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Rezension: Der Magier. SZ-Bibliothek 34

Was bitte soll man von " homunculi" halten?

Dieses Buch, das in der vortrefflichen Reihe "SZ-Bibliothek" erschienen ist, deckt offenbar den Bereich des Gruselromans auf hohem Niveau ab. Somerset Maugham bezeichnet sein Buch im Untertitel als parapsychologischen Roman. Der Romancier hat eine obsessive Dreieicksgeschichte verfasst, die sich in erster Linie mit dem Irrationalen auseinandersetzt.

Der erfolgreiche Chirurg Arthur ist verlobt mit der bildschönen Künstlerin Margaret. Bevor es zur Eheschließung des sich aufrichtig liebenden Paares kommt, wendet sich die junge Frau abrupt dem hässlichen, in jeder Beziehung wenig appetitlichen Magier Haddo zu, der sich allüberall unangenehm in Szene setzt. Der Nicht-Mediziner Haddo befasst sich mit rational Unfasslichem und möchte in seinem Labor künstlich Menschen, sogenannte " homunculi" herstellen.

Dazu benötigt er, wie er einschlägiger Literatur entnimmt, vor allem Menschenblut! Die schöne Margaret verändert unter dem Einfluss Haddos zunehmend ihre Persönlichkeit. Sie scheint durch die Beziehung zu diesem Mann schizophren geworden zu sein. Ihre diffusen Ängste werden mit dem Grad ihrer Hörigkeit immer stärker. Arthur und ihre engsten Freunde versuchen die unglückliche, fortdauernd schwächer werdene Frau aus den Fängen des selbsternannten Magiers zu befreien. Doch die Künstlerin stirbt bevor es zur Loslösung kommen kann -aus ungeklärten Gründen- . Ob ihr plötzliches Ableben mit den vermeintlich magischen Fähigkeiten Haddos und dessen " Homunculibastelei" in Verbindung zu bringen ist, bleibt letztlich der Phantasie des Lesers überlassen.

Somerset Maugham setzt sich in diesem Buch u.a. mit dem Phänomen der Hörigkeit auseinander. Inwiefern kann ein Mensch ungewollt dem Willen eines anderen unterworfen werden? Welche Voraussetzungen sind in solch einem Falle unabdingbar? Ferner befasst sich Maugham mit den vielen absonderlichen Facetten des Okkultismus, der Parapsychologie, der Magie, des Schattens, des Unwirklichen, des Unerklärlichen, des sozusagen Gruseligen. Das Ergebnis ist ein unterhaltsamer , sprachlich wunderbar komponierter Roman, der in seinem Genre sicher als gelungen gelten kann.

Rezension Helga König

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