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Rezension:Zeiten des Aufruhrs (DVD)

Lassen Sie sich von diesem Zitat nicht blenden. April, die Protagonistin des vorliegenden Films, säuselt hier keine Liebesworte, sondern sie leidet darunter eine Frau zu sein, eine Frau in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts.

Frank (Leonardo di Caprio) und April (Kate Winslet) lernen sich Anfang der 50er Jahre auf einer Party kennen. Es ist Liebe auf den ersten Blick. April träumt von eine Karriere als Schauspielerin. Frank weiß noch nicht genau, was er möchte. April begreift sein Potential sofort. Die beiden heiraten und werden Eltern zweier Kinder. Diese Tatsache zwingt sie in die Tretmühle des Alltags. Frank arbeitet als Büroangestellter und hasst seinen Job. April ist nun unzufriedene Hausfrau und Mutter.

Die Familie lebt in einem Haus im Grünen in der Vorstadt, wie so viele Mittelsschichtsangehörige in den USA. Diese junge Frau erträgt die tägliche Langeweile und den Stumpfsinn nicht. Sie ist angeödet, nicht zuletzt von ihren spießigen Nachbarn sowie dem Einerlei ihres Alltags und wird immer launenhafter. Sie streitet wegen Nichtigkeiten mit Frank, der sie innig liebt. Aus Frust geht er mit einer Büroangestellten fremd. April versucht einen Ausweg aus dem Vorstadtgefängnis zu finden und schlägt ihrem Gatten vor, gemeinsam mit dem Kindern nach Paris zu ziehen.

Sie möchte als Übersetzerin arbeiten. Frank soll nicht erwerbstätig sein, sondern in sich hineinhören, um zu ergründen, was er im Leben eigentlich möchte. Im Grunde möchte April Frank mit Paris locken die angestammten Rollen zu vertauschen. Ihr Traum von Paris scheitert, weil April erneut ungewollt schwanger wird. Für sie bricht eine Welt zusammen, während Frank beinahe froh ist einen höheren Posten in seiner Firma annehmen zu können und sein Leben nicht nachhaltig verändern zu müssen.

Ein Mathematiker, Sohn aus der Nachbarschaft, der die meiste Zeit im Irrenhaus untergebracht ist, aber hin und wieder mit seinen Eltern April und Frank besucht, begreift wie kein anderer die Hölle der Vorstadt. Sie ist nichts für neugierige, sensible Menschen. Sie nimmt diesen Menschen den Lebensmut. Ihn hat die Spießigkeit der Vorstadt in die Psychiatrie gebracht. April zerbricht an der Rolle, die sie die nächsten 30 Jahre spielen soll und trifft eine Entscheidung, die meiner Ansicht nach konsequent ist..... Sie leidet zu sehr darunter eine Frau zu sein, die dauerhaft im bürgerlichen Käfig leben soll. Welche Chancen, einen eigenen Weg zu gehen, hätten sich dieser Frau in den 50er Jahren mit zwei Kindern geboten? Vermutlich keine. Ein sehr guter gesellschaftskritischer Film, der die Realität nicht zu schönen sucht.






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