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Rezension:Die Bilder der italienischen Renaissance entschlüsseln und verstehen (Broschiert)


Stefano Zuffi erklärt im vorliegenden Buch versteckte Botschaften in den Werken der Meister der italienischen Renaissance.

Die italienische Renaissance ist in der Kunstwissenschaft die Bezeichnung für die Epoche der europäischen Kunstgeschichte zwischen Gotik und Manierismus bzw. dem nachfolgenden Barock, die unter Wiederaufnahme antiker Traditionen von Italien ihren Anfang nahm und dort um 1530 endete. In der Einführung des Buches erfährt man, dass der Sacco di Roma, die blutige Plünderung der Ewigen Stadt durch deutsche Landsknechte und spanische Söldner im Jahr 1527 auf traumatische Weise das Ende der großen humanistischen Vision von der Welt der Harmonie und Schönheit bedeutete.

Anhand von sehr beeindruckenden Gemälden bedeutender Renaissancemaler, wie etwa Antonello da Messina, Leonardo da Vinci, Gentile und Giovanni Bellini, Giorgione, Albrecht Dürer, Michelangelo Buonarroti, Tizian, Raffael und vielen anderen mehr lernt man die subtile Darstellung von individuellen Botschaften einzelner Motive kennen.

Zur Sprache kommen u.a. Prunk, Schlichtheit, Venus, Linienführung, Humanismus, Geometrie, Ausgewogenheit, Weiblicher Akt, Freundschaft, Leidenschaft, Amor, Melancholie, der Goldene Schnitt, Göttliche Proportion, Harmonie, Lächeln, Gestik, Gelehrte.

Insgesamt werden gut 180 Gemälde vorgestellt und einzelne Motive als Ausschnitt etwas vergrößert neben dem Gesamtbild gezeigt. Man erfährt im Rahmen einer Kurzbiografie stets Wissenswertes über den jeweiligen Künstler und wird auch in Kenntnis gesetzt, wo die Werke im Original zu sehen sind.

Raffael stellte seine Sicht des Begriffes "Gelehrte" in seinem Fresko die Schule von Athen dar. Diese Freske wird zunächst in seiner Gesamtheit (natürlich erheblich verkleinert, das Original hat eine Basis von 770cm) visualisiert. Auf dem Bild sind Philosophen aus mehreren Jahrtausenden im Tempel der Weisheit zusammengekommen. Erklärt wird anhand von Bildausschnitten die Gestik von Platon und Aristoteles. Ferner sieht man auch einen Bildausschnitt, wo sich der siebenundzwanzigjährige Künstler zwischen den berühmtesten Philosophen und Denkern porträtiert hat. Dabei handelt es sich um ein Zeugnis für die zeitgenössische Auffassung, dass der Maler primär ein Gelehrter sei.

Am Beispiel der "Sixtinischen Madonna" von Raffael wird der so genannte Illusionismus erläutert. Es geht hierbei nicht mehr um dreidimensionale Innenräume, aufgrund derer die Räume der Bilder sich in die Tiefe erstrecken, sondern um Ausblicke in die offene Natur oder in den Himmel. Bei der näheren Erklärung der illusionistischen Effekte stieß ich auch auf den Puttenausschnitt und freute mich, dass die Putten als denkende Engel gewertet werden. Auch hinter ihnen tut sich der Himmel auf.

Dieses Buch ist eine Fundgrube für Kunstinteressierte, die die Gemälde der Meister der italienischen Renaissance zu schätzen wissen. Mein Betrachtungswinkel bei vielen Bilder hat sich durch die Lektüre verändert, selbst bei Botticellis "Die Verleumdung des Apelles". Zu diesem Werk habe ich schon viel gelesen und ich war nicht wenig erstaunt, dass man immer wieder neue Einzelheit in Erfahrung bringen kann.

Sehr empfehlenswert.




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