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Rezension: Schachnovelle

Die " Schachnovelle " habe ich 1975 das erste Mal gelesen und mich dieser Tage abermals in den nachdenklich stimmenden Text vertieft.
Erschienen ist diese Novelle in Europa erstmals im Dezember 1943. Die Handlung spielt an Bord eines Südamerikadampfers. Der Ich-Erzähler verarbeitet einen erregenden Augenblick aus der Zeit seiner überstandenen Isolationsfolter bei den Nazis.

Indem Zweig dem Spiel der Spiele huldigt, huldigt er dem menschlichen Geist. Philosophen, Mathematiker, kalkulierende und oft schöpferische Naturen waren zu allen Zeiten die herausragenden Könner dieses Spiels.

Einer der beiden Protagonisten ist allerdings der schwere, maulfaule Bauernbursche Mirko, ein Kerl ohne imaginäre Kraft. Wie ist es möglich, dass dieser ungebildete Hinterwäldler es schafft " Schachweltmeister" zu werden und auf diese Weise all seine akademischen Kontrahenten durch seine natürliche Begabung zu verhöhnen?

Wann endlich wird dieser ungehobelten Person, die bei Schachspiel im Grunde aus gesellschaftlichen Motiven nicht dazugehört, Paroli geboten?
Wer ist der Unbekannte auf dem Schiff, der dieses Wunder vollbringen wird ? Wo hat dieser geheimnisvolle Dr. B. so exzellent das Spiel erlernt? Er berichtet davon, wie er durch das tägliche intellektuelle Beschäftigen mit Schach ohne Brett sich Schutz schuf vor seinen Widersachern, den Nazis, die ihn im KZ gefangen hielten und seinen Willen zu brechen suchten.
Während es Mirko als Schachweltmeister nur ums Gewinnen- offenbar das Los derer, die an der Spitze stehen- geht, geht es Dr. B. in erster Linie um die intellektuelle Herausforderung. Mirko wird an der Willenstärke Dr. B .s zerbrechen, wie auch Dr. B. versagen wird als sein Antrieb zu siegen größer wird als die Lust an der intellektuellen Herausforderung.

Ein sehr dicht geschriebenes Meisterwerk, mit psychologischem Tiefgang. Was lehrt uns diese Novelle? Kein Wille ist zu brechen, wenn man seinem Geist täglich Nahrung zuführt und ihn dadurch schärft.
Die spielerische Interaktion zwischen Menschen sollte immer Vorrang vor dem unbedingten Siegen-Wollen haben. Übertriebener Ehrgeiz ist kontraproduktiv.






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