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Rezension : Das Verschwinden der Kindheit

Neil Postman arbeitet den Unterschied zwischen dem statischen Medium Buch und dem Bewegtbild-Reduktions-Medium Fernsehen treffend heraus. Es steht permanent unter dem Druck, neue sogenannte Pseudo-Ereignisse zu präsentieren, die eigens für den Publikumskonsum inszeniert werden. Deshalb macht sich das Fernsehen - zumindest das kommerzielle - alle Tabus zunutze, schlachtet sie aus und redet nach der Schönheitscreme ebenso normal über den Inzest oder die Psychotherapie. Es öffnet Schleusen, die im normalen Klatsch niemand öffnen würde. Das kann durchaus - bei seriösen Sendern - zu Einsichten und Hilfen führen, wird aber dort kontraproduktiv, wo Enthüllungen um der Enthüllungen stattfinden, je absurder umso besser.

Die Kindheit verschwindet deshalb, weil das Fernsehen jeden den Kunstprodukten aussetzt, die es erzeugt. Also auch Kindern, die viel zu früh mit Dingen in Kontakt kommen, die ihrer spielerisch-kreativen Entwicklung zuwider laufen. Kindheit ist ein natürlicher Prozess, deren kognitive Fähigkeiten mit der Zeit und dem Umfeld wachsen. Wenn Eltern nicht mehr spielen und Kinder am TV-Gerät ruhig stellen, dann ist dies weniger als Nicht-Erziehung, es ist eine fatal schlechte. Zumindest, wenn man den TV-Konsum der Kinder nicht kontrolliert bzw. steuert.

Neil Postman formuliert: "Der Schock der modernen Technik hat unsere Gehirne gelähmt, und wir beginnen eben erst, die geistige und soziale Trümmerlandschaft in Augenschein zu nehmen, die uns unsere Technik beschert hat." Interessant ist dann eine ganz am Ende stehende Hypothese, die dieses weit zurückliegende Buch zu etwas Besonderem macht. Auf die Frage, ob es Kommunikationstechniken gäbe, die das gesellschaftliche Bedürfnis nach Kindheit zu stützen vermögen, antwortet Postman: "Die einzige Technologie, die diese Fähigkeit besitzt, ist der Computer." Er redet von einer Computer-Literalität, in der er die Interaktion, das logische Denken, Selbstdenken, das Gespräch, das Schreiben sieht.

Das Fernsehen ist heute der dritte Elternteil geworden, wird aber langsam vom lateralen Internet-Zeitalter aufgelöst. Neil Postman hoffte in seinem Buch noch auf die Bollwerke Familie und Schule, die selbstverständlich auch heute noch ganz entscheidend sind. Eltern müssen heute Bescheid wissen über Computerspiele z.B. Computerspiele & Internet - der ultimative Ratgeber für Eltern, um richtige Wege gemeinsam zu diskutieren und zu beschreiten. "Eine Möglichkeit besteht darin, das Ausmaß, in dem Kinder Medien ausgesetzt sind, zu begrenzen. Der zweite Weg besteht darin, sorgfältig zu verfolgen, welchen Inhalten sie ausgesetzt sind, und dies durch fortlaufende kritische Auseinandersetzung mit den dabei zum Ausdruck kommenden Themen und Werten zu begleiten."



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