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Rezension : Die Pendragon-Legende

Die düsteren Geheimnisse eines walisischen Schloßherren.

Janos Batky, ein ungarischer Wissenschaftler, ist zu Beginn der 30 er Jahre des letzten Jahrhunderts Gast auf " Llanvygan ". Dieses Schloss ist der Familiensitz der Pendragons, dessen Nachfahre, der jetzige Earl of Gwynedd, im Besitz einer umfangreichen Bibliothek ist. Der ungarische Gast ist hocherfreut über die große Auswahl an Büchern über Mystizismus im 18. Jahrhundert, denn mit dieser Materie beschäftigt Batky sich gerade wissenschaftlich.

Mirandola, Parcellus, Fludd, die Kabbala, die Templer, die Freimaurer, deren Rituale wie auch die Rosenkreuzer sind das erklärte Steckenpferd des alten Earls. Er steht damit in langer Tradition zu seinen Vorfahren, die sich mit Alchemie, mit der beliebigen Verlängerung des Lebens, mit Hellsehen und mit der kabbalistischen Methode, mittels der man jedes Geheimnis entschlüsseln kann, intensiv befasst haben.


Der Gastgeber und sein Gast haben also ein interessantes Gesprächsthema, an dem der Leser teilhaben darf. Dieses Schloss hat Geheimnisse und es scheint Verwunderliches, nicht Erklärbares zuhauf zu geben. Erzählt wird sich die " Pendragon- Legende" , wonach in einer Gruft des ehrwürdigen Hauses , seit Jahrhunderten schon ein Vorfahre des Earls im Tiefschlaf ruht. Man nimmt an es handele sich bei dieser Person um den Begründer des Geheimbundes der Rosenkreuzer persönlich.

 Dieser habe es geschafft die Gesetze der Endlichkeit des Lebens zu überwinden. Der Ich-Erzähler Batky versucht allem gegenüber kritisch distanziert zu sein und ironisiert Begriffe wie Mystizismus und Okkultismus, aber er witzelt auch über die so genannte Modernität und neue Sachlichkeit sowie deren Stilblüten. Im Zuge der Handlung wird der durch keltische Irrealität und Wunderglaube überforderte Wissenschaftler in die höchstrealen Erbauseinandersetzungen des Earls hineingezogen, bei welchen auch vor kriminellen Handlungen nicht zurückgeschreckt wird. Dies alles ist für den normalerweise akademisch-gelassenen Janos ein wenig zuviel. Wen wundert es, wenn er allmählich glaubt der Boden werde ihm unter seinen Füßen weggezogen? Immer mehr ist er beängstigt vom Unbegreiflichen und in der Folge von den Auswüchsen seiner verwirrten Phantasie!

Zserbs Roman ist von hohem sprachlichen Niveau. Witzig und ironisch schreibt der hervorragende Autor über die Schrulligkeiten und Absonderlichkeiten im Verhalten des englischen Adels und lässt ganz nebenbei das große , legendäre Steckenpferd des 18. Jahrhundert an den irritierten Augen seiner Leserschaft vorbei traben. Trotz des gewöhnungsbedürftigen Inhalts bereitet dieses Buch ein nicht unbeachtliches Lesevergnügen!

P.S. Im Anhang wird dann auch erklärt auf welche Weise dieser Roman mit der " Reise im Mondlicht" korrespondiert.

Rezension Helga König









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