.

.

Rezension : Wilhelm Schmid: Glück

Fortune

Bist Du glücklich,

so verbirg Dein Glück.

Flüchtig berührt

von des anderen Blick

flieht es alsbald...

und ewig beklagen wir

das Unabänderliche,

ewig des Glückes Scheu.

(H.K.)



Der Philosoph Wilhelm Schmidt lotet in diesem Büchlein die Facetten des Begriffes " Glück" aus und hinterfragt , ob es im Leben Wichtigeres gibt als glücklich zu sein.

Schmidt beginnt seine Betrachtungen, indem er das so genannte " Zufallsglück " , die Franzosen nennen es " fortune " , beleuchet.

Merkmal des Zufallsglücks ist seine Unverfügbarkeit. Verfügbar ist einzig die Haltung , die eine Person dazu einnimmt. Diese kann sich einer Begegnung, Erfahrung oder Information verschließen oder öffnen.

Der Autor verdeutlicht, dass das Leben durch unverhofftes Zufallsglück nicht automatisch besser gemeistert wird, sondern die innere Bereitschaft am Leben zu arbeiten eher verschlechtert.

Eine andere Glückform ist das " Wohlfühlglück", die Engländer nennen es " happiness ", die Franzosen " bonheur ".

John Locke hatte dieses Wohlfühlglück im Auge als er in seinen Schriften festhielt, die Natur habe dem Menschen das " Streben nach Glück " und den " Widerwillen gegen Leid " eingepflanzt. Glück ist für Locke die größtmögliche Lust.

In der französischen Enzyklopädie von 1751 wird in der Folge nicht grundlos erörtert, ob nicht jeder das Recht habe ganz nach seinen eigenen Vorstellungen glücklich zu sein. Das Recht auf " happiness " findet wenig später dann Eingang in die amerikanische Unabhängigkeitserklärung.

Neuerdings können Glücksgefühle dieser Art seitens von Neurobiologen gemessen werden. Der Pegelstand der Endorphine sagt viel über das Wohlbefinden eines Menschen aus.
Aber ist der wirkliche Sinn im Leben der sich dauerhaft wohlzufühlen?

Was eben noch lustvoll war, verliert wenig später an Anziehungskraft.

Maximierung von Lust wirkt kontraproduktiv und führt schließlich zur Maximierung der Unlust.

Sinnvoll kann insofern nie das höchst Maß , sondern immer nur die Optimierung sein.
Schmid hält fest, dass das eigentliche Glück, das philosophische sei , weil dieses dauerhafter und umfassender sei als alles Zufallsglück und Wohlfühlglück.

Der entscheidende Schritt zu dieser Glücksform wird vom Menschen selbst gemacht durch seine Festlegung in der Haltung zu den äußeren Umständen.

" Nicht nur erfüllte, sondern auch leere Tage, denn hundert Tage , die als leer und langweilig empfunden werden, sind vollkommen gerechtfertigt für einen einzigen Tag der überbordenen Fülle."

Schmid wirbt für heitere Gelassenheit. Diese ist das Bewusstsein davon, dass in allem immer noch etwas anderes möglich ist; dass Höhen und Tiefen sich abwechseln wie Tag und Nacht, wie Ein- und Ausatmen; dass dies der Takt des Lebens ist, das aus der Polarität in allen Dingen seine Spannung bezieht.

Auch vom Glück des Unglücklichsein schreibt der Autor: von der Melancholie. Diese ist eine Seinweise einer Seele, die, anders als die Depression, möglicherweise angeleitet wird von einem höchst reflektierten Bewusstsein und nicht zuletzt zu Freude bringendem künstlerischem Schaffen führen kann.

Glück , so Schmid, wird nicht selten mit dem Begriff Sinn verwechselt.
Was ist aber Sinn?
Sinn ist Zusammenhang, Sinnlosigkeit demzufolge Zusammenhanglosigkeit.

Beziehungen unter Menschen, die einen starken Zusammenhang zwischen ihnen stiften, sind sinnvoll. Wenn Menschen ihr Tun nicht aufeinander abstimmen, kann dies als sinnlos bezeichnet werden.

Stimmigkeit macht demnach Sinn. Folglich ist das Wichtigste im Leben Sinn: die Fülle der Sinnlichkeit im Körperlichen, die Fülle des Fühlens im Seelischen, die Fülle des Denkens im Geistigen, die Fülle der Erfahrungen von Transzendenz im Metaphysischen.

Schmid konstatiert, dass der Verfall der Sinne in der technischen Welt ein Verschwinden von sinnlichem Sinn und damit ein Schwinden des Zusammenhangs von Selbst und Welt nach sich zieht.

Die Beziehung zu sich ist die Basis für die Beziehung zu anderen, für die Gründung und Pflege der verschiedensten sozialen Zusammenhänge. Verlust von Bindung geht mit Verlust von Sinn einher.

Sinn , der im Geiste zu denken ist, sind beispielsweise intentionnale, logische, argumentative, kausale, historische, konzeptionelle oder auch ethisch-ästhesische Zusammenhänge.

Leicht nachvollziehbar erklärt der Philosoph, was man unter all diesen sinnstiftenden Zusammenhängen zu verstehen hat, um schließlich auch den Sinn über sich hinaus, der zu denken und zu fühlen ist, gedanklich auf den Prüfstand zu bringen.

Wilhelm Schmidt rät zu einer kleinen Atmenpause inmitten der derzeitigen Glückhysterie und zeigt, dass die Beschäftigung mit Sinn , weitaus ergiebiger ist als die mit dem Glück.

Eine empfehlenswerte Lektüre!

21&o=3&p=8&l=as1&asins=3458173730&fc1=000000&IS2=1<1=_blank&m=amazon&lc1=0000FF&bc1=000000&bg1=FFFFFF&f=ifr" style="width:120px;height:240px;" scrolling="no" marginwidth="0" marginheight="0" frameborder="0">


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen