Rezension: Mit den Augen der Maler: Schauplätze der Kunst neu entdeckt (Gebundene Ausgabe)

Der Kunsthistoriker und Fotograf Florian Heine stellt in seinem Buch ausgesuchte Werke von 21 Malern vor.
Heine hat Originalplätze aufgesucht, an denen die im Buch vorgestellten Werke dieser Künstler entstanden sind und berichtet eindrucksvoll von der Entstehungsgeschichte besagter Gemälde. Neben den spannenden Bildgeschichten, wird man mit Fotoansichten der fokussierten Plätze und Gemälde vertraut gemacht und erhält eine Fülle von biographischen Daten im Hinblick auf die einzelnen Maler, aber auch Einblicke in deren Maltheorien.

Es handelt sich hierbei um folgende Künstler: Giotto, Albrecht Dürer, Albrecht Altendorfer, El Greco, Diego Velázquez, Jan Vermeer, Jakob van Ruisdael, Canaletto, Francisco de Goya, Caspar David Friedrich, John Constable, Claude Monet, Gustave Caillebotte, George Seurat, Vincent van Gogh, Edvard Munch, Paul Cézanne, George Braque, Ernst Ludwig Kirchner und Andreas Gursky. Unmöglich im Rahmen dieser Rezension auf alle Originalplätze, Werke und Künstler näher einzugehen.

Mit besonderem Interesse habe ich den Beitrag zu Dürers Aquarell " Arco" gelesen. Dürer hat sich gegen Ende seines Lebens mit der Theorie der Malerei befasst. Im Nachwort zu seinen Proportionsstudien dokumentiert er sein Verhältnis zur Natur als die "Hüterin der Wahrheit". " Aber das Leben der Natur gibt zu erkennen, die Wahrheit dieser Dinge. Darum sieh dich fleißig um, richte dich darnach und geh nicht von der Natur ab nach Gutdünken..."

Auf seiner Reise nach Italien in jungen Jahren malte er einige Landschaftsaquarelle und macht deutlich, dass er sich nicht immer an diese Regel hielt. Stattdessen ging es ihm darum das Wesen der Natur, den Charakter und die Besonderheiten eines Gegenstandes oder einer Landschaft zu zeigen aber dennoch naturgetreu zu bleiben. Durch die Dürer-Werke, die Heine bespricht, gilt Dürer noch heute als einer der Begründer des Landschaftsaquarells, dessen direkter Nachfolger wohl Jahrhunderte später William Turner war, der mit seiner fast schon impressionistischen Malweise die Kunst des Landschaftsaquarells zu neuen Höhen führte.

Sehr gut schildert Heine übrigens die Geschichte zur Entstehung der Gemäldes "Der Aufstand der Madrider Bevölkerung gegen die Franzosen am 2. Mai 1808 " und " Die Erschießung der Aufständischen am 3. Mai 1808."
Hatten Leichen in der Tradition der Malerei bislang auch immer etwas seltsam Entrücktes und wurden auf ästhetische Weise gezeigt, machte Goya damit Schluss. Wenn jemand in den Kopf geschossen wurde, dann sind bei Goya die Gesichtszüge des Schwerverletzten oder Toten grauenvoll entstellt. Goya zeigte in der Kunst, was ihn bewegte.

Begeistert bin ich von dem Kapitel, das der Autor einem meiner Lieblingsmaler Cézanne gewidmet hat. Thematisiert wird die Entstehungsgeschichte des Gemäldes " Mont-Sainte-Victoire". Dieses Gemälde enstand ganz aus Farbe, d.h. Cézanne versuchte gar nicht die Gegenstände illusionistisch wiederzugeben. Für ihn und den Betrachter formen sie sich aus dem Zusammenspiel mit Farbflecken und der Pinselführung. So ensteht ein dichtes Gewebe, das sich vom Vordergrund bis zum Hintergrund durchzieht. Cezanne ging davon aus, dass man nicht die Dinge an sich sieht, stattdessen Farbflächen wahrnimmt, die man sofort zu entsprechenden Formen verbindet. Dieser begnadete Künstler wollte dem Wesen der Dinge und der Farbe auf den Grund gehen und das Licht selbst, keineswegs dessen atmosphärischen Widerschein, mit und in der Farbe sichtbar machen. Erst das verwobene Geflecht aus Farbflächen gibt dem Bild die feste Form, die er suchte.

So differenziert wie bei Dürer Goya und Cezanne verdeutlicht Heine bei allen anderen von ihm thematisierten Malern, Bildgeschichten, bestimmte Maltechniken, und Kunstvorstellungen und macht damit sein Buch zu einem Leckerbissen für alle Kunstliebhaber.




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