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Rezension: Historische Cafés in Europa (Gebundene Ausgabe)

Der Lieblingsaufenthaltsort von Intellektuellen und Künstlern.,
Adonis Malamos ist der Besitzer eines Cafés in Mannheim. Im Laufe der Jahre ist der gebürtige Grieche durch dreizehn Länder gereist, um die schönsten historischen Cafés und Kaffeehäuser kennenzulernen und sich einen umfassenden Überblick über die Kaffeehauskultur zu verschaffen. Neben der jahrhundertealten Geschichte und Tradition interessieren ihn auch die Architektur und die Gäste dieser schönen Aufenthaltsorte. Den Leser erwarten 200 bemerkenswerte Fotografien und hochinformative Texte zu den von Malamos besuchten Cafés und Kaffeehäuser.

Fokussiert werden u.a. das "Le Cirio", eines der ältesten Cafés in Brüssel, dessen Interieur im Jugendstil gehalten ist und dessen Spezialität des Hauses neben dem obligatorischen Kaffee das "Half an half", eine Mischung aus Champagner und Weißwein ist. Man lernt das "Falstaff" kennen, ein weiteres Brüsseler Café, in dem sich angeblich der Chansonnier Jacques Brel mit Vorliebe aufgehalten hat und dessen optische Besonderheit die mit Glasmalerei dekorierten Fenster sind. Das dritte Café in Brüssel, das man aufsuchen sollte, ist das "Café Metropole". Es ist im Art Déco -Stil gehalten. In dieser schönen Atmosphäre hielten sich einst Marie Curie, Albert Einstein, Arthur Rubinstein und Enrico Caruso auf.

In Berlin lernt man das "Café Einstein", Zweigstelle unter den Linden kennen. Die Besonderheit des Hauses besteht in einer angeschlossenen Galerie. Dort werden die Fotoarbeiten von Dennis Hopper, Wim Wenders und Helmut Newton gezeigt, ferner finden dort auch Lesungen statt. Das "Café Opernpalais" Unter den Linden steht in der Tradition Wiener Kaffeehäuser. In Dresden lernt man dann u.a. das "Italienische Dörfchen" kennen und in Frankfurt "Wacker`s Kaffee". Hier kaufte Goethe bereits seine Milch. Damals war es noch ein Lebensmittelgeschäft. Mittlerweile ist es ein Feinkost- und Kaffeegeschäft mit eigener Kaffeerösterei und Probierstube. Dort gibt es den besten Kaffee in Frankfurt. Ich bin ein Fan von Wacker. Sehr schön ist das "Literaturhaus Café" in Hamburg und das Leipziger Haus "Zum Arabischen Coffe Baum", das zu den ältesten kontinuierlich betriebenen Café-Restaurants Europas zählt. Bemerkenswert ist die Sandsteinplastik über dem Portal, die seit 1720 als Haus- und Gewerbezeichen dient. Gott Amor wird seitens eines Osmanen eine Tasse Kaffeè überreicht. Hierdurch wird die Übergabe des Kaffees als Geschenk des Orients an den Okzident symbolisiert. "Schuhbecks Orlando" in München kommt zur Sprache und das "Café Prag" in Schwerin. Durch das Freilegen einer alten Wandmalerei kam dort eine Stadtansicht von Prag zum Vorschein, die dem Café 1991 den Namen gab.

... und dann die Cafés in Paris "Les deux Margot" ist wohl eines der bekanntesten Cafés in der Nähe des Boulevard Saint - Germain. Hier trafen sich einst berühmte Literaten, Künstler und Intellektuelle. Im "Café de Flore" in Paris waren Jean Paul Sartre und Simone de Beauvoir regelmäßige Gäste und im 2. Weltkrieg war es der Treffpunkt der Résistance. Viele andere Cafés in Paris werden außerdem thematisiert, leider können sie an dieser Stelle nicht alle zur Sprache gebracht werden.

In Bergamo in Italien muss man das "Caffé del Tasso" besuchen und in Florenz das "Caffé Pasticceria Gilli". Dieses Café wurde schon 1733 gegründet und gilt seit seiner Eröffnung als eines der elegantesten Cafés und Treffpunkt für Intellektuelle. Das "Caffé Zucca in Galleria" ist eine Mailänder Institution mit Jugendstil - Dekor und war Treffpunkt für Verdi und Toscanini nach den Aufführungen in der Mailänder Scala. Beeindruckend auch ist die "Pasticceria Sandri", die in Perugia 1860 von einem Schweizer Konditormeister eröffnet wurde. Viele Cafés erwarten den Leser in Rom. Ich erwähne an dieser Stelle nur das "Caffé Greco", eines der letzten Künstlercafés an der Spanischen Treppe, zu dessen Stammgästen Goethe, Wagner, Mendelssohn, Stendhal, Liszt und Casanova zählten. Ein Ort, den man ebenso besuchen muss, wie das "Caffé Florian" in Venedig, das 1770 in den Arkaden des Markusplatzes eröffnet wurde und zu dessen Gästen ebenfalls Goethe und Casanova zählten. Die Bilder von der Einrichtung überzeugen sofort.

Lesenswert ist der vierseitige Bericht zur europäischen Kaffeehauskultur inmitten der vielen Fotos, der deutlich macht, dass ein Bestandteil dieser Kultur Literatur und Intellektualität war und ist.

Cafés in Salzburg werden gezeigt und dort natürlich auch das legendäre "Café Tomaselli" und es wird ein Augenmerk auf die vielen Cafés und Kaffeehäuser in Wien gelegt, wie etwa das "Café Frauenhuber", das als eines der ältesten Kaffeehäuser der Stadt gilt. Hier musizierten einst Mozart und Ludwig van Beethoven. Im 14. Jahrhundert befand sich in dem Gebäude die so genannte "Badestube bei der Himmelspforten". Das "Cafè Hawelka" in Wien ist übrigens eines der legendärsten Künstlercafés in Österreich.

In Krakau sollte man wohl das "Café Noworolski" besuchen, das sich im Gebäude der Tuchhallen befindet, einem Renaissancebau in der Krakauer Altstadt. Von Polen reist man dann am besten gleich nach Lissabon, um das "Café a Brasileira" zu inspizieren, das zu den ältesten und bekanntesten Häusern Portugals zählt. Der Poet Fernando Pessoa war dort Stammgast. Von Lissabon nach Zürich ist es nur ein Katzensprung. Dort muss man das "Café Sprüngli" besuchen, bevor man in Barcelona im "Café de l`Opera" das Jugendstil- Interieur bewundert von dort nach Prag reist, um im "Café Louvre" die schöne Atmosphäre zu genießen und sich schließlich für immer im "Café New York" in Budapest niederzulassen. Die Gestaltung des Innenraums erinnert an barocke Kirchenräume, ideal also, um von dort aus irgendwann die Reise in den Himmel anzutreten.

Ein tolles Buch.




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