzug hält.

Interessant ist der Bericht über ein " Kitting " im Freilichtmuseum in Bad Tatzmannsdorf. Diese aus Holzstämmen gezimmerten Blockwerkspeicher mit Spitztonnenwölbung, Lehmbewurf und Strohdächern gehen als Typus auf lykische, also kleinasiatische Speicherhäuser des 3. Jahrhunderts zurück.

Man liest vom Schweigen über die Blutorgie von Rechnitz und ich finde es lobenswert, dass der Autor auch auf diese Dunkelstelle im südburgenländischen Gestern hinweist. Geschichte lässt sich nicht verdrängen. Man muss sie aufarbeiten, damit sie nicht lähmend auf das Heute wirkt.

Man liest von der Frömmigkeit der Menschen im Südburgenland, auch vom liebsten Pilgerziel der burgenländischen Gläubigen und schließlich von den Kirchen von Neuhaus am Klausenbach. Dort stehen sich ein protestantisches und ein katholisches Pfarrhaus gegenüber.

Über die Völker im Süden, über Brot und Wein aber auch über kulturhistorische Besonderheiten wird man informiert und beginnt allmählich zu begreifen, weshalb das Südburgenland das Burgenland des Burgenlands ist...
Empfehlenswert.









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