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Rezension:Anna Amalia. Herzogin von Weimar (Gebundene Ausgabe)

Eine wirklich interessante Frau!,Annette Seemann hat ein bemerkenswertes Buch über die Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar ( 1739-1807) verfasst.
Die Autorin berichtet zunächst von der Herkunft , Kindheit und Jugend der braunschweigschen Prinzessin, die 1756 als Gattin des 18 jährigen Herzogs Ernst August II( 1737-1758) in Weimar eintrifft.
Die Weimarer Herzogin hat von ihrer Mutter die Liebe zu Bücher vererbt bekommen und in ihrer Kindheit bereits Zugang zu Büchern aus den unterschiedlichen Wissensgebieten, zu Nachschlagewerken und schöngeistiger Literatur erhalten.

Ohne Anna Amalia hätte vermutlich die Weimarer Klassik nie stattgefunden, denn sie machte Weimar zum Zentrum des deutschen Geisteslebens.

Anna Amalia hat als sehr junges Mädchen bereits die Möglichkeit die in der damaligen Welt berühmte Bibliothek in der Nähe des Wolfenbüttler Schlosses, wo sie lebte - die heutige Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel - kennenzulernen.
Die Bestände der damaligen Bibliothek in Wolfenbüttel dokumentieren, dass verschiedene intellektuelle Interessen der Herzogin, wie etwa das Interesse an Italien, der italienischen Sprache und der Liebe zur italienischen Musik dort ihren Anfang genommen hat.
Zwei Jahre nach ihrer Eheschließung verstirbt ihr Gatte bereits, der die Geburt seines zweiten Sohnes schon nicht mehr miterlebt.
Im selben Jahr übernimmt Anna Amalia die Regentschaft des Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach.
Es gelingt ihr im Laufe der Jahre die wirtschaftlichen Verhältnisse neu zu ordnen und das Herzogtum schuldenfrei zu machen.
Ihr Bemühen eine Hebammenschule einzurichten, um die hohe Mütter- und Kindersterblichkeit zu minimieren hat ihr leider nicht nur das Wohlwollen der Bürger eingebracht, weil diese nicht akzeptieren wollten nun einen Hebammengroschen zu errichten.
Bereits lange vor dem Weimarer Schlossbrand wurde die fürstliche Bibliothek ( sie umfasste damals schon 30 000 Bände) in das " grüne Schlößchen - ein alter Renaissancebau in der Stadt- ausgelagert.
Die herzogliche Kammer genehmigt den Umbau des Gebäudes und so entsteht Herzogliche Bibliothek, die erst viel später den Namen "Herzogin Anna Amalia Bibliothek" tragen wird. Über diese Bibliothek, ihre räumliche Ausgestaltung , vor allem natürlich über dort untergebrachten Kostbarkeiten berichtet Seemann breitgefächert.
Ferner wird man über die Bildungsideale Anna Amalias und die Erziehung der beiden Söhne unterrichtet.
1772 beruft Anna Amalia den Erfurter Philosophieprofessor Martin Wieland an ihren Hof. Er wird Erzieher des Erbprinzen August sowie seines Bruders und enger Geistesfreund der Herzogin.

Nach dem Brand des Schlosses zieht Anna Amalia in den Wittumspalast um.
Seemann lässt den Leser wissen, wie sehr die Herzogin Porzellan schätzte und mit welch großem Eifer sie Fürstenberger, aber auch Meissner Porzellan sammelte .
Die von ihr begonnene Politik Gelehrte und Künstler in Hofämter zu berufen, wurde später von ihrem Sohn ab 1775 fortgesetzt, wodurch sich zwar " eine von Abhängigkeiten und Animositäten des gegen den Hof geprägtes Klima , aber gleichzeitig eine ständig brodelnde kreative Atmosphäre entwickelte."
Mit der Regierungsübernahme ihres Sohnes beginnt ein neuer Lebensabschnitt der "Herzoginmutter". Sie widmet sich von nun an ausschließlich ihren künstlerischen und literarischen Interessen.
Sowohl im " Wittumspalast" als auch in den Sommeresidenzen Ettersburg und Tiefurt beginnt sie geistig interessierte Menschen, die nichts zwingend ein Adelprädikat haben mussten, um sich zu scharen.
Berühmt wird ihre so genannte "Mittwochstafel". Goethe, Wieland, Herder, auch Knebel und von Einsiedel sind immer dabei und sorgen für lebhafte intellektuelle Diskussionen.
Es entsteht das sogenannte Liebhabertheater. So wird u.a. auf Schloss Tiefurt Goethes " Iphigenie auf Tauris" aufgeführt. Der Dichter wird persönlich die Rolle des Orest spielen und dafür umjubelt werden.
Über all dies berichtet die Autorin ausführlich.
1778 dann verwirklicht die Herzogin ihren Lebenstraum. Sie reist nach Italien, wo sie u.a. in Rom die Malerin Angelika Kauffmann treffen wird.
Über diese Reise , ihre Begegnungen und Eindrücke und über die dort erworbenen Kunstgegenstände informiert Seemann sehr detailliert.
Wieder in Weimar, wird sich Anna Amalia bis zur Plünderung der Stadt im Jahre 1806 durch die Franzosen intensiv mit der Aufarbeitung ihrer italienischen Impressionen befassen. Durch diese furchtbaren Ereignisse allerdings wird ihr schließlich der Lebensmut genommen und sie verstirbt 1807.

Erst am 18.9.1991 anlässlich des 300jährigen Bibliotheksjubiläums erhielt die Bibliothek den Namen ihrer Mäzenin.
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Das Buch enthält übrigens zahlreiche hochinteressante Fotos , so etwa von der Bibliothek vor dem verheerenden Brand 2004 , natürlich auch von Kauffmanns hinreissendem Gemälde von Anna Amalia in Italien und zahlreiche andere schöne Aufnahmen des Weimarer Fotografen Constantin Beyer.

Empfehlenswert, nicht nur für Weimar-Fans. 



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