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Rezension: Toleranz

Bessern kannst du einen , wenn du ihn erträgst, durch Vorwürfe wird er in jedem Fall schlechter. ( Seneca D.J.),

Ein Mensch, der mir viel bedeutet, erinnerte mich vor meiner Weimarreise daran, dass ich bei all meiner Affinität gegenüber Goethe, die Philosophen aus Jena nicht vergessen möge.

Immer, wenn ich Weimar besuche , bin ich tagsüber sehr beschäftigt, denn ich versuche stets etwas Neues zu entdecken, deshalb habe ich nur nachts Zeit ein paar Zeilen zu lesen.

Im vorliegenden Bändchen " Von der Toleranz" liest man Sentenzen, Essays, aber auch Briefe von großen Philosophen und Schriftstellern, die sich hier zum Thema Toleranz äußern und deren Stellenwert im Denken geistig offener Menschen sehr treffend herausarbeiten.

Nicht nur Leibnitz, Hume, Lessing, Goethe und Heine, sowie schließlich auch Adorno schreiben hier wohlüberlegt und dabei allgemein verständlich zur Toleranz. Übrigens lässt sich der einst in Jena lebende Friedrich Schlegel ebenfalls gedanklich dazu aus.

Es sei mir gestattet heute am Neujahrstag den Gedanken eines Philosophen aus Weimar zu zitieren: " Goethe konzipierte einen starken , hochgebildeten in allen Leiblichkeiten geschickten , sich selbst im Zaume habenden, vor sich selber ehrfürchtigen Menschen, der sich den ganzen Umfang und Reichtum der Natürlichkeit zu gönnen wagen darf, der stark genug zu dieser Freiheit ist; den Menschen der Toleranz, nicht aus Schwäche sondern aus Stärke, weil er das , woran die durchschnittliche Natur zugrunde gehen würde, noch zu seinem Vorteil zu gebrauchen weiß; den Menschen , für den es nichts mehr Verbotendes gibt, es sei denn die Schwäche , heiße sie nun Laster oder Tugend....Ein solcher freigewordener Geist steht mit einem freudigen und vertrauenden Fatalismus mitten im All, im Glauben, dass nur das Einzelne verwerflich ist, dass im Ganzen sich alles erlöst und bejaht- er verneint nicht mehr....Aber ein solcher Glaube ist der höchste aller möglichen Glauben: ich habe ihn auf den Namen des Dionysos getauft." ( Friedrich Nietzsche)

Es ist sinnvoll sich die " Lektüre zwischen den Jahren" in den kommenden zwölf Monate immer wieder zu vergegenwärtigen und sich insbesondere in die Worte Spinozas zu vertiefen: " Der Grausamkeit wird Milde gegenübergestellt, welche aber kein Leiden ist, sondern die Macht des Gemüts, mit welcher der Mensch den Zorn oder die Rachsucht bändigt.

Ich habe mich eifrig bemüht, die Taten der Menschen nicht zu belachen, nicht zu betrauern, noch zu verabscheuen, sondern sie zu verstehen."

Es Spinoza gleich zu tun, kann nichts Schlechtes sein, meinen Sie nicht auch?

Empfehlenswert!



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