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Rezension: Prinzip Menschlichkeit: Warum wir von Natur aus kooperieren

Die beste Droge für den Mensch ist der andere Mensch!,

Der Neurobiologe und Psychotherapeut Prof.Joachim Bauer stellt in diesem Buch die jüngsten Untersuchungsergebnisse seines Forschungsgebietes vor, wonach der Mensch über körpereigene Antriebsorgane für Zielstrebigkeit und Lebenswillen verfügt. Dopamin, endogene Opioide und Oxytozin - das sind die Stoffe, die erhebliche Glücksgefühle auslösen- , werden im Körper dann freigesetzt, wenn Menschen soziale Resonanz und Kooperationsbereitschaft mit Dritten verspüren. Prof. Bauer konstatiert, dass nichts die Motivationssysteme( Antriebsorgane) so sehr aktiviert, wie der Wunsch von anderen gesehen zu werden, die Aussicht auf soziale Anerkennung, das Erleben positiver Zuwendung und die Erfahrung von Liebe.


Diese Motivationssysteme schalten ab, wenn keine Chance auf soziale Zuwendung im Spiel ist. Hält soziale Isolation und Ausgrenzung über lange Zeit an, führt dies zu Apathie und zum Zusammenbruch der Motivationssysteme. Offenbar werden besagte Motivationssysteme des Menschen dadurch beschädigt, wenn er in der Frühphase seiner Entwicklung zu wenig Zuwendung erfährt. Untersuchungen zeigen, dass die Erfahrung von Lieblosigkeit und Vernachlässigung im Körper auf längere Zeit abgespeichert werden und nachhaltige Spuren im Motivationssystem hinterlassen. Damit wird deutlich, dass Gene ihre Funktion nur im engen Zusammenspiel mit der Umwelt wahrnehmen können und sich das Menschenbild des Darwinismus , (hier strebt der Mensch seiner inneren Natur nach den Verdrängungskampf an) aus neurobiologischer Sicht als wissenschaftlich nicht haltbarer Denkansatz erweist.

Wer seinen Mitmenschen und damit auch sich selbst Gutes tun möchte, muss ihnen und sich selbst die Möglichkeit geben zu kooperieren und Beziehungen zu gestalten.

Prof. Bauer führt aus, dass dauerhaft gestörte oder der Verlust tragender Beziehungen den Absturz der Motivationssysteme zur Folge haben kann. Über die emotionalen Angstzentren des Gehirns kann es zu einer Hochschaltung von Stressgenen und zur Ausschüttung von Alarmbotenstoffen in tiefer gelegenen Hirnarealen kommen. Die Folge sind Angst, Panik ,Trauer , Aggression und depressive Störungen. Fehlende Zuwendung und Bindung während der Kindheit, so Bauer, erzeugen im späteren Leben stets erhöhte Angst- und Stressbereitsschaft. In Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass dauerhafte Konzentration der Stressbotenstoffe Glutamat und Cortison die Nervenzellen und Netzwerke gefährden. Als wissenschaftlich erwiesen gilt, dass markante Schädigungen wichtiger Nervenzellen als Folge einer durch andere Menschen erlittene Traumatisierung entstehen können. Dieser Nachweis verdeutlicht , dass unser Gehirn auf gelingende Beziehungen und nicht auf Gewalt und den Kampf aller gegen alle ausgerichtet ist.

Bei einsamen Menschen konnte ein erhöhter Spiegel der Stresshormons Adrenalin und Noradrenalin ermittelt werden. Kreislaufbedingte Erkrankungen sind hier die Folge.

Weiter führt Prof.Bauer aus, dass Aggression im Dienste sozialer Beziehungen steht und stets dann ins Spiel kommt, wenn Bindungen bedroht sind, wenn sie nicht gelingen oder fehlen. Misstrauen und Ablehnung begünstigen Aggressionen, was am Anstieg des Aggressionshormons DHT nachgewiesen werden kann.

Soziale Isolation wird neurobiologisch als Schmerz erlebt und mit einer messbaren biologischen Stressreaktion beantwortet, deren Folge eine aggressive Handlung ist. Bauer hält fest:" Wo Aggression stattfindet, geht es - direkt oder indirekt- immer um das Bemühen um gelingende Beziehung, um Verteidigung oder um eine Reaktion auf ihr Scheitern." ( vgl.: S. 84). Am stärksten begünstigen selbst erlittene Gewalt und fehlende menschliche Beziehungen in der Herkunftsfamilie Aggression und Gewalt.

Prof. Bauer weist nach, dass Evolution nur stattfinden konnte, weil kooperative Vorgänge eine zentrale Rolle bei der Entwicklung von einfachen zu höheren Lebewesen spielten.

In diesem Zusammenhang verdeutlicht Bauer , dass Gene untereinander permanent kommunizieren und auch gegenüber der Umwelt ein kommunizierndes Netzwerk darstellen. Gene und Umwelt bilden eine Einheit. Sie sind Teil eines kooperativen Projekts, denn der Mensch kann außerhalb des eigentlichen Erbgangs nachhaltig biologisch geprägt werden, wie Untersuchungen an Zwillingen verdeutlichen.

Durch Experimente der Spieltheorie wird erkennbar , dass das Gehirn nichtkooperative Unfairness verachtet und deren Bestrafung wünscht.

Sehen und Gesehenwerden, gemeinsame Aufmerksamkeit gegenüber Drittem, emotionale Resonanz, gemeinsames Handeln und wechselseitiges Verstehen von Motiven und Absichten sind die wesentlichen Vorraussetzungen für das Gelingen von Beziehungen, ohne die die Menschen und damit auch die Gesellschaft nachgewiesenermaßen krank werden.

Prof. Bauer führt den weltweiten destruktiven Prozess, der natürliche, wirtschaftliche und menschliche Ressourcen vernichtet ,darauf zurück, dass man gesellschaftliche Modelle lebt, die sich gegen die biologischen Vorraussetzungen des Menschen richten.

Er resümiert, dass der Mensch für dererlei Modelle - in denen Kampf und Auslese vorherrschen -nicht gemacht ist.

Ich danke Prof. Bauer für dieses Buch. Ich hoffe, dass seine Erkenntnisse weltweit gelesen und auch umgesetzt werden.

Sehr empfehlenswert!










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