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Rezension: Gräfin Cosel

Gräfin Cosel ist die schöne, intelligente und dabei ehrgeizige Mätresse Augusts des Starken von Sachsen, die sich in ihrer Unbeugsamkeit von allen weiteren Geliebten seines berüchtigten "Harems" unterscheidet und nicht zuletzt dadurch in die Geschichte eingehen wird. Nachdem der König Madame Cosel beinahe

ein Jahrzehnt hindurch in jeder Beziehung Gunst bezeugt und sie mit Geschenken aller Art überhäuft hat, verliert er das Interesse an ihr und vollzieht die Trennung. Da sich "die Cosel" nicht ohne Widerspruch mit ihrem Los zufrieden gibt und dem Willen Augusts nicht beugen möchte, darf sie sich nicht länger als stolze Besitzerin des glanzvollen Taschenbergpalais betrachten, sondern muss sich stattdessen mit ihrer Inhaftierung auf der Festung Stolpen abfinden. Dort hält man sie schließlich jahrzehntelang gefangen. Diese Lebensphase wird die einstige Mätresse des sächsischen Königs jedoch ungebrochen überstehen, denn sie findet, wie man von Kraszewski erfährt, aufgrund ihres hohen Erkenntnisvermögens eine Möglichkeit, zwar physisch eingeengt und immerfort auszubrechen versuchend, sich zumindest geistigen Freiraum zu schaffen. Sie liest viel! Ihre Lieblingslesestoff sind hebräische und orientalische Bücher!

Als August der Starke verstirbt und man daraufhin Madame Cosel die Freiheit wieder zubilligt, sieht sie keine Notwendigkeit mehr Stolpen zu verlassen. Wie bereits angedeutet, liegen ihre Prioritäten jetzt auf geistigem Gebiet; der "Dresdner Hof" hat in ihrem Denken schon lange seine Bedeutung verloren!

Die letzte große Passion der Gräfin ist der jüdische Glaube, dem sie sich in ihren späten Jahren intensiv zuwendet.Im Alter von fast fünfundachtzig Jahren schließt Madame Coseldie Augen für immer, aber bis heute ist sie -nicht nur- bei der Dresdner Bevölkerung unvergessen und dazu leistet KraszewskisRoman ganz gewiß einen nicht unbedeutenden Beitrag!

Der polnische Autor hat dieses Buch vor weit mehr als hundert Jahren geschrieben. Dabei ist es ihm gelungen, ein vielschichtiges Bild von Gräfin Cosel zu zeichnen; das Bild einer Frau, der es an ausdrucksstarker Persönlichkeit nicht gemangelt hat. Kraszewski schafft es zudem, dem Leser einen farbenprächtigen Eindruck vom ziemlich intriganten, korrupten,sächsischen Hofleben, von allerlei politischen Verwicklungen, aber auch von den ehrgeizigen, kulturellen Ambitionen, während der Blütezeit von " Elbflorenz", in diesem und weiteren vier, ebenfalls empfehlenswerten Büchern* zu vermitteln. Dabei vergisst der Autor keineswegs die politischen Bestrebungen der damals Mächtigen kritisch zu beleuchten.

Jedem Besucher Dresdens ist es zu empfehlen, neben einem guten, handlichen Reiseführer, z. B. " Dresden und die Sächsische Schweiz", Dumont Reisetaschenbuch, ISBN 3-7701-5936-5, diese Bücher Kraszewskis zu lesen, um eine schillernde Idee von der Glanzzeit Dresdens im Kopf zu haben und sich, entsprechend inspiriert, auf die Stadt einzulassen. Sofern der potentielle Dresden-Besucher auch etwas über den leidvollen Untergang von"Elbflorenz" erfahren möchte, ist es unabdingbar, sich mit dem Buch von Walter Kempowski " Der rote Hahn" ISBN 3-442-72842-8 zu befassen.

*" König August der Starke", " Feldmarschall Flemming"," Graf Brühl" und " Aus dem Siebenjährigen Krieg", alle im Aufbau Taschenbuchverlag erschienen.
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